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Immer mehr Katholiken im Bistum Trier treten aus der Kirche aus

Kirche : Austrittswelle im Bistum Trier: Eine Hiobsbotschaft folgt der nächsten

Der katholischen Kirche im Bistum laufen die Gläubigen davon. Der Generalvikar glaubt zu wissen, wie der steile Abwärtstrend gestoppt werden kann.

Die schlechten Nachrichten für die Verantwortlichen im Bistum Trier reißen nicht ab: Nachdem  Rom vor einigen Tagen der geplanten Strukturreform einen Riegel vorgeschoben hat, folgte nun die nächste Hiobsbotschaft. Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Bistum Trier im vergangenen Jahr auf Rekordniveau gestiegen.

13 850 Katholiken drehten der katholischen Kirche in Deutschlands ältestem Bistum den Rücken zu, das sind 3754 Austritte mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Zuwachs bei den Austritten von 37 Prozent und liegt damit deutlich über dem bundesweiten Anstieg von 26 Prozent. Die Zahlen seien nicht schön zu reden, kommentierte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg die Veröffentlichung.

Die Statistik mache nur noch eindrücklicher deutlich, „wie dringend wir Veränderungen brauchen und mutige Schritte wagen müssen.“ Ein deutlicher Seitenhieb des Generalvikars auf die vom Vatikan auf Eis gelegte Reform des Bistums, die vorsah, die Zahl der Pfarreien deutlich zu reduzieren und Ehrenamtlichen mehr Mitsprache- und Entscheidungsbefugnisse zu geben.

Plettenberg betonte, dass es angesichts der Zahlen umso wichtiger sei, den mit der Synode beschrittenen Weg weiterzugehen. Auch wenn das Gesetz zur Umsetzung der Synode nach den Gesprächen in Rom jetzt noch einmal überarbeitet werden müsse, bleibe die Richtung vorgezeichnet. „Mit einer diakonischen Kirchenentwicklung haben wir eine klare Zukunftsvision und Haltung für die Kirche im Bistum: Wir wollen uns noch stärker dem einzelnen Menschen und seinen Bedürfnissen und seinen Themen zuwende“, sagte Ulrich Graf von  Plettenberg am Freitag wörtlich.

Trotz der hohen Zahl an Kirchenaustritten leben im Bistum Trier immer noch 1,3 Millionen Katholiken. Damit ist mehr als jeder zweite Bewohner katholischen Glaubens. Rückläufig sind auch die Zahl der Taufen (von 9057 auf 8733), Erstkommunionen (von 9642 auf 9279) und Firmungen (von 7857 auf 6122). Die Zahl der kirchlichen Trauungen war mit 1993 so niedrig wie nie zuvor (2018: 2285). Katholisch bestattet wurden 16 594 Personen, etwa 900 weniger als im Jahr zuvor. Rückläufig ist auch die Zahl der Gottesdienstbesucher. Die durchschnittliche Besucherzahl der Sonntagsgottesdienste lag demnach bei 96 Gläubigen.

In ganz Deutschland haben die beiden großen Kirchen im vergangenen Jahr erstmals insgesamt mehr als 500 000 Mitglieder durch Austritt verloren.

In den 27 katholischen Bistümern verließen 272 771 Menschen ihre Kirche – so viele wie nie zuvor. Das waren 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt gehörten 2019 noch 22,6 Millionen Menschen der katholischen Kirche in Deutschland an. Den evangelischen Kirchen kehrten etwa 270 000 Menschen den Rücken  – rund 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit gehörten 20,7 Millionen Menschen einer der 20 Gliedkirchen der EKD an.

Der Kirchenkreis Trier kam vergleichsweise glimpflich davon. Die Zahl der Mitglieder sank um etwa ein Prozent auf 54 381. Der Kirchenkreis ist in etwa deckungsgleich mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Trier.

Der Rückgang der Mitgliederzahlen auf Bundesebene hat neben den Austritten auch demografische Gründe: Die Zahl der kirchlichen Bestattungen lag bei beiden großen Kirchen deutlich über der Zahl der Taufen, Eintritte und Wiederaufnahmen.

Ob der Missbrauchsskandal eine zentrale Ursache der neuen Austrittswelle ist, liegt nahe, bleibt aber ungewiss, weil die evangelische Kirche gleich hohe Austrittszahlen verzeichnet, jedoch in der Öffentlichkeit weit weniger mit Missbrauchsfällen in Verbindung gebracht wird.

Im September 2018 hatten die katholischen Bischöfe eine Studie veröffentlicht, die das Ausmaß sexuellen Missbrauchs zwischen 1946 und 2014 untersuchte. Darin fanden sich Hinweise auf bundesweit 3677 Betroffene sexueller Übergriffe durch rund 1670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute. Im Bistum Trier war zuletzt von 442 Opfern (davon 252 männlich) und 148 Priestern als Täter die Rede.