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Das Rauchen im Film soll weniger werden, laut Frankreichs Gesundheitsministerin.

Film : Frankreichs Kino soll Rauch ablassen

Die Zigarette gehört zum französischen Film wie der Rotwein zum Essen. Doch dies könnte bald vorbei sein.

Romy Schneider und Alain Delon liegen am Rand des Schwimmbeckens. Er zieht genüsslich an seiner Zigarette, sie schaut verliebt auf ihn herab. Die Szene aus dem Film „Der Swimmingpool“ ist Kult. Ebenso wie die von Michel Piccoli am Steuer seines Alfa Romeo, eine Gitane im Mund, in „Die Dinge des Lebens“. Oder Jean-Paul Belmondo, der in „Außer Atem“ mit einer „Clope“ zwischen den Zähnen nuschelt: „Ich habe die Schnauze voll“. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Nicht nur in den alten Filmen, sondern auch in aktuellen Produktionen wird in Frankreich geraucht. Eine Art Kulturerbe, an dem Gesundheitsministerin Agnes Buzyn nun rüttelt. „Ich verstehe die Bedeutung der Zigarette im französischen Kino nicht“, sagte die Ärztin. Sie reagierte damit auf den Vorstoß einer Senatorin, die vergangene Woche die „kulturellen Anreize zu rauchen“ kritisiert hatte. „Ich denke zum Beispiel an das Kino, das diese Praxis aufwertet“, bemerkte die Sozialistin Nadine Grelet-Certenais.

Buzyn nahm die Kritik auf und kündigte an: „Ich will, dass wir hier hart durchgreifen. Es wird Maßnahmen in diese Richtung geben.“ Die frühere Leiterin des nationalen Krebsforschungsinstituts hatte im Land der legendären Gauloise allerdings nicht mit dem Protest gerechnet, der daraufhin losbrach. Vor allem die Regisseure wiesen darauf hin, dass sie in ihren Filmen nur die Wirklichkeit abbilden. „Im Leben gibt es Leute, die rauchen und wir versuchen, realistische Filme zu machen. Die Realität zu leugnen hilft nicht weiter“, sagte Eric Toledano, der Regisseur des Kinohits „Ziemlich beste Freunde“, der Zeitung Le Parisien.

Tatsache ist, dass in Frankreich nach wie vor viel geraucht wird. 34 Prozent der Franzosen waren laut einer 2014 veröffentlichten Statistik des Gesundheitsministeriums „fumeurs“. Bei den 16- bis 25-Jährigen sind es sogar rund 40 Prozent. 73 000 Menschen sterben jedes Jahr durch Tabakkonsum. Und das, obwohl die Regierungen in den vergangenen Jahren drastische Maßnahmen ergriffen haben. So führte Frankreich als erstes EU-Land die „neutrale“ Zigarettenpackung ohne Werbebilder ein. Seit 2008 gilt ein Rauchverbot im öffentlichen Raum, zu dem Schulen und Universitäten ebenso gehören wie Restaurants und Bars – was die Raucher aber nicht daran hindert, auf der Terrasse zahlreich ihrem Laster nachzugehen. Parallel zu den Verboten steigt der Preis für die Zigarettenpackung immer weiter und soll im kommenden Jahr bei zehn Euro liegen.

Im Kino verbietet das Evin-Gesetz seit 1991 die Werbung für Tabak und Alkohol, was allerdings zu grotesken Maßnahmen führte. So musste die Zigarette auf einem Foto von Alain Delon aus dem Jahr 1966 verschwinden, mit dem Dior Werbung für sein Parfum Eau Sauvage machte. Die Pariser Verkehrsbetriebe weigerten sich, ein Kinoplakat für den Film „Coco Chanel“ aufzuhängen, das Audrey Tautou mit Zigarette im Mund zeigt. Und auch die Pfeife im Mund von Monsieur Hulot, der Hauptfigur von Jacques Tatis Kultfilm, musste weichen. Auf 2000 Plakaten, die für eine Tati-Ausstellung in den Gängen der Metro warben, wurde die Pfeife 2009 zu einem gelben Windrädchen umretuschiert.

Zwei Jahre später bekam Monsieur Hulot seine Pfeife allerdings wieder zurück. Denn die gehöre - ebenso wie die Zigarette von Philosoph Jean-Paul Sartre – zum Kulturerbe, befand die Regierung. Für die meisten anderen Raucherszenen auf französischen Leinwänden gilt das allerdings nicht: immerhin 70 Prozent der französischen Filme zeigen den Glimmstängel. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos bemerkt: „Das französische Kino hat die Tendenz, die Handlung des Rauchens zu banalisieren.“ Doch für ihre Vorstoß erntet Buzyn viel Spott. „Müssen wir nun einen James Bond erwarten, der Karottensaft trinkt und eine E-Zigarette im englischen Mundwinkel hat?“ fragte das Onlineportal Slate ironisch. Die Gesundheitsministerin selbst ruderte angesichts der Empörung, die ihre Äußerung ausgelöst hatte, inzwischen zurück. „Ich habe nicht angestrebt, die Zigarette im Film oder einem anderen künstlerischen Produkt zu verbieten. Dieser Streit ist überflüssig“, twitterte sie am Dienstag. Viel Rauch um nichts also? Aus Buzyns Umfeld verlautet, dass die Zigarette auf Frankreichs Leinwänden künftig weniger häufig zu sehen sein soll. Dann eben ohne Verbot.