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Das Atelier als künstlerisches Biotop

Kunstwerk der Woche Ulrich Lebenstedt : Das Atelier als künstlerisches Biotop

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region.

Ich habe weitergearbeitet wie bisher“, sagt Ulrich Lebenstedt mit Blick auf die vergangenen Pandemie Monate. „Ich habe ja alles, was ich brauche in meinem Atelier“. Für Künstler, denen  die Welt ihrer  Phantasie bisweilen wirklicher ist, als die Realität, eigentlich keine ungewöhnliche Haltung, auch ohne Corona. Für so manchen wurde allerdings während der Pandemie die Abgeschiedenheit des Ateliers zum erzwungenen Rückzugsort. Für Ulrich Lebenstedt nicht allzu lange.

Mit über 80 Jahren gehört der in Trier-Biewer lebende Künstler zu den ausgewiesenen Risikogruppen und somit  zu den vorrangig Geimpften. Die frühe Impfung habe ihm schnell ermöglicht, wieder Menschen zu treffen und Kontakte zu pflegen, berichtet der vielseitig interessierte Mann mit dem trockenen Humor.

„Weiterarbeiten wie bisher“ heißt im Übrigen für den  gebürtigen Mosellaner, der an der Werkkunstschule in Trier ausgebildet wurde, sich ausschließlich auf seine künstlerische Tätigkeit zu konzentrieren. Dabei entwickelt er als freier Künstler weiter, was er bereits in seiner aktiven Berufszeit in der keramischen Industrie viele Jahre als angewandte Kunst praktizierte. Lebenstedt ist Zeichner, Maler und Keramiker.  Seine Bildwerke schafft er gleichermaßen in der Fläche wie als plastische Arbeiten. Während der Pandemie sind eine Reihe neue Ölgemälde, keramische Bilder sowie  Plastiken entstanden.

Allesamt sind  auch Lebenstedts neue Gemälde flächige abstrakte Arbeiten. In den Feldern ihres Lineaments ordnet der Künstler gleichsam die Vielfalt seiner Eindrücke und Empfindungen. Im bisweilen bewegten Linienwerk tut sich eine lebendige Binnenstruktur aus nuancenreichen Farbklängen und zuweilen unterschiedlichen Strukturen auf. Vor allem sein sommerlicher Garten inspiriert den Künstler in diesen Tagen. „Es ist ganz wunderbar, diese Farbenpracht zu sehen“.

Geometrische Formen bestimmen auch Lebenstedts plastische Arbeiten mit ihren übereinander gestapelten und gegeneinander gestellten Kuben, Rechtecken und Dreiecken. Farbig gefasst sind sie Grenzgänger zwischen Malerei und Plastik. Was die Farbe in den Gemälden an Sinnlichkeit verströmt, wird in den Plastiken durch die Griffigkeit des Materials verstärkt. „Man muss sie anfassen“, sagt der Künstler. Demnächst geht es wieder hinaus aus dem Atelier, wenn im Alten Rathaus in Wittlich eine Ausstellung seiner Arbeiten gezeigt wird (12. September bis 31. Dezember).

Kontakt: www.ulrich-lebenstedt.de

Eva-Maria Reuther