Comedy-Duo Mundstuhl amüsiert mit „Flamongos“in Trier.

Comedy : Flamongos in flachen Gewässern

Comedy-Duo Mundstuhl amüsiert mit neuem Programm in der ausverkauften Tufa in Trier.

Kurz nach 20 Uhr erklingt nun schon zum fünften Mal das Lied „Albany“ von Roger Whittaker aus den Lautsprechern in der Tufa. Doch bei der Dauerschleife handelt es sich nicht um ein technisches Versehen – die „Mundstühle“ wissen ganz genau, was sie ihrem Publikum antun. Als die beiden in rosa Flamingokostümen die Bühne betreten, wirken sie wie Mitglieder eines besonders schlechten Männerballetts. Doch auf Tanzeinlagen  verzichten die beiden Komiker und beschränken sich auf ihre darstellerischen und gesanglichen Fähigkeiten. Und die sind beachtlich.

Sie thematisieren das Lied „Albany“ und zerpflücken den Text, streiten sich, debattieren, werfen sich die Bälle nur so zu und schlüpfen im Laufe des Abends in verschiedene Rollen. Und so funktioniert der Humor des Duos. Innerhalb der zweistündigen Show ohne Pause  werden aus Lars und Ande ihre Alter-Egos Peggy und Sandy, Torben und Malte, Grill-Schorsch, Dragan und Alder, Andi sowie die Zauberer Siegroy und Fried. Dabei zeigen sie, dass sie ein eingespieltes Team sind, das an diesem Abend in Trier auch reichlich improvisiert.

Anarcho-Comedy und Blödelei bringen sie mit sprachlicher und mimischer Perfektion auf die Bühne. Dass die Lacher nicht gerade auf feinsinnigem Humor basieren, dürfte sich herumgesprochen haben – die 240 Personen im Saal wissen, worauf sie sich einlassen. Mundstuhlwitze sind politisch unkorrekt und oft flach wie die Gewässer, in denen sich Flamingos normalerweise aufhalten. Auch auf welche Behinderung der Name „Flamongos“ zurückgeht, dürfte hinreichend bekannt sein. Bei Sätzen wie: „Steht mal alle auf – bis auf die Rollstuhlfahrer, die können sitzen bleiben. Obwohl, es wäre eine nette Geste“, kann man sich angesichts eines anwesenden Rollstuhlfahrers durchaus fragen, ob das noch Humor ist oder schon seelische Grausamkeit.

Ob „man“ wirklich über alles und jeden lachen darf, ist vor allem eine Frage der persönlichen Schmerzgrenze. Und die wird an diesem Abend ausgetestet. Das Publikum amüsiert sich meistens köstlich über die Ausflüge in die Niederungen des menschlichen Humors. Als Lars und Ande als „Siegroy und Fried“ auftreten, ist das Gelächter groß. „Seit der Siegroy vom Tiger in den Kopf gebissen wurde, tickt er nicht mehr richtig“, erklärt Lars alias Fried, und Ande betritt am Rollator gehend und unartikulierte Laute ausstoßend die Bühne. Die Zuschauer kommen aus dem Lachen nicht mehr raus. Dann ist Michael Schumacher an der Reihe. Von dem vor fünf Jahren verunglückten  deutschen Rennfahrer wissen heute viele nicht mehr, dass er 2009 nach einem vermeintlichen Fahrfehler von der Presse den Spitznamen „Schummel-Schumi“ erhielt. Ande witzelt: „Schummel-Schumi – ich sag‘ nur Krankenhaustagegeld! Von reichen Leuten lernt man das Sparen!“ Und hier hat das Duo die persönliche Humor-Schmerzgrenze der meisten Zuschauer überschritten – nur wenige Lacher kommen aus dem Publikum. Nach der Vorstellung – inklusive lautstark geforderter Zugabe – steigt Ande von der Bühne und fragt im Vorbeigehen den Rollstuhlfahrer aus dem Publikum: „Und, bist du eben aufgestanden?“ Der Angesprochene schüttelt lachend den Kopf.

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