1. Nachrichten
  2. Kultur

Collegium Musicum der Uni Trier spielt nach langer Pause wieder live

Orchester : Collegium Musicum der Universität Trier spielt nach langer Pause wieder live

Wie soll das emotional funktionieren? Ein Klassik-Konzert online, per YouTube-Stream? Selbst nach über zwei Jahren Pandemie blieb diese Frage bis zum Sonntagnachmittag – zumindest für den Rezensenten – unbeantwortet.

Das Collegium Musicum der Universität Trier unter der Leitung von Mariano Chiacchiarini beweist nun, dass es geht. Und wie!

Zum traditionellen Abschlusskonzert des Wintersemesters live aus dem gähnend leeren Auditorium Maximum begrüßt Uni-Präsident und Moderator Prof. Dr. Michael Jäckel die (zahlreichen?) unsichtbaren Zuschauer voller Nachdenklichkeit, aber auch mit einer Art trotziger Vorfreude. Und das scheint angebracht.

Pandemiebedingt wurden Sänger und Musiker getrennt, zunächst treten die Streicher aufs Tapet. Antonin Dvoráks Serenade Opus 22 kommt lyrisch, melancholisch, aber auch tänzerisch daher. Die jungen Musiker tragen Masken, Chiacciarini dirigiert gewohnt cool, ohne Pult. Man spürt aber: Die Leidenschaft für die Musik ist da und sie muss raus.

Bläser und Schlagwerker bestreiten dann Rubert Kurkas Suite aus der „Geschichte vom braven Soldaten Schwejk“, thematisch bleibt man also in Tschechien. Die Musik in dieser ungewöhnlichen und seltenen Instrumentierung erzeugt eine Stimmung zwischen Traurigkeit, Irrwitz und Optimismus, genau wie die des Protagonisten Schwejk in der satirischen Anti-Kriegs-Geschichte vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Dann der Chor mit dem getragenen „Alleluia“ des US-Amerikaners Randall Thompson von 1940 und der „Little Jazz Mass“ des Briten Robert Chilcott (*1955). Das ehemalige Mitglied der berühmten King‘s Singers hat hier ein berührendes Werk geschaffen, jazzig begleitet von Bass, Schlagzeug und Flügel. Sakrale Musik auf schöne, neue und kreative Art, beeindruckend exzellent vorgetragen vom Collegium Musicum. Dirigent Chiacchiarini strahlt mit Fug und Recht.

Am 31. Januar 2020, das Damokles-Schwert der Pandemie schwebte als grauer Schatten ganz diffus im Hintergrund, hatte das famose Orchester und der Chor aus Studierenden und talentierten Laien sein letztes Wintersemester-Abschlusskonzert mit einer starken Tango-Messe live gespielt. Und das voll besetzte Audimax hatte vor Begeisterung getobt.

Heute klatscht man vor dem heimischen Laptop mehr innerlich, aber durchaus gerührt ob der hervorragenden Leistung ohne Fehl und Tadel. Gemütlich ist es allemal im heimischen Sessel bei Kaffee und Kuchen. Und der Horizont öffnet sich, wie Michael Jäckel in seiner Moderation anmerkt, in diesen besonderen Zeiten.