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Aufgeschlagen: Literaturkolumne zu Kriminalroman von Tanja Böhme-Mehner

Kolumne : Anna, die Bratsche und der Tod – Zum Kriminalroman „Leipziger Mörderquartett“ von Tatjana Böhme-Mehner

Die Geschichte beginnt nach ein paar Vorläufen mit einem tödlichen Knall. Mitten im Konzertauftritt des Leipziger Kleistenes-Quartetts fällt ein überschwerer Scheinwerfer auf Thorsten Steinmüller,  den Bratscher des Ensembles.

Der stirbt auf der Stelle.

Und auch die schmächtige, aber äußerst wertvolle Bratsche hat der Scheinwerfer buchstäblich in Atome zerrieben. Natürlich beginnt die Polizei „nach allen Richtungen“ zu ermitteln. Was bedeutet: sie weiß nicht was sie suchen und finden soll. Auch die gar nicht so unsymphatische Kriminalkommissarin rätselt: War es Mord oder ein Unglücksfall. Spielten die Schwulenszene, die  Mafia  oder, vielleicht, das Drogenmilieu eine Rolle? Waren Techniker die Täter?  Die hatten auf jeden Fall Zugang zum Beleuchtungssystem. Fragen über Fragen.

Aber es gibt ja Anna, die Musikkritikerin beim Leipziger „Täglichen Anzeiger“. Die sucht seit Längerem nach einer spektakulären Story – aus beruflichen Interesse, aber auch, um ihre redaktionsinterne Stellung zu verbessern. Sie und ihr selbsternannter Assistent Habakuk C. Brausewind begeben sich dabei in einen Irrgarten der Fakten und Vermutungen. Anna ist die Hauptfigur dieses Romans, und wer darin autobiografische Züge vermutet, liegt sicherlich nicht ganz verkehrt – Autorin Tatjana Böhme-Mehner, Dramaturgin an der Luxemburger Philharmonie, hat in Leipzig studiert und war dort langjährig Kritikerin.

Fazit

Vordergründig betrachtet ist das „Mörderquartett“ ein konventioneller Krimi. Aber etwas kommt hinzu, und das vor allem lohnt die Lektüre. Böhme-Mehner verbindet die kriminalistische Story mit Schilderungen zu der Persönlichkeit und dem Alltagsleben und der Profession der Hauptfiguren. Die Darstellungen sind detailliert, aber nicht überladen. Man rückt bei der Lektüre immer näher an diese Figuren – ihre Wünsche, ihre Frustrationen, ihre Unternehmungen, schließlich auch ihren Erfolg. Der Journalistin Anna glückt zwar nicht die ganz große Geschichte für ihre Zeitung. Aber sie ist klüger geworden,  hat erstaunliche Erfahrungen gesammelt und den Leser dabei mitgenommen. Man gibt das Buch aus der Hand mit dem Gefühl großer Sympathie. Wer auch bei Krimis die Zwischentöne mag, ist mit diesem Roman bestens bedient.

Tatjana Böhme-Mehner, Leipziger Mörderquartett. Kriminalroman, 2021, 249 Seiten, 12 Euro