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Psychologen geben Tipps, um mit Angst bei Kindern umzugehen.

Erziehung : Psychologen gegen Tipps an Volksfreund-Leser, wie sie mit der Angst ihrer Kinder umgehen können

TV-Telefonaktion: Drei Expertinnen geben Tipps, wie Eltern mit Ängsten von Kindern umgehen können.

Was können Eltern tun, um Kindern Ängste zu nehmen? Wo können sie sich hinwenden, wenn die Angst immer größer wird? In einer Telefonaktion des Volksfreund haben Leser die Möglichkeit bekommen, mit Expertinnen über solche Fragen zu sprechen. Hier sind einige Beispiele und die dazugehörigen Antworten:

Der Vater einer Klassenkameradin meiner Tochter, 8, ist tödlich verunglückt. Seitdem hat sie große Angst, dass auch mir und meinem Mann etwas zustoßen könnte.

Tanja Herz, Diplom-Sozialpädagogin in der Lebensberatungsstelle des Bistums Trier in Saarburg: „Der Tod eines Elternteils ist wohl die schlimmste und traurigste Erfahrung, die einige Kinder machen müssen. Durch den Tod des Vaters der Klassenkameradin ihrer Tochter wird dem Kind die reale Gefahr bewusst. Sie hat Angst, dass auch sie einen Elternteil verlieren könnte. Versichern Sie ihr, dass Sie gut auf sich und Ihre Familie Acht geben, etwa im Straßenverkehr oder beim Reisen. Sagen Sie ihr, dass bei den anderen Kindern in der Klasse und in ihrer Familie, Mama und Papa leben. Erklären Sie, dass auch sie eines Tages sterben werden, dass das jedoch in den allermeisten Fällen erst dann geschieht, wenn sie selbst erwachsen ist. Es ist wichtig, Ihrer Tochter Sicherheit zu geben, ohne die Realitäten des Lebens und des Sterbens zu verklären.“

Unser Sohn (5) fürchtet sich vor der Dunkelheit. Abends muss ich immer unter sein Bett schauen, ob da ein Monster sitzt. Das geht schon seit Wochen so. Irgendwann muss er doch verstehen, dass da keins ist. Oder wie sehen Sie das?

Herz: „Sie machen etwas sehr Wertvolles, indem Sie abends nach dem Monster schauen. Damit nehmen Sie seine Angst ernst und geben ihm Sicherheit. Gerade kleine Kinder leben stark mit und in ihrer Fantasie, vieles ist magisch und gefühlt gefährlich. Monster oder andere gruselige Vertreter unterm Bett sind oft Teil einer Entwicklungshase, die schon mal länger andauern kann und sich dann oft wieder von selbst auflöst. Vielleicht kann ein beruhigendes Einschlafritual, ein kleines Nachtlicht oder ein Kuscheltier ihren Sohn unterstützen, die Monster verschwinden zu lassen. Zu diesem Thema gibt es hilfreiche und schöne Bilderbücher. Oder sie könnten doch einfach mal vor dem Zubettgehen gemeinsam mit ihrem Sohn ein „Anti-Monster-Spray“ versprühen.“

Unser Sohn, 12, hat das Hochwasser in unserem Stadtteil miterlebt. Seitdem weicht er nicht mehr von meiner Seite und kann nicht allein sein.

Bettina Jondral, Diplom-Sozialpädagogin der Lebensberatung der Diakonie in Traben-Trarbach/Wolf: „Lassen Sie die Nähe, die er sucht, weiter zu. Das gibt ihm Sicherheit. Und lassen Sie Gefühle, auch Ihre eigenen zu. Erklären Sie ihm Ihr Verhalten und spielen Sie die Situation nicht herunter, aber dramatisieren Sie diese nicht. Wichtig ist, das Kind im Auge zu behalten, ob sich Spätfolgen entwickeln. Dies geschieht oft, wenn Kinder eine Katastrophe erlebt haben. Sie können sich in Alpträumen, Appetitlosigkeit, Schwindel, Kopf- und Bauchschmerzen, Schlaf- und Angststörungen oder impulsiven Wutausbrüchen zeigen. Sollten diese Spätfolgen länger andauern, suchen Sie bitte einen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten auf, der traumatherapeutisch arbeitet.“

Wie kann ich feststellen, ob mein Kind eine Angststörung entwickelt hat und wo gibt es Hilfe?

Jondral: „Halten die Angstzustände über einen längeren Zeitraum an und werden unangenehm stärker, treten sie in Abständen häufiger auf und sind nicht mehr zu kontrollieren, dann ist von einer Angststörung auszugehen. Je früher eine Behandlung beginnt, umso erfolgreicher ist sie! Als Eltern können Sie zur Abklärung und Information auch eine Erziehungsberatungsstelle kontaktieren. Die Expertinnen und Experten können mit Ihnen die Problematik besprechen und Sie bei der Suche nach psychologischer Hilfe unterstützen. Informationen zur Kinder- und Jugendpsychotherapie gibt es etwa auf folgenden Webseiten: www.kvrlp.de und www.therapie.de“

Seit Monaten möchte unser Sohn, 10, nicht mehr in die Schule gehen. Mir graut schon vor dem Ende der Ferien. Was können wir tun?

Barbara Görge, Diplom-Heilpädagogin der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe des Palais e.V. in Trier: „Hören Sie Ihrem Sohn zu. Lassen Sie ihn von der Schule erzählen. Wie geht es dort zu, was passiert dort? Was macht ihm die größten Sorgen? Sprechen Sie gemeinsam mit einer Lehrkraft.  Zieht sich diese Angst über mehrere Wochen hin und verändert sich nichts, holen Sie sich Hilfe bei einem Kinder- und Jugendlichen-Psychiaters oder -Psychotherapeuten.“

Meine Tochter, 5, will abends nicht ins Bett. Sie steht immer wieder auf, weil sie Angst im Dunkeln hat und nicht allein sein will.

Görge: „Nehmen Sie sich Zeit, sich mit ihr hinzulegen, ihr Geschichten vorzulesen oder zu erzählen. Erzählen Sie ihr von Situationen, in denen Sie sie als stark und mutig erlebt haben und sagen Sie ihr, dass Sie ihr viel zutrauen. Bestärken Sie Ihre Tochter tagsüber mutig zu sein, etwas auszuprobieren und schenken Sie ihr viel Vertrauen. Wichtig ist auch, dass Sie ihr das Gefühl geben, nicht allein zu sein. Vermitteln Sie ihrem Kind: Es passt immer jemand auf dich auf!“