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Kita-Zukunftgesetz in der Kritik: Eltern fürchten Nachteile

Kinderbetreuung : Kita-Gesetz könnte Eltern erstmal Nachteile bringen

Rheinland-Pfälzer haben bald Anspruch, Kinder mittags betreuen zu lassen. Allzu sehr darauf freuen sollten sie sich aber nicht.

Noch bieten viele Kitas mittags keine Betreuung an. Eltern müssen ihre Kinder abholen und nach dem Essen zurückbringen. Wie soll man so Vollzeit arbeiten? Wohl gar nicht. Selbst wer halbtags Dienst tut, muss ganz schön schnell sein.

Das Kita-Zukunftsgesetz soll Eltern helfen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. In wenigen Monaten – am 1. Juli 2021 – treten die neuen Regeln in Kraft. Schon jetzt ist die Betreuung für alle Kinder ab zwei Jahren kostenfrei. Ab Juli haben Eltern dann einen Rechtsanspruch auf sieben Stunden Betreuung am Stück. Auch ein Mittagessen soll es vor Ort für die Kinder dann geben.

Zudem wird das Personal gleichmäßiger verteilt, damit die Betreuung überall ähnlich intensiv ist. Wo jetzt zu wenige Erzieherinnen eingesetzt sind, sollen künftig mehr arbeiten. „Kitas, die überdurchschnittlich viel Personal haben, müssen aber nichts abgeben“, teilt das Bildungsministerium auf Anfrage mit. So weit die Theorie.

Für die Umsetzung sind Kommunen und Träger verantwortlich. Der Blick in die Region Trier zeigt: Das Thema dürfte noch zu vielen Diskussionen führen, viele Eltern und Erzieher verärgern und manche Gemeinde an den Rand ihrer finanziellen Möglichkeiten bringen.

Denn einiges ist zunächst gar nicht umsetzbar. „Auf dem Papier hat das Gesetz gute Ansätze“, sagt Claudia Theobald, Vorsitzende des Kita-Fachkäfteverbands und warnt: Eltern sei noch gar nicht bewusst, was da auf sie zukomme.

Theobald rechnet damit, dass Kitas viele Wünsche künftig nicht mehr erfüllen können. Einfach, weil das Personal nicht ausreiche, um die betreuungsintensive Mittagszeit abzudecken und auch noch länger zu öffnen. „Finanziell wird das Gesetz nicht richtig ausgestattet. Der Personalschlüssel ist so schlecht, dass der pädagogisch prekäre Alltag noch schwieriger wird“, sagt Theobald. Für „satt, sauber und unverletzt“ reiche es, aber für mehr nicht. Sie rechnet damit, dass vor allem kleine Tagesstätten Eltern, die ihr Kind besonders früh bringen oder spät abholen wollen, enttäuschen müssen. Muss künftig doch eine Mindestzahl an Kindern vor Ort sein, damit die Kita öffnen darf.

Gespräche mit Kita-Chefs zeigen, dass manche durchaus weniger Personal haben werden. Eine Trierer Kita bangt, ob sie in Zukunft überhaupt noch eine Krippengruppe anbieten kann. Andere sind enttäuscht, mehr Arbeit auf weniger Hände verteilen zu müssen.

Ein weiteres Problem: Viele Kindergärten haben bisher weder eine richtige Küche noch genügend Ruheräume für all die Kleinkinder, die dank der neuen Regelungen erwartet werden. Das zieht teure Umbauten nach sich. Millionen Euro müssen Gemeinden investieren. Rein platzmäßig sind Anbauten aber gar nicht überall möglich. Was dazu führt, dass manche Kitas künftig weniger Kinder aufnehmen können. So ist die Kita im Eifelort Eisenach auf 50 Kinder ausgelegt. Aber nur 35 dürften dort sieben Stunden und länger bleiben. Die restlichen 15 müssten mittags abgeholt werden und falls das Gebäude nicht bis zum Ende der Übergangsfrist im Jahr 2028 umgebaut wird, fallen die Plätze ganz weg.

„Wir verstehen, dass dies Sorgen und Ängste bei den Betroffenen auslöst. Wir sind jedoch der festen Überzeugung, dass das Gesetz die Kita-Landschaft, die Situation für Kinder, Eltern und Beschäftigte deutlich verbessern wird“, teilt das Ministerium mit und kündigt an, die Maßnahmen 2028 zu evaluieren.