Interview mit Stephan Ackermann

Interview : „Das Thema ist Chefsache“

Was der Trierer Bischof zur aktuellen Missbrauchsdebatte sagt.

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist seit 2010 Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischöfe. Mit dem 55-Jährigen sprach am Mittwoch unser Mitarbeiter Rolf Seydewitz.

Inwiefern waren die neuerlichen Diskussionen der Bischöfe über das Thema Missbrauch ein Erfolg oder Misserfolg?

ACKERMANN Die Diskussionen sind das Ergebnis der Selbstverpflichtungen, die wir Bischöfe im Herbst in Fulda eingegangen sind, und sie bedeuten einen Fortschritt auf dem eingeschlagenen Weg. Was die Zufriedenheit über die Geschwindigkeit angeht, kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein.

Täuscht der Eindruck, dass beim Thema Missbrauch inzwischen Kollegen von Ihnen wie der Mainzer oder der Essener Bischof „den Ton angeben“ und nicht mehr Sie als Missbrauchsbeauftragter?

ACKERMANN Ich habe ja schon häufiger gesagt, dass das Thema Chefsache sein muss. Insofern bin ich froh, wenn Kollegen sich äußern und zeigen, wie prioritär das Thema für uns Bischöfe ist.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass quasi parallel zu Ihrer Pressekonferenz in Ihrem Heimatbistum der Fall eines verheirateten Diakons öffentlich wird, gegen den wegen Kinderpornographie ermittelt wird?

ACKERMANN Zunächst einmal bedrückt mich jeder Fall. Der aktuelle Verdachtsfall zeigt, dass das Thema gegenwärtig bleibt und wir in Prävention und Intervention nicht nachlassen dürfen. Er zeigt auch, dass die Problematik des Missbrauchs in der Kirche nicht allein eine Problematik zölibatärer Priester ist.

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