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Kultur
Von Kapstadt bis Konz: Der Klang der Welt

Nachts im Dom werden die südafrikanischen Sängerinnen und Sänger des Cape Town Opera Chorus zu hören sein. Sie stellen alte und moderne Musik aus Europa und Afrika gegenüber.
Nachts im Dom werden die südafrikanischen Sängerinnen und Sänger des Cape Town Opera Chorus zu hören sein. Sie stellen alte und moderne Musik aus Europa und Afrika gegenüber. FOTO: Künstler
Trier. Das Mosel Musikfestival 2019 begibt sich auf Wanderschaft und holt viele Kulturen ins Land.

Nichts weniger als eine musikalische Reise von der Seidenstraße bis nach Saarburg, von Kapstadt bis nach Konz, von Los Angeles bis Leiwen, von Armenien bis nach Zeltingen-Rachtig verspricht Tobias Scharfenberger im zweiten Jahr seiner Intendanz dem Publikum beim Mosel Musikfestival 2019. Hintergrund dieser klingenden Globalität ist die Heimat, sozusagen die andere Seite einer Münze, mit der man sich die Vielfalt der Kultur erkaufen kann. Damit lehnt sich das MMF mottomäßig an den rheinland-pfälzischen Kultursommer an, der sich den „Heimaten“ widmet – ganz so, als ob der Mensch mehrere haben könnte, wenn er schon mit einer so seine Probleme hat, wie etwa Friedrich Schiller. „Deutschland. Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden“, zitiert Scharfenberger den Klassiker.

Bei der Suche könnte das Eröffnungskonzert am 13. Juli in St. Maximin helfen: Da singt der Knabenchor Hannover deutsche Volkslieder, die dank der begleitenden Canadian Brass gleich wieder etwas Weltläufiges bekommen. Mit dem deutschen Liedgut will sich auch Markus Burger beschäftigen. Der aus Wittlich stammende und in Kalifornien lebende und am Fullerton College lehrende Pianist wird sich am 10. August in der Wallfahrtskirche Klausen mit dem Saxofonisten Jan von Klewitz und dem Athos Ensemble „Folk Standards“ präsentieren und unter anderem „Kein schöner Land“ zum Swingen bringen.

An den übrigen Tagen, Abenden und Aufführungsorten geht es dann allerdings sehr international und bisweilen recht exotisch zu. Neue Musik von beiden Seiten der eingangs erwähnten Seidenstraße  gibt es am 11. August im Kloster Machern, in dessen Wänden bisher weder Pipa, Sato, Qanun, Duclar und Doira zu hören gewesen sein dürften. So heißen nicht etwa die Künstler, sondern die Musikinstrumente, mit denen sie „westliche und östliche Traditionen stilübergreifend zusammenbringen“, wie es das Programmheft verspricht – sozusagen ein Diwan, eben musikalisch. Alte armenische Musik, verwoben mit modernen Klängen, präsentiert das Nagash Ensemble – drei Sängerinnen und vier Instrumentalisten, deren Repertoire zwischen mittelalterlich und minimalistisch changiert (ebenfalls Kloster Machern, 23. August).

Zweimal, auch das eine Neuerung beim MMF, steigt der Intendant, nebenbei auch noch Bariton, selbst in den Ring: am 18. Juli gemeinsam mit der Sopranistin Carolina Ullrich und dem Pianisten Marcelo Amaral, die Hugo Wolfs „Italienisches Liederbuch“ aufschlagen (Kloster Machern), und einmal als Rezitator bei „Jazz und Lesung im Rebenhof“ mit der Sängerin Amanda Kapsch und dem Pianisten Igor Zavatckii (3. August, Ürzig, 19 Uhr).

Er sei öfters gefragt worden, wo denn die großen Stars bei diesem Festival blieben. „Es gibt große Stars, von denen wir hier noch nichts wissen“, habe Scharfenbergers Antwort gelautet, „und es wird richtig spannend sein, die für uns zu entdecken.“ Einer dieser spannenden Abende für das Publikum dürfte dann der 18. August im Innenhof des Kurfürstlichen Palais werden: Da rappen, swingen und grooven „Goldmeister und die Ragtime Bandits“. Die 2016 von Chris Dunker und Philipp Ohleyer gegründete Band bietet alte Jazztitel in Rap-Manier, und das so fulminant, dass bereits im Kasino unter den Tischen viele Füße zu wippen begannen. Was Tobias Scharfenberger zu der Bemerkung veranlasste, man müsse sich überlegen, bei dieser Vorstellung auch einen ausreichend großen Platz zum Tanzen zu schaffen. Ganz ehrlich: Das wäre eine ausgezeichnete Idee.