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Ausstellung in Bitburg zeigt Bilder zum Verhältnis Mensch, Wolf, Natur

Ausstellung : Keine Angst vorm bösen Wolf

In seiner aktuellen Ausstellung zeigt das Haus Beda in Bitburg Bilder, die das Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Wildnis thematisieren.

Wer dieser Tage durch die Ausstellungsräume der Neuen Galerie im Haus Beda geht, mag sich an den passionierten Waldgänger Goethe erinnern, der in der Kunst stets die Natur suchte. Im Bitburger Kulturzentrum soll die Natur diesmal die Schwelle zur Kunst überwinden helfen. „Wir wollen über naturnahe Themen dem Publikum den Zugang zur zeitgenössischen Kunst erleichtern“, erklärt Hausherr Michael Dietzsch.

„Wald, Wolf, Wildnis“, heißt die eben eröffnete Ausstellung, ein absolut aktuelles Thema nicht nur nach Ansicht des promovierten Volkswirts, Naturliebhabers und Jägers, angesichts der gefährdeten Wälder und zurückkehrenden Wölfe. Gerade letztere sorgen bekanntlich für Aufregung. Zur besseren Identifikation wurden Besuchern der Vernissage dann auch gleich im Rahmen der Corona Hygienemaßnahmen Wolfshalbmasken als Mundschutz ausgehändigt.

Besonders freundlich war die Koexistenz zwischen Mensch und Wolf allerdings nie. Die römische Wölfin, die der Sage nach mit der Säugung der Zwillinge Romulus und Remus die Gründung Roms rettete, ist eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt. In grauer Vorzeit dichtete ihm die nordische Sagenwelt dämonische Kräfte an, der römische Dichter Ovid verwandelte literarisch einen skrupellosen König in einen Wolf und das christliche Mittelalter hielt ihn gar für den Teufel in Tiergestalt.

Auch in den Märchen und Mythen der Romantik blieb der Wolf ein Sinnbild der Bedrohung. Unverändert gilt, dass das Naturverständnis einer Gesellschaft und damit das Verhältnis des Menschen zur natürlichen Umwelt von Traditionen, Weltverständnis, wissenschaftlicher Erkenntnis und aktueller Geisteshaltung abhängt. Das gilt auch für den Wald, den vormoderne Gesellschaften mit ihren mythologischen Wesen bevölkerten.

Für den Romantiker Eichendorff hingegen war der Wald ein Andachtsort, in dem der Mensch wieder zu sich findet „zum rechten Tun und Lieben“. Der Romantik, immer mit dem Ohr am eigenen Innern und der Welt Seele ist der Wald, wie später für die Psychoanalyse Echoraum der Seele mit ihren Sehnsüchten wie Verwerfungen.

Die stets leicht oberlehrerhaften Märchen nutzten den Wald als Lehrort für richtiges und falsches Verhalten. Der Gegenwartsgesellschaft ist der mittlerweile bedrohte Wald Klimaschutz, Erholungsraum und Wirtschaftsgut.

Die Bitburger Ausstellung reflektiert an Bildbeispielen vielseitig solcherart kultur-und geistesgeschichtlichen Traditionen wie die aktuelle Wahrnehmung von Wald und Wolf. Der Bilderschau im Haus Beda liegt die gleichnamige Wanderausstellung der in Bayern und Berlin lebenden Künstlerin Gisela Krohn zugrunde, die eine Art Good-Will-Tour für den Wolf darstellt. In Bitburg wurde die zeitgenössische Schau um einige Positionen, darunter einige historische Walddarstellungen ergänzt.

Zu sehen sind jetzt 26 internationale künstlerische Positionen zum Thema, darunter Gemälde, Grafik , Bildhauerei, Fotografie und Video. Im Zentrum steht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Wolf. Es ist eine Reflektion, die der Versöhnung von Mensch und Natur dient, wie sie schon Joseph Beuys anstrebte, aber auch Philosophen wie Theodor Adorno und nicht zuletzt die Berner Konvention zum Artenschutz von 1979 zum Ziel hat.

In den vielfach eindrücklichen Arbeiten wird der Wolf in seinem Wesen und seiner ambivalenten Wahrnehmung sichtbar. Wild und abschreckend wirkt er in Irmela Meiers Plastiken, allerdings auch sozial im eigenen Rudel-Verband. Roland Stratmann reflektiert leicht ironisch die literarischen Referenzen zum Wolf. Lionel Sabattés fast kokette Plastik „Aprilwolf“ hat gar impressionistische Züge. Moritz Krohn setzt dicht, vielfältig und farbmächtig die schillernde Wolfsrezeption und den erhobenen Zeigefinger der Märchen ins Bild.

Dabei ist der Wolf gar nicht das gefährlichste unter den Lebenwesen. „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ stellte scharfsinnig der römische Komödiendichter Plautus fest. Ihm folgt Shaarbek Amankul mit seiner Arbeit: „My brother is my enemy“, dem eindringlichsten Bild der Ausstellung, das leider etwas abseits hängt. In einem orientalisch opulenten Interieur sitzt der Wolf als Krieger mit Gewehr. In den Bitburger Waldbildern bleibt der Wald in geistesgeschichtlicher Tradition, meditativer Ort, geheimnisvoller Raum und ein noch nicht von der Zivilisation vereinnahmtes Biotop.

Eines der schönsten Landschaftsbilder in dieser sehenswerten Schau ist das stimmungsvolle titellose Gemälde von Nashun Nashunbatu. Für Leute, die es dann doch gern handfest realistisch haben, gibt es noch einen präparierten Wolf und ein Halsband aus Wolfszähnen mit Verbeugung vor „Rotkäppchen“ von Babette Boucher. Die bildkünstlerische Auseinandersetzung mit dem vom Menschen geschundenen Wald wäre noch nachzutragen.

Bis 9. Februar 2021: dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr; samstags, sonn- und feiertags von 14 bis 18 Uhr, ein virtueller Rundgang ist möglich. www.haus-beda.de, www.waldwolfwildnis.de