Klage von 20 Gastronomen: Dehoga-Chef Haumann hat den Sieg vor Augen

Kostenpflichtiger Inhalt: Urteil erst Mitte Dezember : Klage von 20 Gastronomen: Dehoga-Chef Haumann hat den Sieg vor Augen

In Bad Kreuznach fand heute vor dem Landgericht die Verhandlung zur vorzeitigen Amtszeitverlängerung des Dehoga-Präsidenten statt. Diese ist zwar nicht ganz korrekt, aber wohl dennoch zulässig.

„Grüß dich, Matthias.“ „Hallo!“ Wer am Mittwochmittag Ohrenzeuge der Begegnung von Gereon Haumann und Matthias Ganter war, der hätte sich womöglich des Eindrucks nicht erwehren können, dass da im Sitzungssaal sieben des Bad Kreuznacher Landgerichts zwei alte Freunde aufeinandertreffen. Doch diese Zeiten, sollte es sie überhaupt jemals gegeben haben, sind vorbei.

Spätestens seit der rheinland-pfälzische Gastro-Präsident Haumann ein Ausschlussverfahren gegen den Traben-Trarbacher Hotelier auf den Weg gebracht hat, ist das Tischtuch zwischen den beiden Männern vom Fach zerschnitten. Man grüßt sich noch, aber ansonsten trifft man sich inzwischen nicht mehr an der Theke oder in der Dehoga-Geschäftsstelle, sondern vor Gericht.

Die Dritte Zivilkammer des Bad Kreuznacher Landgerichts verhandelt an diesem Nachmittag eine Klage, die Matthias Ganter und 19 andere Hoteliers und Restaurant-Geschäftsführer – überwiegend aus der Region Trier – eingereicht haben, weil sie die vorzeitige Amtszeitverlängerung des seit 2009 amtierenden Dehoga-Chefs für nicht satzungsgemäß halten. Seit Monaten gibt es deshalb Zoff in dem rund 4500 Mitgliedsbetriebe starken Verein. Matthias Ganter wurde wegen angeblich vereinsschädigenden Verhaltens mittlerweile ausgeschlossen, andere Mitglieder sind ausgetreten; doch darf man den Abstimmungsergebnissen glauben, steht eine überwiegend große Zahl der Mitglieder hinter dem 53-jährigen Präsidenten.

Um ihre Verbundenheit mit Gereon Haumann zu dokumentieren, ist zur Gerichtsverhandlung fast das komplette Präsidium erschienen. Die Mitglieder tragen orangefarbene Krawatten, sind so mühelos als Dehoga-Funktionäre zu erkennnen. Auch Matthias Ganter ist nicht alleine. Die Hälfte der Kläger sind zum Prozess erschienen, darunter auch der regionale Sterne-Koch Harald Rüssel.

Was sie in den folgenden 70 Minuten zu hören bekommen, fasst die Chefin des Trierer Hotels Deutscher Hof, Andrea Weber, später mit einem Wort zusammen: „Enttäuschend!“ Die Vorsitzende der Kammer, Susanne Telscher-Kolb, hat zuvor ziemlich deutlich zu erkennen gegeben, dass die drei Richterinnen derzeit eher der Auffassung sind, dass die frühzeitige Amtszeitverlängerung Haumanns in Ordnung gewesen sei. Allerdings nur, weil es eine Art juristisches Hintertürchen gibt, dank der die in puncto Amtszeit ziemlich eindeutige Dehoga-Satzung bei der Abstimmung quasi beiseite geschoben werden durfte. Um es kurz und unjuristisch auszudrücken: Das ging nach Angaben der Vorsitzenden Richterin nur, weil die in der Satzung nicht vorgesehene vorzeitige Verlängerung von einer großen Mehrheit der Delegierten abgesegnet wurde.

Während Dehoga-Anwalt Rolf Bietmann und Präsident Gereon Haumann die Ausführungen mit zufriedenem Kopfschütteln quittierten, schaute die ihnen gegenüber sitzende Klägerseite eher betröppelt drein. Ein Friedensangebot der Vorsitzenden, vielleicht sei es ja möglich, die Amtszeit Haumanns zunächst bis 2025 (statt 2029) zu begrenzen, wurde gar nicht erst ernsthaft diskutiert.

In den nächsten Wochen dürfen die Anwälte beider Seiten noch einmal argumentativ nachlegen. „Noch ist nicht aller Tage Abend“, meinte nach der Sitzung Matthias Ganter, und es klang ein bisschen, als müsste sich der Hotelier selbst Mut machen. Die Entscheidung des Gerichts wird am 12. Dezember verkündet. Wem das Urteil missfällt, der kann es anfechten.

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