Keine neue XXL-Pfarreien zum 1. Januar 2020 im Bistum Trier.

Katholische Kirche : XXL-Pfarreien: Jetzt tritt auch das Bistum auf die Bremse (Video)

Der Trierer Bischof verzichtet nach der Aussetzung des Synodengesetzes zunächst auf neue Großpfarreien. Die Leitungsteams und alte Gremien bleiben aber im Amt. Wann und wie es weitergeht, ist noch offen.

Nach Rom tritt jetzt auch das Bistum Trier bei der Umsetzung der Strukturreform auf die Bremse. Als Konsequenzen der ein paar Tage alten Entscheidung der Kleruskongregation hat Bischof Stephan Ackermann den Starttermin für die ersten 15 neuen Großpfarreien auf unabsehbare Zeit verschoben. „Solange es keine Entscheidung aus Rom gibt, können wir keinen neuen Zeitplan anbieten“, sagte Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg am Dienstagnachmittag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz.

Die Anfang vergangener Woche von Ackermann erlassenen Dekrete wurden gleichzeitig wieder zurückgenommen. Damit erübrigten sich die Beschwerden, meinte der Verwaltungschef des Bistums mit Blick auf einen Aufruf der Initiative Kirchengemeinde vor Ort. Die bistumskritische Organisation hatte in den vergangenen Tagen die Gläubigen aufgefordert, gegen die Dekrete Beschwerde einzulegen und sich so gegen die geplante Auflösung seiner Pfarrei zu wehren. Geschehe dies nicht innerhalb einer Frist von zehn Tagen, riskiere man, dass das Dekret rechtskräftig werde, hieß es in einem Aufruf der nach eigenen Angaben von 309 Kirchengemeinden unterstützten Initiative, die auf ihrer Internetseite ein Musterformular veröffentlicht und Zeitungsanzeigen geschaltet hat.

Live von der Pressekonferenz des Bistums Trier

Weitere Maßnahmen des Bistums: Die schon bestehenden Anstellungsverhältnisse für die 15 für Januar geplanten XXL-Pfarreien werden nach Angaben des Generalvikars beibehalten. Über den Einsatz werde man mit den Betroffenen Gespräche führen, kündigte von Plettenberg an. Die vier noch offenen Leitungspositionen (von insgesamt 45) sollen zu einem späteren Zeitpunkt besetzt werden.

Foto: TV/Rolf Seydewitz

Auch für die gewählten Gremien soll es eine Übergangsregelung geben. Der Bischof werde ein Übergangsmandat aussprechen, kündigte sein Generalvikar an.

Erweiterte Fragen wurden bei der Pressekonferenz im Generalvikariat nicht zugelassen. Von Plettenberg las sein etwa fünfminütiges Statement ab, danach durften die Journalisten Verständnisfragen stellen.

Der „GV“, wie der Generalvikar intern nur genannt wird, kündigte an, dass sich der Bischof am Wochenende „mit einem geistlichen Wort an die Gläubigen im Bistum“ wenden werde. „Wir werden mit dieser schwierigen und für viele Menschen belastenden Situation konstruktiv umgehen“, sagte der 54-Jährige. Man wisse sich der Erneuerung des kirchlichen Lebens im Bistum Trier verpflichtet und wolle diese im Einklang mit der Kleruskongregation und dem Päpstlichen Rat für die Gesetzestexte angehen.

Durch die von Rom vergangene Woche verkündete Aussetzung des Synodengesetzes soll der Päpstliche Rat für die Interpretation der Gesetzestexte Zeit bekommen, das Gesetz sorgfältig zu prüfen. Wie lange das dauert, ist unklar. Kirchenrechtler gehen von einem Zeitrahmen zwischen drei und sechs Monaten aus. Einer der zwölf Mitglieder des Päpstlichen Rats ist der konservative deutsche Kardinal und ehemalige Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Der 71-jährige Ex-Präfekt der Glaubenskongregation hatte Mitte des Jahres den im Herbst beginnenden kirchlichen Reformprozess in scharfer Form kritisiert: „Der sogenannte synodale Weg des kirchlichen Establishments in Deutschland zielt auf eine weitere Verweltlichung der Kirche.“

Schwer vorstellbar, dass der Kurienkardinal angesichts des Trierer Synodengesetzes in Beifallsstürme ausbrechen wird.

Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg rechtfertigte am Dienstag noch einmal das Strukturkonzept. „Das ist nicht dem Bischof im Traum eingefallen, sondern Ergebnis einer Synode“, sagte von Plettenberg unter Verweis auf das im Nachgang zu der mehrjährigen Beratung des Gremiums erlassene Gesetz.

Zu den Äußerungen des Birkenfelder Dechanten Clemens Kiefer wollte sich der GV nicht äußern. Kiefer hatte am Wochenende in einem Zeitungsinterview unter Verweis auf die Priesterbruderschaft Unio Apostolica gesagt: „Ich finde es unter aller Sau, dass hier Kollegen geklagt haben.“ Das seien Pfarrer, die bei ihrer Priesterweihe auch Gehorsam gegenüber dem Bischof gelobt hätten.

Der Deutschland-Leiter der Priesterbruderschaft, der ehemalige Saarburger Pastor Peter Leick, hatte den in Rom eingereichten Rekurs mit der Aussage gerechtfertigt, er habe keinen Kadavergehorsam geschworen. Im Moment stehe ihm die Pfarrei näher als die Leitung des Bistums Trier, so Leick.

Der Sprecher der reformkritischen Initiative Kirchengemeinde vor Ort, Harald Cronauer, äußerte sich am Abend zufrieden über die Äußerungen des Generalvikars. Sie bieten eine gute Basis für einen gemeinsamen Dialog. „Wir sind sehr, sehr froh, dass alle Dekrete verbindlich zurückgenommen werden und die Umsetzung zum 1. Januar vollständig gestoppt ist“, sagte Cronauer unserer Zeitung. Nach Angaben des Initiativensprechers muss nun ein Weg gefunden werden, „den möglichst viele Katholiken im Bistum Trier bereit sind, mitzugehen“.

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