Das 5. Trierer Kammerkonzert im Kurfürstlichen Palais Trier

Kammermusik : Jugendlicher Elan und Alterswehmut

Das 5. Trierer Kammerkonzert im Kurfürstlichen Palais vereint frische Frühwerke mit reifen Kompositionen.

Ein Komponist beim Aufbruch in neues Terrain und daneben zwei  Spätwerke: Im 5. Konzert der Kammermusikalischen Vereinigung Trier (13. März, 20 Uhr, Kurfürstliches Palais) stehen jugendliche Energie, reife Dramatik und Abgesang-Wehmut unmittelbar nebeneinander. Mendelssohns Quartett op. 13 ist ein zu wenig beachteter großer Wurf. Eine Musik, die sich von allen klassizistischen Schemata distanziert, neue Klangwirkungen erprobt und sich allenfalls am Quartett op. 132 des späten Beethoven, gleichfalls in a-Moll, orientiert.

Mendelssohns Werk ist erster Höhepunkt in einem reichhaltigen Programm. Ein zweiter ist das Streichquartett Nr. 1, das der damals 69-jährige Janacek 1923 schrieb. Es orientiert sich an Tolstois großem tragischen Roman „Die Kreutzersonate“. Die Komposition gelte als „einheitliches geschlossenes, psychologisches Drama“ schreibt Noten-Herausgeber Milan Skampa. Und stellt das Quartett in eine Reihe mit Janaceks Opern und deren Frauenfiguren Jenufa oder Katja Kabanova.

Das Klarinettenquintett op. 115 von Brahms indes ist ohne Zweifel das herausragende Werk in diesem Konzert. Anders als der wehmütig-retrospektive Tonfall zu Beginn nahelegt, ist die Komposition in ihren Strukturen ausgeprägt modern. Manche Wissenschaftler rücken das Quintett und überhaupt das Spätwerk von Brahms in die Nähe der späteren Zwölftonmusik. Die Trierer Erstaufführung fand übrigens am 23. März 1903 statt. Star des Abends war Klarinettist Richard Mühlfeld. Er hatte mit seinem viel gerühmten Ton Brahms zu neuen Kompositionen inspiriert –  unter anderem zum Klarinettenquintett.

Das Aris Quartett wurde 2009 in Frankfurt am Main gegründet.  Die Musiker studierten bei Günter Pichler vom Alban Berg Quartett und Hubert Buchberger vom Buchberger Quartett. Kritiker rühmen die Leidenschaft und Emotionalität ihres Musizierens.  2016 wurde die Formation mit dem Kammermusikpreis der Jürgen-Ponto-Stiftung sowie fünf Preisen beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München ausgezeichnet.

Thorsten Johanns konzertiert als Solo-Klarinettist sowie als Teil zahlreicher Kammermusik-Formationen in renommierten Konzerthäusern auf der ganzen Welt. In seiner mehr als 20-jährigen Musikerlaufbahn arbeitete er unter anderem mit den Dirigenten Sir Neville Marriner, Semyon Bychkov und Dan Ettinger. Seit dem Wintersemester 2014/2015 ist er Professor für Klarinette an der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar.

Weitere Informationen auf www.kammerkonzerte-trier.de

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