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Konzerte
Verdamp langes Konzert: BAP spielt in Trier vor 3000 Leuten

Wolfgang Niedecken unter Leinwand-Palmen – so sieht die neue BAP-Tour in der Trierer Arena aus.
Wolfgang Niedecken unter Leinwand-Palmen – so sieht die neue BAP-Tour in der Trierer Arena aus. FOTO: Karin Pütz
Trier. Wolfgang Niedeckens BAP hat auch nach 42 Jahren Bühnenpräsenz treue Fans. Knapp 3000 Besucher erleben in Trier das neue Tour-Programm. Von Karin Pütz

In Trier herrschen Temperaturen wie in den US-Südstaaten –  Wolfgang Niedecken liefert mit seiner Band BAP am Donnerstagabend den passenden Soundtrack dazu. Das Bühnenbild  mit Palmen und Leinwand, auf die USA-Impressionen projiziert werden, zeigt die Richtung: Musikalisch ist Niedecken bei einer Mischung aus Südstaaten und Südstadt angekommen. Neu im Tourgepäck ist eine vierköpfige Bläser-Gruppe, die neben Niedecken und weiteren vier Musikern die derzeitige Formation BAP stellen.

Die knapp 3000 Zuschauer finden sich teils stehend im Innenraum, teils auf den Tribünen sitzend in der Trierer Arena ein, um die wohl neben der Zeltinger Band dienstältesten Kölschrocker live zu erleben. Bassist Werner Kopal „hat Rücken“, erzählt Niedecken. Natürlich stößt das beim vorwiegend Ü40-Publikum auf Verständnis. Ersatzmann Marius Goldhammer springt an diesem Abend in Trier ein und liefert erwartungsgemäß gut ab.

Dass das Publikum vor allem an den alten Stücken aus den Anfängen von BAP hängt, ist das Los vieler Bands, die seit so vielen Jahren im Geschäft sind. Während die langsamen und gefühlsbetonten Stücke, in denen Niedecken Autobiografisches aus seiner Familie thematisiert, eher mit zurückhaltendem Applaus bedacht werden, reißen Songs wie „Kristallnaach“ und das anschließende „Arsch huh, Zäng ussenander“ das Publikum mit. Ob es eher am Rhythmus als an der politischen Aussage liegt, ist  schwer zu sagen. War doch zuvor bei Niedeckens Ansage zu einem Lied über Flüchtlinge und seinem Appell „Wir müssen diesen Leuten helfen“ das Echo des Trierer Publikums eher verhalten.

Zwischen den Songs erzählt Niedecken Anekdoten, auf der Leinwand werden Fotos eingeblendet, darunter echte Raritäten: Eines zeigt seine damals noch kleinen Söhne zusammen mit der Band Ramones. Die Auswahl der Lieder ist gemischt – Altes wechselt sich mit Neuem aus dem „Familienalbum“ ab. Dabei behalten allerdings die ruhigeren Stücke die Oberhand.

Dass es vor Jahrzehnten auf der Bühne rockiger und schneller zuging als heute, ist indes verständlich. Der inzwischen 67-jährige Niedecken ist altersweise, sein Publikum mit ihm zusammen älter geworden. Doch er mag so viele erstklassige (!) Musiker auf die Bühne bringen, wie er will: Ohne „Verdamp lang her“ würde man BAP wohl nicht von der Bühne lassen. An diesen größten Hit vom Erfolgsalbum „Für usszeschnigge“ aus dem Jahr 1981 kam die Band nie wieder heran – und auch in Zukunft dürfte es schwer sein, das BAP-Feeling von damals zu toppen.

Die neuen Stücke motivieren durch  mangelnde Mitsing-Kompatibilität nicht dazu, die für Nicht-Kölner unverständlichen Texte zu übersetzen. So dauerte es „verdamp“ lange, bis es in Trier aus 3000 treuen Kehlen „Verdamp lang her“ schallt – es ist nach 23 Uhr.

Anfang der 1980er Jahre pinnte man sich Buttons mit dem Schriftzug „2 1/2 Stunden BAP“ an die Jeansjacken. 2018 wären Pins mit „3 Stunden BAP“ angebracht. Denn treue Fans kaufen Niedecken einfach alles ab.