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Architects, Beartooth und Polaris live in der Luxexpo

Musik : Hinab in die „Heilige Hölle“ der Architects

Die Metalcore-Band begeistert in der Luxexpo zum Wochenanfang rund 1400 Fans.

Treibende, laute Klänge schallen aus riesigen Boxen, Stroboskoplicht erhellt die flackernde Menge aus jungen Menschen, die in der Messehalle am Kirchberg für einige Stunden den Alltag vergessen wollen.

Polaris aus Sydney, Australien steht zuerst auf der Bühne. Schon bei der fünfköpfigen Band, die in Szenekreisen langsam aus der „Geheimtipp-Nische“ rauskommt, ist der große Saal gut gefüllt. Das Debütalbum „The Mortal Coil“ von 2017, das an diesem Abend erklingt, erweist sich als wahres Metalcore-Feuerwerk. Statt sich dem Mainstream anzupassen, packen die Australier eher noch einen ordentlichen Schub Härte mit drauf. Sänger und Frontmann Jamie Hail übernimmt dabei die druckvollen Shouts und harmoniert mit dem Klargesang von Bassist Jake Steinhauser. Technisch versiert wärmt Polaris mit einem 30-minütigen, treibenden Set das bereits anwesende Publikum schon mal vor.

Dieses wächst mit der zweiten Vorband. Bei Beartooth aus Ohio ist der Anteil derer, die mit einstimmen, deutlich höher als noch bei Polaris. Der Verdacht, dass es an der Musik selbst liegt, ist nicht an den Haaren herbei gezogen: Auch wenn Shouter und Sänger Caleb Shomo deutlich nach vorne geht und auch das Schlagzeug treibend vorprescht, überwiegt bei Beartooth doch der Klargesang. Shomo wechselt beständig zwischen beiden Gesangsarten und wird insbesondere bei den Refrains von Bassist Oshie Bishar unterstützt. Beim 45-minütigen Set merkt man auch einen leichten Unterschied zwischen Songs des neuen, dritten Albums „Disease“ zum Vorgänger, das textlich mit der schonungslosen Auseinandersetzung der Depression Caleb Shomos noch intimer ist, dabei melodischer und weniger brutal daherkommt.

Schließlich beginnt die Show von Architects und die Briten liefern alles ab. Die „Holy Hell“-Tour zum gleichnamigen Album, das im November 2018 erschien, spiegelt sich auf gewisse Art auch in der Lichtinstallation wieder. Die riesigen Scheinwerfer wirken wie Teile eines runden Mosaik-Kirchenfensters, die zumeist in weißem, hin und wieder auch farbigen Licht erstrahlen und so einen sakralen Touch mit einbringen. Insgesamt ist die Lichtshow bombastisch mit Laser, etlichen Scheinwerfern, dazu noch Nebelfontänen – fast verschwindet die Band hinter all dem und was wirkt, ist vor allem die Musik. Das Schlagzeug treibend, der Bass wummernd, darüber der Gesang von Sam Carter: Die Briten haben mit ihrem neuen Album ein Ventil geschaffen, das jede Menge Wut und Trauer beinhaltet. Live wirkt es noch einmal eindrücklicher und besonders zu Luxemburg hat die Band eine sehr spezielle Beziehung. Gitarrist und Bandgründer Tom Searle, der viele der Songs schrieb und im August 2016 an den Folgen eines Krebsleidens starb, musste längere Zeit in einem luxemburgischen Krankenhaus verbringen, nachdem sich sein Zustand zu Beginn der damaligen Europatournee verschlechtert hatte – so sehr, dass er sich davon nicht mehr erholte.

Die Trauer beherrscht sicherlich nicht den Abend. Insgesamt ist es für die anwesenden Fans ein wahres Fest, auch wenn sich – wie bei luxemburgischen Konzerten allzu oft der Fall – vorwiegend die ersten Reihen richtig im Moshpit austoben. Teilweise hat man auch das Gefühl, dass die Halle ein Stück zu groß ist und die Bands in einem kleineren, ausverkauften und stickigen Club deutlich besser wirken könnten. Deutlich wird jedoch: Für alle ist die Musik eine Rettung, eine Art Therapie – sowohl auf als auch vor der Bühne. Da spielt dann der Raum auch keine Rolle mehr.