| 17:45 Uhr

Konzerte
Ein Grandseigneur des Dirigierens

 Bernhard Haitink mit dem „Chamber Orchestra of Europe“ in der Luxemburger Philharmonie
Bernhard Haitink mit dem „Chamber Orchestra of Europe“ in der Luxemburger Philharmonie FOTO: Sébastien Grébille
Luxemburg  . Bernhard Haitink spielte mit dem Chamber Orchestra of Europe in der Luxemburger Philharmonie. Die 1300 Zuhörer zeigten sich begeistert. Von Martin Möller

Es ist ein meisterliches Dirigat.  Die Gestik von Bernard  ­Haitink kommt aus dem Handgelenk – wörtlich und metaphorisch. Überlegen steuert der niederländische Grandseigneur des Dirigierens das 60-köpfige „Chamber Orchestra of Europe“  (COE) durch die Partitur von Schumanns „Ouvertüre, Scherzo und Finale“, setzt da und dort einen Impuls und bleibt trotz dieser knappen Gestik ganz nah am Orchester. Souverän – keine Frage. Vielleicht allzu souverän. Bei allem orchestralen Klangglanz, vor allem im Bläsersatz, tun sich doch Defizite auf. Die ausladende, euphorische Stimmung in diesem Werk klingt gedämpft und wirkt stellenweise zäh. Haitink und das COE nähern sich gleichsam von außen der Komposition, anstatt deren Impulse aufzunehmen und aus ihnen heraus zu musizieren. Sie stehen über der Musik, nicht in der Musik. Eine Distanz schwingt mit, die Schumanns Tonsprache fremd ist.

Aber vielleicht sind Haitink und das COE im reiferen Schumann zu Hause, in Werken, die nicht spontan am Klavier entstanden, sondern Schritt für Schritt am Schreibtisch erarbeitet wurden. In Schumanns Cellokonzert besticht die Vielzahl von Nuancen – im Orchester und auch beim Solisten. Gautier Capucon verlässt sich nicht auf seinen sonoren Celloklang und seine perfekte Intonation. Er  entwickelt in den ausgedehnten Solo-Partien einen  freien, improvisiert wirkenden Musizierstil, ein Element künstlerischer Selbstbestimmung. Und im wunderbaren  Mittelsatz entfalten er und der Solocellist im Orchester einen herrlichen Zwiegesang – expressiv und intim zugleich.

Und dann Beethovens Siebte. Herrlich! Da war kein Raum mehr für Bedenken und Distanz. Mit seiner knappen Dirigiergestik gab Haitink der Komposition eine exemplarische Geschlossenheit mit. Die scharfen Kontraste der Musik, die irrational und sprunghaft wirken können, sie werden bis zum Ende eingebunden in ein Musizieren von bestechender Logik. Da wirkte nichts mehr zufällig, gewollt oder auch distanziert und routiniert. Es war bis zum Schluss ein Beethoven unter Hochspannung.

Das Publikum hatte geradezu atemlos zugehört. Und dann feierten sie Haitink –  im  Saal und auch auf der Bühne der Luxemburger Philharmonie. Wieder und wieder wurde er vom Publikum und vom Orchester herausgerufen. Und dann war es, als würde die  helle Begeisterung der 1300 Besucher umschlagen in tiefe Ehrfurcht. Ganz gewiss: Bernard Haitink gehört zu den Großen in der Musik.