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Das Kunstwerk der Woche: Manfred Freitag

Das Kunstwerk der Woche : Von der Freiheit des Ateliers

Künstler sind auf öffentliche Räume angewiesen, in denen sie ihre Werke zeigen. Was machen sie eigentlich während der Pandemie? In unserer Serie zeigen wir jede Woche das Werk eines Künstlers aus der Region. Diese Woche: Manfred Freitag

„Kunst ist für mich unverzichtbare Lebensqualität“, sagt Manfred Freitag. Versteht sich, dass er auf solche Qualität auch in Zeiten von Corona nicht verzichten will. Wenn es seine Gesundheit erlaubte, arbeitete der Trierer Maler und Grafiker auch während der Pandemie täglich in seinem Atelier. Wer den Künstler in diesen Tagen dort hinter der Pauluskirche besucht, tritt in eine Bilderwelt ein, die unverwechselbar die Handschrift ihres Meisters trägt. In ihr stellt sich die lange künstlerische Entwicklung des Ramboux Preisträgers der Stadt Trier dar. Man darf Manfred Freitag mit Fug und Recht einen Trierer Altmeister nennen. Ist doch der weißhaarige Künstler eine der prägnanten, vielfach ausgezeichneten Persönlichkeiten der städtischen Kunstszene. Mit Preisen wurde er schon früh bedacht. Vor dem Ramboux Preis 2006 erhielt er bereits 1978 den Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz und 2004 den Kaiser-Lothar-Preis der Stadt Prüm, der europäisches Denken und Handeln würdigt. Auch wenn der 1934 in Berlin geborene Künstler fast ein ganzes Leben mit Trier verbunden ist, wo er in den 50er Jahren an der Werkkunstschule ausgebildet wurde, so ist er doch stets ein europäischer Grenzgänger geblieben. Was nicht zuletzt seine Ausstellungsbiografie wie seine Bildsprache belegen. Das Werk des Künstlers ist der klassischen französischen Moderne und der Ecole de Paris verpflichtet. Gleichwohl hat Freitag seine ganz eigene künstlerische Sprache gefunden. Selbstbestimmtheit und künstlerische Freiheit sind dem Maler, der seit 1960 als freier Künstler arbeitet, bis heute unbedingte Voraussetzung seines Schaffens. Dennoch weiß er: „Es ist ein Privileg, als freier Künstler tätig zu sein“. Mehr denn je wurde für den Maler angesichts der Beschränkungen der Pandemie das Atelier zum Freiraum, der zumindest der künstlerischen Vorstellungswelt und ihren Vibrationen keine Grenzen setzte. Angesichts der pandemisch abgeschotteten Außenwelt richtete sich der Blick umso mehr nach innen. Was als Bestand und abgeschlossenes Bild vollendet schien, wurde für den Maler zur neuen Herausforderung. Der Künstler begann, die eigene Werksgeschichte neu zu lesen und zum Teil umzuschreiben. Fertige Bilder wurden neu gesehen und übermalt. Dabei entstand eine Reihe reizvoller Übermalungen von Siebdrucken. Allerdings schuf der Künstler auch Neues. Darunter farbmächtige Assemblagen, mit den für Freitag typischen alltäglichen Fundstücken. „Jedes Kunstwerk entsteht aus einer spezifischen Situation“, resümiert der Künstler.

Kontakt zum Künstler unter Telefon 0651/99 19 05 52

Eva-Maria Reuther