Katarina Barley ist SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl

Europawahl : Quereinsteigerin auf dem Weg nach Brüssel

Kandidaten im Porträt: Die Schweicherin Katarina Barley ist SPD-Spitzenkandidatin für die Europawahl.

Wer derzeit durch Deutschland fährt, sieht überall eine Schweicherin: Katarina Barley. Egal ob in Berlin, Saarbrücken oder Trier. Die 50-Jährige strahlt mit gekünsteltem Lächeln und auffallend mit Fotoshop bearbeiteten Wahlplakaten der SPD. Die an der Mosel lebende Politikerin mit deutschem und britischem Pass ist auf dem Sprung zu ihrer nächsten politischen Etappe. Sie, die sich im vergangenen Jahr scherzhaft als „Universalwaffe der SPD“ bezeichnete, ist Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Europawahl. Parteichefin Andrea Nahles soll sie mehr oder weniger dazu gedrängt haben, kurz nachdem Barley im vergangenen Jahr nach der ungewünschten Neuauflage der großen Koalition den Ministerposten bekam, der am ehesten ihrer beruflichen Qualifikation entsprach. Die damals 49-Jährige, die Rechtswissenschaft studiert hat und als Richterin in Trier und Wittlich tätig war, bevor sie ins rheinland-pfälzische Justizministerium wechselte, wurde Bundesjustizministerin. Bereits in der vorherigen schwarz-roten Koalition war sie Kabinettsmitglied. Als 2017 Familienministerin Manuela Schwesig als Ministerpräsidentin nach Mecklenburg-Vorpommern ging, übernahm Barley, die zuvor eher wenig erfolgreich Generalsekretärin der SPD war, das Ressort bis zur ein paar Monate später stattfindenden Bundestagswahl.

Barley gilt als politische Quereinsteigerin. Erst mit 25 ist sie in die Partei eingetreten. 2005 wurde sie in der Region bekannt, als sie in Trier-Saarburg gegen den CDU-Mann Günther Schartz als Landratskandidatin antrat. Zwar scheiterte sie, aber immerhin schaffte die bis dahin weitgehend unbekannte Politikerin und Mutter von zwei Söhnen aus dem Stand 45 Prozent. 2013 schaffte sie dann den Sprung in den Bundestag. Vier Jahre später war sie dann Mitglied der Bundesregierung.

Gerade als die Politikerin als Justiz- und Verbraucherminsterin im vergangenen Jahr eigene Themen setzte, drängte Nahles sie erneut zu einem Wechsel. Nach einigem Zögern entschied sich Barley dann, als Spitzenkandidat ihrer Partei ins Rennen zu gehen und von Berlin nach Brüssel zu wechseln. Aus Sorge um Europa und weil sie überzeugte Europäerin ist, habe sie sich schließlich dafür entschieden, sagte sie damals. Sie lebe Europa in der Region, dem Vierländereck, in besonderer Weise, teilt Barley, die nach eigener Auskunft neben Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch spreche, unserer Zeitung mit. Noch nie hat in Deutschland ein amtierender Bundesminister seinen Posten für die Spitzenkandidatur bei der Europawahl aufgegeben. Dass sie ins Parlament kommt, daran bestehen trotz der katastrophalen Umfragewerte der SPD (derzeit käme sei bei der Europawahl auf 17,2 Prozent, 2017 lag sie noch bei 27,3) keine Zweifel. Als ihre Ziele in Brüssel nennt Barley gegenüber unserer Zeitung, Europa zu einem sozialen Europa zu machen, als Beispiele dafür nennt sie einen europäischen Mindestlohn in allen EU-Staaten, eine Mindestbesteuerung von Konzernen wie Google und Amazon. „Aufgrund meiner bisherigen Tätigkeiten wird sicher auch der Bereich Rechtsstaatlichkeit und Demokratie ein Schwerpunkt meiner Arbeit werden“, sagt sie und fügt hinzu: „Das ist in der EU jetzt auch dringend nötig.“

Auch im EU-Parlament werde sie ihre Heimat, die Region, nicht aus dem Blick verlieren. Sie setze sich dafür ein, dass der grenzüberschreitende öffentliche Personenverkehr ausgebaut werde. Und dass sprachliche Hürden überwunden werden. „Alle jungen Menschen sollen die Möglichkeit erhalten, ein Auslandsjahr einzulegen, während der Ausbildung, in der Schule.“

Welche Tücken die EU manchmal hat, musste Barley im vergangenen Jahr selbst erfahren. Seit sie mit dem Ex-Trainer der Basketballer der Trierer Gladiators, Marco van den Berg, liiert ist, telefoniert sie viel ins Ausland. Van den Berg arbeitet in Amsterdam. Dadurch ist Verbraucherministerin Barley in die sogenannte Roaming-Falle getappt, wie sie im vergangenen Jahr bei einer Diskussion beim Trierischen Volksfreund erzählte. Sie bekam eine Handy-Rechnung von 400 Euro, die sie zahlte. Neben dieser Erkenntnis hat die Beziehung zu dem Trierer Ex-Trainer aber noch etwas gebracht: Sie lerne gerade Niederländisch. Was ihr in Brüssel sicher nicht schaden wird.

Auch nach dem Wechsel ins EU-Parlament will Barley weiter in der Region leben. „Ich habe mein halbes Leben hier verbracht und bin hier fest verwurzelt.“ Was sich ändern werde, sei ihr zweiter Wohnsitz. „Der ist dann Brüssel statt Berlin.“

Katarina Barley, Spitzenkandidatin der SPD für die Europawahl, spricht auf einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Partei. Foto: dpa/Danny Gohlke

Am 26. Mai sind die Europawahlen. Wer geht für welche Partei oder Wählergruppierung an den Start? Der TV stellt die regionalen Kandidaten in loser Abfolge vor.

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