1. Nachrichten
  2. Kultur

Bilder von Martina Diederich in der EKA zu sehen

Kunst : Seelen-Reise einer Trierer Malerin

In der Europäischen Kunstakademie Trier stellt Martina Diederich ihre „Reiseberichte“ aus.

Sagen wir es mit Goethe. „Es bildet ein Talent sich in der Stille, sich ein Charakter in dem Strom der Welt.“ So beschreibt er in seinem Drama Torquato Tasso den Widerspruch zwischen Welterfahrung und Kunstschaffen. Was derart entgegengesetzt erscheint, verdichtet sich in Martina Diederichs Werk und Persönlichkeit zu einer stimmigen Symbiose.

Seit Jahren ist die Trierer Malerin unterwegs in der Welt, in ihrer unmittelbaren Umgebung wie in fremden Ländern. Frei nach Humboldt nimmt sie dabei so viel Welt als möglich in sich auf, um sie zu verinnerlichen und später als Gemälde zu veräußern, was seelischer Ertrag ihrer Eindrücke ist. Derzeit sind in der Europäischen Kunstakademie (EKA) in Trier ihre gemalten „Reiseberichte“ zu sehen.

Das Reisen und die Begegnung mit fremden Kulturen gehören für die 1962 in Mayen geborene Künstlerin, die in Bilbao aufwuchs, zu ihren frühesten Erfahrungen. Inzwischen ist die Künstlerin zu einer notorischen Kosmopolitin geworden, die kreuz und quer durch die Welt reist von Mexiko bis Usbekistan, nach Südamerika, Afrika, Sri Lanka oder Vietnam. Damit steht die Malerin in einer langen Tradition reisender Künstler.

Legendär sind die Bildungsreisen berühmter Maler und Dichter früherer Jahrhunderte innerhalb Europas. Globaler reisten dagegen die Künstler der Moderne. Auch in ihrer Methode, Eindrücke und Begegnungen ihrer Reisen zu sammeln, und als Bildertrag mit nach Hause zu nehmen, bleibt Diederich der Tradition verpflichtet.

An die Stelle der Skizzenbücher ist bei ihr die kamera getreten. Was ihr denkwürdig und kunstfähig erscheint, fotografiert sie, um es nach Hause ins Atelier zu bringen und und um es zu einem neuen Bild aus Innen-und Außenschau zu überformen. Wer Diederichs Bilder alltäglicher Straßenszenen kennt, weiß um ihren kritischen Blick. Ihre Reisebilder unterscheiden sich davon merklich. Die Ärmlichkeit prekärer Lebensverhältnisse entgeht ihr ebenso wenig, wie die drangvolle Enge in Hanoi oder die bunten Quader afrikanischer Hausarchitektur. All das ist in ihren erzählfreudigen Gemälden aus aller Welt zu sehen.

Dabei belässt Martina Diederich es nicht bei einem die Wirklichkeit zitierenden Realismus. Indem sie ihre Motive künstlerisch der Wirklichkeit entzieht, schafft sie über Lichtregie, Ausschnitt und den Umgang mit der Farbe stimmungsvolle poetische Bilderzählungen, die gleichermaßen exotisches Abenteuerland wie intime seelische Provinz sind.

Die Ausstellung von Martina Diederich in der Europäischen Kunstakademie ist bis zum 8. November, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Nähere Infos unter: www.eka-trie.de