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Ausstellungen / Fotografie
Entdeckungslust gegen Heimatlosigkeit

 Der Künstler Baraa Rajab Basha stellt Portraits in Trier aus
Der Künstler Baraa Rajab Basha stellt Portraits in Trier aus FOTO: Eva-Maria Reuther
Trier. Baraa Rajab Basha stellt sein fotografisches Roadmovie in Trier aus. Von Eva-Maria Reuther

„Don’t ever let tell you, you can’t do anything“ (Lass dir nicht einreden, du könntest doch nichts tun). Das Überlebensmotto des Obdachlosen Chris Gardner aus dem berühmten Film „The persuit of happiness“ (Das Streben nach Glück) steht unter einem seiner Fotos.  Neben einem anderen wird der Bürgerrechtler Malcolm X zitiert: „I am for truth“ (Ich bin für Wahrheit).

Baraa Rajab Basha ist nicht obdachlos, wohl aber heimatlos, nachdem sein Heimatland Syrien von einem schrecklichen heillosen Krieg heimgesucht wurde. „Überall zuhause und nirgendwo daheim“ heißt seine Fotoserie, die derzeit in der Tufa in Trier gezeigt wird. Ein fotografisches Roadmovie per Fahrrad  von einem, der auszog, die Welt zu erkunden auf der Suche nach Glück und zwischenmenschlicher Nähe.  „Ich bin am Dialog und an der Begegnung mit anderen Menschen interessiert“, sagt der Syrer, der 1992 in Aleppo geboren wurde und heute an der Hochschule Trier Intermedia Design studiert. Mit einem Studentenvisum kam er 2014 nach Deutschland, das ihm die Eltern eines deutschen Kommilitonen aus Bremen, der in Beirut sein Auslandssemester machte, besorgt hatten.

Inzwischen hat sich Baraa Rajab Basha hierzulande eingelebt. Er fühle sich wohl in Deutschland, sagt der dunkelhaarige junge Mann, der einen äußerst energischen Eindruck macht. Allerdings sei das Einleben schwer gewesen. „Es ist immer noch schwer“, fügt er nach kurzem Nachdenken hinzu. Woran es ihm fehle? „An Wärme“, kommt die Antwort ohne Zögern. Auch das war womöglich ein Grund, in die Welt aufzubrechen. Vor allem aber war es wohl die uralte Unruhe der Heimatlosen, die den syrischen Emigranten dazu trieb, sich zur Fahrt von Deutschland nach Dänemark aufs Fahrrad zu setzen, um unter anderem die Familie seines Bremer Freundes kennenzulernen.

„Jemand der keine Heimat mehr hat, doch den Willen, die Welt zu sehen, kann nichts abhalten, sich auf den Weg zu machen“, erklärt der Student. Entstanden sind bei dieser Tour nach Norden Tausende von Fotos, von denen in Trier eine  Auswahl gezeigt wird, darunter Landschaften mit Windmühlen, Stadtansichten wie von Bremen oder der Hamburger Speicherstadt sowie zahlreiche Porträts. „Meine Fotos sollen erzählen, was ich erlebt habe“, sagt Basha. Der Fotograf, dessen großes Vorbild der syrische Regisseur Mustapha Akkad, der Produzent der bekannten  „Halloween“-Serie ist, hat fraglos einen sehr genauen Blick. Seine schwarz-weißen und farbigen Digitalfotos  zeugen von seinem Gefühl für die besondere  Atmosphäre eines Ortes und für Stimmungen. Von feiner Poesie ist die Aufnahme eines Vogels auf einer Boje im Meer.

Herausragend sind allerdings Bashas Schwarz-Weiß-Porträts. Sie stellen den absoluten Höhepunkt dieser Fotoschau dar und  weisen den Fotografen als einen genauen, einfühlsamen  Beobachter aus. Gerade in ihnen wird Bashas Interesse an Menschen und der Begegnung mit ihnen deutlich: „Mich interessiert, was diese Gesichter an Geschichten erzählen, an gelebtem Leben“. Bei dieser einen Ausstellung soll es im Übrigen  nicht bleiben.

Die Tufa-Schau bildet den Auftakt zu Bashas  Projekt „Porträts für Deutschland“, das für nächstes Jahr in der Tufa geplant ist. Dafür wird man sich dann auch um eine schlüssige Hängung bemühen müssen. Bashas fotografische Reise ist ein interessantes Projekt, das nicht nur viel über seinen Schöpfer erzählt. Mehr noch: Es ermöglicht  gerade in den Porträts zwischenmenschliche Begegnung.

Wer sich auf sie einlässt, tritt als Betrachter in einen lebhaften Dialog mit den abgebildeten Menschen. Genau auf diesen  Austausch setzt der syrische Wanderer zwischen den Welten: „Weil  wir doch alle Menschen sind.“

Die Ausstellung ist ab dem 3. Februar in der Tufa in Trier zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags, mittwochs und freitags von 14 bis 17 Uhr, donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie am Wochenende und feiertags von 11 bis 17 Uhr.