Carmen Souza spielt in der Tufa in Trier auf

Carmen Souza in der Tufa in Trier : Kulturelles Erbe in Klang gepackt

Carmen Souza präsentierte in der Tufa in Trier ihr Programm „Creology“, das sich mit der kreolischen Musikkultur und deren Wurzeln auseinandersetzt. Optimismus und Lebensfreude strahlt die Musik aus.

Freundlich lächelnd, fast schüchtern betritt Carmen Souza die Bühne in Trier, gefolgt von ihrem Bassisten Theo Pascal und dem Perkussionisten Elias Kacomanolis. Dabei ist die Sängerin, die von den Kapverdischen Inseln stammt, eine bekannte Größe in der Jazz- und Weltmusik, die bereits auf einigen Jazzfestivals, unter anderem in Montreal oder Leverkusen, aufgetreten ist.

Eine musikalische Reise in verschiedene Länder, allesamt ehemalige portugiesische Kolonien, kündigte Souza an. Die Entstehung der kreolischen Musikkultur ist gleichzeitig eine Geschichte der Sklaverei und Kolonialisierung. „Ponta De Argia“ zeigt lautmalerisch gleich zu Beginn, was die Besucher erwartet. Verspielte Rhythmen mit plötzlichen Tempiwechseln, dazu die Improvisation von Souza, die mal zart brüchig und mal voll klang. Ihre Mitmusiker liefern dazu ein abwechslungsreiches und eindruckvolles Fundament. An manchen Stellen nehmen sie sich sehr zurück, so dass eine ungeheure Spannung entsteht, die dann vom Perkussionisten und Schlagzeuger aufgelöst wird.

Beim Vortragen ihrer Musik, die wie sie selbst eine unglaublich positive Ausstrahlung hat, hat sie stets ein glaubwürdiges Lächeln auf den Lippen. Sie singt zart, aber ausdrucksvoll, und so hat man bei ihrem Konzert, spätestens als Reggaeklänge bei „Ligra“ in die Tufa miteinziehen, in diesen aktuell in Deutschland ungemütlichen Wintertagen den Eindruck, sich an einem schönen Strand zu befinden, mit Freunden an einem Feuer zu sitzen und den Moment zu genießen.

Die Musik ist in keiner Weise aufdringlich, sondern einladend und mit einer großen Tiefe. Die Akteure vor dem Publikum begegnen sich auf Augenhöhe. Theo Pascal, der sowohl mit dem Kontra- als auch mit dem E-Bass auf der Bühne steht, umspielt beispielsweise bei einem Solo einen einzigen Ton, indem er immer wieder zu ihm zurückfindet.

Als die Reise in Mosambik ankommt, beginnt das Schlagzeug schnell, der Bass steigt ein, und Carmen Souza setzt mit der Gitarre Akzente, die die Besucher fesseln und zum Mitklatschen des Rhythmus animieren. Einige singen sogar mit. Carmen Souza kann aber nicht nur leichtfüßig, sie kann auch emotionaler. Sorgenvoll und voller Sehnsucht singt sie ein Stück, mit einer großen tonalen Bandbreite, die sie in ihrer Improvisation weiter ausbaut.

Der „Moonlight Serenade“ geben die Musiker ein sehr schnelles Tempo, sie klingt melodisch, leicht. Der Bass unterstützt mit Läufen und überraschenden Breaks. Dann wird es noch schneller, Elisas Kacomanolis Schlagzeugsticks tanzen über die Becken, und Souza bringt Spannung durch sich immer wiederholende Akkorde an der Gitarre. Dazu singt sie kurze, knackige Einwürfe.

Die Stücke der Gruppe wirken durch viele Rhythmuswechsel abwechslungsreich, und die Stimme von Carmen Souza überzeugt oft durch ihre Zurückhaltung. Sie braucht manche Stellen gar nicht  zu singen, man kann sie sich durch das vorhergehend Gesungene schon genau vorstellen, wie sie sich anhören würden.

Ihre Hommage an die kreolische Musikkultur ist von Optimismus und Lebensfreude geprägt, die durch ihre eigene Ausstrahlung und die Unterstützung ihrer Musiker, bei den Besuchern ankommt. Bedauerlicherweise waren es nur rund 50 Zuhörer, die an diesem stürmischen und verregneten Januarabend den Weg in den Großen Saal der Tufa gefunden haben.