Kliniken in der Region lehnen massive Schließungswelle ab

Gesundheit : Kliniken in der Region lehnen massive Schließungswelle ab

Deutschlandweit könnte das Aus Hunderter kleiner Krankenhäuser die Gesundheitsversorgung verbessern, heißt es in einer Studie. Diese Annahme stößt auf Protest.

Kliniken in der Region kritisieren eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, nach der ein massives Aus von kleinen Krankenhäusern die Gesundheitsversorgung von Menschen verbessern könnte. Joachim Christmann, Geschäftsführer des Saarburger Kreiskrankenhauses, sagt: „Solche Argumente ziehen vielleicht im Ruhrgebiet, München und Berlin, aber nicht in einem ländlichen Raum wie Rheinland-Pfalz.“

Christmann verweist darauf, dass ein Aus kleiner Kliniken in der Region fatale Folgen hätte. Ein Rechner der gesetzlichen Krankenversicherung zeigt drastische Szenarien auf: Bei einem Wegfall des Saarburger Krankenhauses würden danach mehr als 14 000 Menschen länger als 30 Minuten mit dem Auto zu einer Klinik der Grundversorgung brauchen, bei einem hypothetischen Aus des Hermeskeiler Krankenhauses 6779 Menschen und bei einer Schließung in Prüm 10 825. „Wer einen akuten Notfall hat, dem muss aber sofort geholfen werden“, warnt Christmann. Ältere Menschen forderten Nähe zu ihrem Wohnort ein, Häuser in der Region arbeiteten bereits mit den großen Kliniken wie in Trier zusammen – wie bei der Schlaganfall-Versorgung. Er fordert eine bessere Finanzierung, um kleine Häuser zu erhalten.  Geht es nach der Studie von Bertelsmann, könnte sich die Versorgung bessern, wenn die Zahl der bundesweiten Kliniken von knapp 1400 auf weniger als 600 sinke. Verbleibende Häuser bekämen dann mehr Ausstattung und Personal.

Auch Kliniken in der Region spüren Probleme: Das Krankenhaus in Neuerburg schloss 2014 und wandelte sich in ein Gesundheitszentrum um. Das Saarburger Haus steckt in den roten Zahlen. Im Dauner Klinikum gibt es keine Geburtsstation mehr. Für Kliniken ist es schwer, Personal zu finden. Selbst das Mutterhaus in Trier kann krebskranke Kinder nicht stationär versorgen, weil Kinderonkologen fehlen. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) fordert, es müsse nach wie vor möglich sein, ein Notfallkrankenhaus innerhalb von 30 Minuten zu erreichen. Die Ministerin wirbt für Zusammenschlüsse und Konzentration von Standorten, aber „nicht im Hauruckverfahren“.

Peter Enders von der CDU-Fraktion im Land lehnt eine sinkende Krankenhauszahl ab. Er fordert vom Land, Investitionen in die Häuser aufzustocken. Der Wittlicher Gerald Gaß warnt vor einem „sozialen Kahlschlag“. Es fehle an Alternativen, um ein Aus kleiner Kliniken im ländlichen Raum zu verkraften, sagt der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

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