| 19:16 Uhr

Kunst
Bunt, authentisch, ansehnlich

Blick in die Ausstellung, im Vordergrund zwei Metall-Skulpturen von Andreas Hamacher. Foto: Eva-Maria Reuther
Blick in die Ausstellung, im Vordergrund zwei Metall-Skulpturen von Andreas Hamacher. Foto: Eva-Maria Reuther
Trier. Die Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst zeigt ihre Jahresausstellung in der Tufa. Von Eva-Maria Reuther

Lichte Weite – das ist der erste Eindruck, wenn man in diesen Tagen den großen Ausstellungssaal im zweiten Obergeschoss der Trierer Tufa betritt. Dort werden derzeit die Arbeiten der Jahresausstellung 2018 der Trierer Gesellschaft für Bildende Kunst präsentiert. Anders als in den vergangenen Jahren konzentrieren sich die Bilderkojen auf zwei Blöcke, die in der Saalmitte Raum schaffen und den Blick nach draußen freigeben. Auch sonst ist einiges anders.

„Wir haben diesmal nur neuere Arbeiten aus den letzten beiden Jahren zugelassen“, sagt Andreas Hamacher, der neue Vorsitzende der Trierer Kunstvereinigung. Eine durchaus einleuchtende Regelung, begreift man die alljährliche Schau als aktuelle Leistungsschau der Gesellschaft und nicht allein als Ausstellungsgelegenheit für Mitglieder des Vereins. Schließlich sind die Analyse des Ist-Zustands und die Beobachtung  der vereinsinternen künstlerischen Entwicklungen unverzichtbare Bedingungen, um den Verein zukunftsfähig zu halten.

Eine Herausforderung bleibt für Hamacher weiterhin die Anwerbung neuer und junger Mitglieder für die traditionsreiche Gesellschaft. „Ich will die Kunstvereinigung natürlich nach vorne bringen“, sagt der Bildhauer. Bunt, authentisch und ansehnlich kommt die Schau daher, an der sich 42 Künstler beteiligt haben. Nachwuchskünstler sind auch in der aktuellen Jahresausstellung kaum vertreten. Da sticht die junge  Birte Svea Metzdorf hervor, die sich mit einer satirischen Arbeit in gekonnt witziger Weise an ihrem Umfeld abarbeitet.

Präsentiert werden einmal mehr die klassischen Kunstgattungen Malerei, Zeichnung, Fotografie und Bildhauerei. Allerdings ist nicht unbedingt neu, was erst kürzlich entstanden ist. So zeigen Clas Steinmann, Anna Recker oder Matthias Strugalla mit ihren Zeichnungen und Mischtechniken zwar Virtuoses, aber Bewährtes. Auch Irmgard Webers Gemälde setzt die begonnene Werkgruppe ihrer Gärten fort, so wie Karl Willems hier seine neo-romantischen realistischen Naturgemälde fortführt.

Eine interessante Entwicklung hat Ali Anvari gemacht, der die Ästhetik und Haptik seiner Teppichbilder für die Augen auf die Leinwand übertragen hat und dort einmal mehr moderne Malerei mit orientalischer Opulenz verbindet. Auch Andreas Hamachers Metall-Skulpturen sind aufgebrochen zu einer größeren Dynamik und Leichtigkeit. „Die Form des Wassers“ (um es mit einem Buchtitel zu sagen) hat Martina Diederich geradezu greifbar ins Bild gesetzt.

Außer im großen Saal werden auch Arbeiten in der sogenannten „Galerie“ nebenan gezeigt. Dort fällt Rainer J. Czech auf, der im scheinbar monochromen Weiß die Farbe sichtbar macht. Ihm zur Seite Gerhard Freisings  Farb-Architekturen. Eindrucksvoll befreit sich in Katharina Worrings großformatigem Gemälde strenge Geometrie in die malerische traumverlorene Geste. Bei den Fotografen fällt Stephen Levines Fotoserie zum New Yorker Strandleben von Coney Island auf. Vertreten sind auch in diesem Jahr die „Altmeister“ der Vereinigung wie Manfred Freitag, Rüdiger Kündgen und Ulrich Lebenstedt. Eine eigene Kojenwand íst zum 80. Geburtstag Horst Schmitt gewidmet, dem ehemaligen Vorsitzenden der Vereinigung. Seine mit liebevollem Blick gemalten Landschaftsaquarelle und Gouachen weisen in ihrer Formensprache enge Bezüge zu seinen Collagen und abstrakten Bildern auf.

Bei aller wünschenswerten Aktualität: Nicht zu übersehen ist, dass die Ausstellung auch eine ganze Reihe schwacher Arbeiten enthält. So sind etwa Dorothee Reicherts Ruß-Bilder entschieden zu pauschal geraten. Eva Sonne-Krings Abstraktionen überzeugen ebenso wenig wie Werner Bitzigeios bildhauerischer Minimalismus. Absolut enttäuschend ist die Jugendkoje. Was hier unter dem Thema Wahrnehmung firmiert, geht kaum über mehr oder weniger gelungene Übungen aus dem Kunstunterricht hinaus. An Frische oder jugendlich vitaler Originalität und Experimentierfreude haben die Arbeiten rein gar nichts.

Bis 8.11., Di., Mi., Fr.: 14-17 Uhr, Do.: 17 - 20 Uhr; Sa.+ So. & Feiertage: 11 -17 Uhr