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Ausstellung: Charles Chaplin als Macher des Films "Der große Diktator"

UNTERM STRICH – DIE KULTURWOCHE : Auf Du und Du mit dem Massenmörder

Vor 80 Jahren, am 15. Oktober 1940, wurde der Film „Der große Diktator“ in New York uraufgeführt. Gut ein Jahr vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg – am 11. Dezember 1941 – war Charlie Chaplin einer der wenigen Filmemacher Hollywoods, die es wagten, die Gefahr des Nationalsozialismus anzuprangern, denn so richtig offen böse wollte man den Nazis in Tinseltown nicht sein; schließlich konnte man auch dort gutes Geld verdienen.

Deshalb bat der Brite Chaplin vergeblich um Produktionsgelder; letztlich musste er den Film aus eigener Tasche finanzieren. Aus irgendeinem Grund fand der Film damals seinen Weg nicht ins „Deutsche Reich“; vermutlich, weil Chaplin den „Führer“ nicht liebevoll genug porträtiert hatte. Der kauderwelschte sich durch seine Hasstiraden und jonglierte tänzelnd mit der Erdkugel wie ein Seelöwe mit einem Ball.

Höhepunkt vom großen Diktator war eine Rede desselben, die in den Worten „Demokratie Schtonk! Liberty Schtonk! Free Sprecken Schtonk!“ gipfelte („Schtonk“ heißt auf „Tomanisch“ „abgeschafft!“; ein Wort, das Helmut Dietl ein halbes Jahrhundert später zum Titel für seinen satirischen Film über die Hitler-Tagebücher-Affäre des „Stern“ wählte).

Das Charlie-Chaplin-Museum im schweizerischen Corsier-sur-Vevey, wo der Künstler seine letzten Lebensjahre verbrachte, widmet dem Film eine Sonderausstellung. Gezeigt wird die Entstehungsgeschichte von Chaplins erstem Tonfilm anhand zahlreicher bislang unveröffentlichter Dokumente und Fotos sowie unvollendeter Szenen. Die Uniform von Diktator Hynkel, welche Anfang Februar 2021 in einer Schweizer Privatsammlung wiederentdeckt wurde, ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Filmtricks werden erläutert, und eine Synopsis des Films führt die Besucher auf die Spuren des einfachen Friseurs, der sich der Verfolgung der Schergen des brutalen Diktators Hynkel ausgesetzt sieht.

Die dreisprachige Ausstellung beantwortet außerdem die Fragen: Wie bereitete sich Charlie Chaplin auf die Imitation von Adolf Hitler’s Mimik und Gestik vor? Was hat es mit den Parodienamen für Hitler, Göring und Mussolini auf sich? Wie stand Chaplin nach der Aufdeckung der Nazi-Gräueltaten zum eigenen Film? (bis 29. August).

Wien kann es mit Trier auch in Zukunft nicht aufnehmen. Vielleicht nicht, was die Größe angeht, und auch im Film kommt die Stadt an der Mosel nicht so häufig vor wie die an der Donau. Aber was das Alter angeht, können sich die Österreicher auch künftig nicht mit ihrer Hauptstadt brüsten: denn die ist bestenfalls nur „fast“ 2000 Jahre alt. Nun gut, für die Wiener selbst war es eine Sensation, als bei Grabungsarbeiten einer neuen U-Bahn-Station Spuren von fast 2000 Jahren Stadtgeschichte zum Vorschein kamen. Es wurden die Reste eines römischen Hauses, mittelalterliche Keller und mächtige Mauern der Alser Kaserne ausgegraben. Diese Kaserne, die sich im 9. Gemeindebezirk befand und 1689 fertiggestellt wurde, war als Landschaftsakademie eine höhere Bildungseinrichtung der niederösterreichischen Stände (heute steht hier die Zentrale der Österreichischen Nationalbank). Die Alser Straße ist eine geschichtsträchtige Verkehrsverbindung, entlang derer sich in der Spätantike ein Gräberfeld erstreckte. Teile der nunmehr freigelegten Mauerreste sollen konserviert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Schön und gut. Man gönne es den Wienern. Wenn sie allerdings wirklich alte Mauern anschauen wollen, müssen sie dann wohl doch weiter nach Nordwesten fahren. no/dpa