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Auf dem Handy das Kulturerbe in Rheinland-Pfalz entdecken

Kulturerbe : Auf dem Handy das Kulturerbe entdecken

Das Land startet mit einem Teil seines Kulturerbes eine Digitalisierungswelle. Anlass ist die Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen der Macht“ in Mainz. Zunächst präsentiert die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Orte, die für die Schau von Bedeutung sind.

Im mittelalterlichen Trier war es ein stetiger Zankapfel. Gegründet auf einem antiken Gräberfeld entwickelte sich die Benediktinerabtei Sankt Maximin bald in ein machtvolles Kloster. Dank seines wirtschaftlichen Erfolges genoss es ein besonderes Privileg: Es war reichsunmittelbar. Das heißt: Es unterstand dem König – zumindest bis ins Jahr 1139, aber nicht den Erzbischöfen.

Diese und weitere Informationen findet, wer sich auf einer neuen Anwendung der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) umschaut. Unter dem Link kulturerbeunterwegs.kaiser2020.de gibt es online Informationen zu Kulturdenkmälern in Rheinland-Pfalz, die Interessierte und Reisende mit dem Smartphone oder am heimischen Rechner abrufen können. Abgedeckt werden zunächst 25 Orte mit insgesamt 39 mittelalterlichen Objekten zwischen Burg Hammerstein (Landkreis Neuwied) und der Reichsburg Trifels bei Annweiler (Landkreis Südliche Weinstraße), zwischen Trier und der – zugegeben nicht in Rheinland-Pfalz gelegenen – Kaiserpfalz Gelnhausen (Main-Kinzig-Kreis, Hessen).

„Wir wollen auch in Corona-Zeiten unser kulturelles Erbe den Menschen nahebringen. Die neue App bietet viele multimediale Möglichkeiten, unsere reichhaltige Geschichte zu erfahren“, erklärt Kulturminister Konrad Wolf bei ihrer Präsentation. „Entwickelt wurde das Digitalangebot anlässlich der Landesausstellung ,Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht‘ im Landesmuseum Mainz und dem begleitenden Kaiserjahr. Dabei haben wir von Anfang an viele Originalschauplätze der mittelalterlichen Geschichte in Rheinland-Pfalz und der anliegenden Regionen ganz gezielt in das Ausstellungskonzept mit eingebunden.“

Das Besondere an der App (die Abkürzung steht für „application“, deutsch: Anwendung) ist, dass sie die Orte nicht nur mit Worten beschreibt, sondern teilweise auch eigenständige Audio- und Filmbeiträge anbietet. Diese ergänzen oft die Texte der Kulturerbestätten um weitere relevante Informationen. So kommt etwa beim Kloster Disibodenberg bei Odernberg am Glan (Landkreis Bad Kreuznach) die streitbare Hildegard von Bingen zu Wort. Wer sich für die Grundbesitzverhältnisse mittelalterlicher Klöster interessiert, wird etwa beim Eintrag für das Kloster Prüm fündig. Und wer wissen will, was an der Behauptung dran ist, dass Kaiser Karl der Große auf der Bertradaburg bei Mürlenbach geboren wurde, liest einfach den entsprechenden Beitrag zu Mürlenbach.

Man kann mit der Anwendung aber nicht nur nach Orten suchen – praktischerweise übernimmt sie auch die Suche nach dem Objekt, wenn man ihr erlaubt, die Standortdaten zu übermitteln –, sondern man kann sich auch Themengebiete erschließen. Wer alles über Burgen wissen will, recherchiert unter dem Stichwort „Burgen“, und wer nach Informationen zum jüdischen Leben sucht, wird in dieser Rubrik fündig.

Thomas Metz, bis 31. Dezember Chef der GDKE (der Volksfreund berichtete), verspricht sich von der App, neue Zielgruppen zu erreichen, die dann auch eines Tages die „authentischen Orte“ besuchen. Die Anwendung soll Stück für Stück um neue Funktionen und Inhalte ergänzt werden. Laut GDKE ist der Vorteil der browserbasierten Anwendung, dass keine zusätzlichen Programme über einen App-Store heruntergeladen werden müssen und man sich auch keine Passwörter zu merken braucht. Auch geben die Nutzer keine persönlichen Informationen von sich preis.

Nun darf man sich von dieser ersten (Beta-)Version nicht zu viel versprechen. Sie ersetzt weder qualifizierte Gästeführungen, noch das – falls gewünscht – Selbststudium entsprechender Unterlagen. Aber sie gibt den Anreiz, sich mit der Geschichte der Region auseinanderzusetzen und die Orte selbst zu entdecken. Allein, dass aktuell Informationen zu zentralen Orten der rheinland-pfälzischen Geschichte etwas dünn ausfallen, ist zu kritisieren. So sind aus der Stadt Trier beispielsweise nur Infos zur Reichsabtei Sankt Maximin, zur Porta Nigra und zum Dom Sankt Petrus zu finden. Für die Landeshauptstadt Mainz finden sich dann immerhin schon sechs Einträge, für Koblenz und Kaiserslautern aber nur jeweils einer.

Die Anwendung findet man unter 
kulturerbeunterwegs.kaiser2020.de