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Eifel: So viele exotische Haustiere werden hier gehalten

Hobby : Von Kobra bis Vogelspinne: So viele giftige und geschützte Haustiere leben in der Eifel

In den Wohnzimmern der beiden Eifelkreise kriecht und krabbelt es. Denn Hunderte Menschen in der Region bewundern exotische Tiere nicht nur im Zoo, sondern halten sie auch selbst zu Hause. Ein Experte erklärt, was daran so reizvoll ist.

Wer ein Haustier möchte, muss sich schon lange nicht mehr auf die Wahl zwischen Hund, Katze oder Kaninchen beschränken. In einigen Häusern und Wohnungen weicht das Körbchen mittlerweile dem Terrarium und der Kratzbaum der Voliere. Ob Schlangen, Eidechsen, Spinnen, Greifvögel oder giftige Frösche – die Auswahlmöglichkeiten sind exotischer denn je. Doch wie viele solcher Tiere gibt es in privater Haltung im Eifel- und Vulkaneifelkreis? Für giftige, geschützte und gefährliche Tiere gilt eine Anzeigepflicht. Daher hat der Volksfreund bei den Kreisverwaltungen nachgefragt.

Diese exotischen Haustiere gibt es im Eifelkreis Bitburg-Prüm

Rund 300 Halter von besonders geschützten Wildtieren gibt es laut Pressesprecher Thomas Konder im Eifelkreis Bitburg-Prüm: Dazu gehören Papageien, Greifvögel, Vogelspinnen oder auch Säugetiere wie Eichhörnchen.

Die größte Gruppe sei allerdings die der Reptilienbesitzer, wobei die am häufigsten gehaltene Art die Griechische Landschildkröte sei. Doch nicht alle Schuppentiere in den Haushalten des Eifelkreises sind so träge und harmlos wie die Schildkröte. Auch verschiedene Python-Arten, Kobras sowie Echsen, zum Beispiel Tejus, haben laut Konder in vielen Wohnungen des Eifelkreises ein Zuhause gefunden. Die genaue Anzahl der jeweiligen Tiere konnte allerdings aufgrund des zu hohen Rechercheaufwandes nicht rechtzeitig mitgeteilt werden.

Diese exotischen Haustiere gibt es im Vulkaneifelkreis

Was die Menge exotischer Hausbewohner betrifft, ist die Lage im Vulkaneifelkreis sehr ähnlich. Etwa 300 meldepflichtige Tiere sind hier verzeichnet, informiert Pressesprecherin Meike Welling. Über die Anzahl der Halter gab es keine Information.

Die größte Gruppe bilden auch hier die Schildkröten. Zirka 180 Exemplare von überwiegend Griechischen und Maurischen Landschildkröten machen mehr als die Hälfte aller Exoten im Kreis aus. Etwa 70 Vögel – in erster Linie Amazonen und Papageien, aber auch Falken und Eulen – formen die zweitgrößte Gruppe.

Hinzu kommen rund 50 Reptilien, die Arten sind jedoch andere als im Nachbarkreis: Neben vereinzelten Pythons werden hier laut Welling hauptsächlich Chamäleons und Geckos gehalten. Spinnen und Eichhörnchen seien auch gemeldet.

Experte erklärt: Darum sind Exoten spannende Haustiere

Die Lage ist deutlich. Auch in der Eifel herrscht Interesse an vier- oder auch achtbeinigen Mitbewohnern von Übersee oder welchen ganz ohne Beine. Aber woher kommt diese Faszination? Kann man mit Schlangen kuscheln? Leisten Vogelspinnen gute Gesellschaft?

„Also Kuscheltiere sind es nicht“, sagt Partick Meyer. Er betreibt das „Poecitarium“ – eine private Reptilienauffangstation in Polch, die er auch gerne als „wildestes Haus der Eifel“ bezeichnet. Hier kümmert er sich aber nicht nur um Schlangen, sondern auch um Skorpione, Vogelspinnen, Leguane und sogar Krokodile. Laut Meyer möchten diese Arten keinen körperlichen Kontakt zu Menschen: „Manche nehmen es lediglich hin.“

Eifel: So viele exotische Haustiere werden hier gehalten
Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Wieso sie dennoch solch interessante Haustiere abgeben, begründet er folgendermaßen: „In erster Linie sind sie zu schön anzusehen. Auch ihre Lebensweise ist meist extrem spannend. Schlangen häuten sich, Spinnen brauchen manchmal tagelang nichts zu essen. So etwas ist beeindruckend.“

Auch wenn sie nicht wie Hunde fröhlich schwanzwedelnd in ihren Gehegen darauf warten, dass ihr Besitzer von der Arbeit nach Hause kommt, sollte man sie auch nicht als gefühllos abstempeln, fügt Meyer hinzu: „Die Gefühlswelt der Reptilien wird unterschätzt. Wie alle Tiere haben sie auch komplizierte Gedanken und Emotionen. Wenn man Zeit mit ihnen verbringt, merkt man das auch.“

So viel Arbeit macht die Haltung von Spinnen und Schlangen

Ein weiterer Anreiz, Spinnen oder Schlangen zu halten: „Wenn sie mal da sind, kostet ihre Pflege nicht viel Aufwand. Vielleicht zehn Minuten am Tag muss man einplanen, um die Temperatur und Luftfeuchtigkeit der Terrarien zu überprüfen, sie zu füttern und ein wenig sauber zu machen“, erklärt Meyer.

Die Betonung liege aber zurecht auf „wenn sie mal da sind“, denn die Arbeit und das Geld steckten in der Vorbereitung. Meyer: „Die Terrarien müssen groß genug sein und perfekt temperiert werden. Manche Tiere brauchen auch ein spezielles UV-Licht. Schon ohne Tier kann allein das Gehege bei einer Erstanschaffung zwischen 500 und 800 Euro kosten – und dabei sollte nicht gespart werden.“

Zu seiner Auffangstation in Polch kommen regelmäßig Menschen aus den Eifelkreisen, die sich nicht mehr um ihre Haustiere kümmern wollen oder können. „Zehn bis 20 Tiere pro Jahr“, schätzt Meyer. Oft wegen eines Umzuges, der Aufnahme in ein Altersheim oder einer Inhaftierung. Viele würden aber auch nach ein paar Monaten merken, dass die Haltung von Exoten doch nichts für sie ist. Deshalb sollte die Entscheidung, einem solchen Tier ein Zuhause zu bieten, immer auch gut überlegt sein.