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| 17:25 Uhr

Konzert
Weg mit dem Show-Glutamat!

An den Tasten und in der Luft: Christopher von Deylen (Schiller) bringt „Klangwelten“ auf die Bühne.
An den Tasten und in der Luft: Christopher von Deylen (Schiller) bringt „Klangwelten“ auf die Bühne. FOTO: Thomas Rabsch / TV
TRIER. Das Elektronik-Projekt Schiller verzichtet auf der Klangwelten-Tour auf große Effekte. Das hat seinen Reiz – das zeigte der Auftritt in der Europahalle.
Andreas Feichtner

Was im Internet nicht irgendwo getestet und bewertet wurde, verflucht und vergöttert – das gibt’s vermutlich gar nicht. Der Döner um die Ecke. Die Herzlichkeit des Proktologen. Die quietschende Hostel-Matratze im Kurz-Urlaub: Alles muss rezensiert werden. Bis alles gesagt wurde - von jedem. Das gilt natürlich auch für Konzertberichte. Die sind tendenziell oft wohlwollend bis euphorisch, schließlich wissen die Zuschauer oft vorher ziemlich genau, worauf sie sich einlassen. Bei der aktuellen Klangwelten-Tour von Schiller, dem erfolgreichen Elektronik-Projekt von Christopher von Deylen (47), gibt es aber vergleichsweise viele Misstöne. Nicht beim Konzert in der halbvollen Europahalle, da ist soundmäßig alles in bester Ordnung. Aber in den Kommentarspalten bei vorigen Konzerten der Tour: Langweilig, enttäuschend, zu teuer, schreiben die einen. Viele begeisterte Fans gibt’s natürlich auch.

Aber wie kommt es, dass eine Zwei-Stunden-Show, die gar nicht auf das große Spektakel abzielt, so polarisiert? Es liegt genau am Konzept dieser Tour: Der Zuschauer soll sich einbringen, er muss es sogar, wenn er die Show genießen will. Er soll seinen eigenen Film schreiben. Die drei Musiker auf der Bühne an den Analog-Synthesizern und am elektronischen Schlagzeug liefern das Rohmaterial: atmosphärische Stücke, die sich langsam entwickeln, die sich Zeit nehmen und die nicht plump den einfachen Weg gehen - keine überraschenden Dissonanzen, keine Tempowechsel, keine Laut/Leise-Effekthascherei, kein Angeber-Solo-Quatsch. Weg mit dem Show-Glutamat! Und auch der Gesang fehlt - zumindest bei dieser Tour. Das ist für einen Künstler, der auch große Arena-Touren macht (wieder 2019) – mit Gastsängern, mehr Showeffekten und mehr Kirmes – fast minimalistisch. Aber das hat aber auch etwas für sich: Während die eher fließende Entwicklung der Stücke wie „Ultramarin“, „The Future III“ oder „Sehnsucht“ manche vielleicht langweilt, macht die Konzentration auf Feinheiten genau den Reiz der Klangwelten-Tour aus. Auch die Filmsequenzen auf der LED-Leinwand hinter den überwiegend im Dunkeln stehenden Musikern wollen keine große Geschichten erzählen: Ein Schwenk über ein majestätisches Bergpanorama. Und wenn von Deylen bei „Schwerelos“ mal über die Leinwand schwebt, ist das visuell schon das Höchste der Gefühle. Das in Kombinaton mit dem dosiert eingesetzten Rundumklang mag für die Schiller-Zuschauer in Teheran, bei den ersten Konzerten eines westlichen Popkünstlers seit 1979, spektakulär gewesen sein - für regelmäßige Konzertgänger in Deutschland ist es das aber nicht. Wer sich drauf einlässt, erlebt aber auch in der Europahalle ein besonderes Konzert. Und auch von Deylen ist ganz in seinem Element. Die Kommunikation mit dem Publikum beschränkt sich zwar auf ein Minimum, aber auch das passt zu Rahmen. Nur eine Bitte hat er: Das Fotografieren mit Blitz sollten die Zuschauer doch bitte bleiben lassen, das sei fast wie ein Atomkrieg. Dieses Bild muss man dann ja nicht in seinen Film einbauen.