Aus Paulas Farben werden Pixel

Unterm Strich – Die Kulturwoche : Aus Paulas Farben werden Pixel

Bunt, bunt, bunt und noch ein bisschen mehr bunt: An gewagten Farbspielen kommt in diesen Tagen wirklich niemand vorbei. Ob rote Clownsnasen oder Polyester-Kostümierungen in allen Farben des Neon-Regenbogens – es gibt kein Entkommen für Ästhetik-Minimalisten. Nicht mal in Nürnberg, üblicherweise eher weniger als Karnevalshochburg bekannt.

Der Südtiroler Künstler Philipp Messner sorgte sich wohl, es könnte in der bayrischen Stadt gar zu trist zugehen. Und schoss sodann mit Schneekanonen auf das Neue Museum. Kunstschnee in den Farben Rot, Grün und Blau bedeckt nun den Vorplatz des Museums. Kunst und Schnee, Sie verstehen. Die Idee hinter der Aktion: Der farbige Schnee soll dem Betrachter sagen, dass manches, was natürlich scheint, künstlich hervorgebrachte Realität ist. Fraglich bleibt, wem farbiger Kunstschnee auf den ersten Blick natürlich erscheint. Natur pur dagegen in den Farben selbst: Sie sollen aus schwarzen und gelben Karotten gewonnen sein. ‚Ökologisch unbedenklich!’ – freut sich das Museum.

Bekanntermaßen bunt trieb es auch Paula Modersohn-Becker, in ihrer Kunst ebenso wie in ihrem zumindest für die Gründerzeit eher unorthodoxen Liebesleben. 100 Jahre nach ihrem Tod wagt die Worpswederin jetzt den Schritt ins digitale Zeitalter: Ihre Bilder sind ab sofort online auf Google Arts & Culture abrufbar. Möglich machten es das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen und das daneben liegende Ludwig Roselius Haus. Beide Häuser digitalisieren ihre Sammlung. Im digitalen Zeitalter sei es ein absolutes Muss für Museen, die Sammlung auch im Internet zugänglich zu machen, teilten die Museen mit. Im Internet ist außerdem eine digitale Ausstellung zu sehen, die Modersohn-Becker anhand ihrer Hauptwerke als Pionierin der Moderne zeigt. Geplant ist auch ein virtueller Rundgang durch ausgewählte Museumsräume. Paulas Farben, umgerechnet in Pixel.

Ob ihr das Konzept gefallen hätte? Man kann nur spekulieren. Aufgeschlossen gewesen wäre sie aber möglicherweise gegenüber den Möglichkeiten der digitalen Partnersuche. Eines der einschlägigen Portale kommt ihr jetzt zumindest ein Stück entgegen und versucht sich in der weiten Welt der Kunst. „OkCupid“ heuerte mit Maurizio Cattelan und Pierpaolo Ferrari zwei italienische Künstler für eine neue Plakatkampagne an. Entstanden sind knallbunte Poster, darauf homo- und heterosexuelle Paare in „teils absurden Situationen“ mit „witzigen Beschreibungen“. OkCupid ist eigenen Angaben zufolge täglich für 40 000 erste Dates weltweit verantwortlich. Und die enden bekanntermaßen auch gerne mal in „teils absurden Situationen“. Hauptsache bunt. (dpa/lbe)