Das Futur II Konjunktiv inszeniert für das Theater Trier die spartenübergerifende Uraufführung „Zertritt dir die Füße, nur Mut“.

Kultur : Zukunft gesucht, Bestimmung gefunden

Finanz-, Euro-, Flüchtlingskrise: Die Zeiten sind unsicher. Was passiert, wenn es doch mal knallt? Das Futur II Konjunktiv hat sich in seiner spartenübergreifenden Uraufführung „Zertritt dir die Füße, nur Mut“ mit Szenarien einer neuen Gesellschaftsordnung nach dem Zusammenbruch beschäftigt.

Vier Gestalten schleichen durch den Nebel. Bepackt mit dem, was sie haben retten können, und mit ihrer Vergangenheit. Auf der Suche nach einer besseren Welt. Denn ihre, Europa, liegt in Trümmern: Südfrankreich – nuklear verstrahlt. Maastricht – implodiert. Frankfurt – zerstört. Luxemburg – dem Erdboden gleichgemacht. Und mit den Städten die Finanzmärkte.

Matthias Naumann (Text) und Johannes Wenzel (Inszenierung) vom Futur II Konjunktiv haben den Finanzcrash 2008 weitergedreht – bis zum Ende, bis zur Apokalypse. Die Menschen sind auf der Flucht – die Uraufführung am Weltflüchtlingstag gibt zusätzliche Bedeutung.

Ganz im Westen, so haben die vier erfahren, soll es sie geben, die bessere Gesellschaft, den Ort des solidarischen Zusammenlebens. Selbstverwaltet, ohne Gewalt. Und so stapfen sie durch die apokalyptisch-utopische Welt. „Zertritt dir die Füße, nur Mut“ ist nicht nur der Titel der Uraufführung des Theaters Trier in der Tuchfabrik. Es ist sozusagen das Motto der Reise, miterlebt von rund 70 Besuchern.

Wen die Story etwas an die Serie „The Walking Dead“ erinnert, liegt nicht falsch.  Naumann und Wenzel zitieren in ihrer Geschichte aus verschiedenen Science-Fiktion-Dystopien, aus Romanen und Filmen. Da blitzt etwa auch „Game of Thrones“ oder „Valerian“ auf, aber auch der Klassiker „Star Trek“. Dabei haben sich die Macher auch Humorvolles einfallen lassen. Anders als in den Filmen wissen ihre Protagonisten genau, was ein Zombie oder Alien ist und wie man ihnen begegnet. Auch eine weitere archaische Figur, das Kind, ist nicht neu – es verkörpert die Zukunft.

Die Bilder, die Naumann  und Wenzel in ihrem Stück malen, wirken oft archaisch. Wenn etwa der Chor den Richter und den Schuldigen umkreist, hat das etwas von einem Tribunal. Und die schwarzen und farbigen Kinesio-Tapes auf der Haut der Protagonisten ähneln einer Kriegsbemalung. Ihre Kleidung mit Metallelementen dagegen ist eher futuristisch.

Spannung erhält die Produktion durch die spartenübergreifende Besetzung: Norman Stehr vom Musicalensemble, Luiza Braz Batista und Paul Hess vom Tanztheater – die sich als ausdrucksstarke Schauspieler entpuppen, Thea Rinderli (Schauspiel, Performance) sowie der Opernchor (Leitung: Angela Händel). Dieser wirkt besonders eindrucksvoll, wenn er als ein Mensch agiert. Beeindruckend auch, wie die klassischen Chorsänger die modernen Elektropop-Kompositionen von Friedrich Greiling interpretieren. Immer sehr präzise und gut verständlich. Die Melodien scheinen simpel, sind eingängig, und deshalb umso wirksamer in ihrer Kraft.

Die vier und das Kind begegnen auf ihrer Reise weiteren Suchenden, skizziert von Chorsängern, die sich ihnen anschließen – nicht ohne Misstrauen. Denn wer kann schon sicher sein in Zeiten des Untergangs? Und – ist eine Gruppe stärker oder schwächer als ein Individuum? Immer wieder liefern sich die Protagonisten Wortgefechte, werfen sich Gesellschaftstheorien, etwa von Thomas Hobbes (1588-1679), an den Kopf. Ein Haufen Stoff für den Zuhörer, die aber durch die lockere, teils humorvolle Art der Erzählung gut unterhalten werden. Lösungen bietet „Zertritt dir die Füße, nur Mut“ nicht, Naumann  und Wenzel spielen mit Denkmodellen, regen zu Diskussionen an über die Zukunft – auch ohne Apokalypse.

ZERTRITT DIR DIE FÜSSE, NUR MUT URAUFFÜHRUNG Schauspiel von Futur II Konjunktiv. Foto: TV/PHILIPP KIRSCH

Weitere Termine:  22., 27. Juni, jeweils 19.30 Uhr, 24. Juni, 18 Uhr; großet Saal der Tuchfabrik Trier. Karten: 14 Euro: Theaterkasse, Telefon 0651/718-1818.

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