Unterm Strich Die Kulturwoche: Den Bauern eine Frau, den Stummen eine Stimme

Unterm Strich Die Kulturwoche : Den Bauern eine Frau, den Stummen eine Stimme

Während alle Welt – oder zumindest deren wichtigste Gegenden, die an Rhein und Mosel geschmiegt sind – sich mehr oder weniger volltrunken karnevalistischen Exzessen hingibt, als gäbe es kein Morgen (und wie schrecklich dürfte der für manchen Teilnehmer beginnen!

), soll an dieser Stelle das Gegenprogramm abgespult werden: Kultur, wie sie seriöser nicht auftreten kann. Dazu gehört zum Beispiel das Knüpfen zarter Bande, bei dem sich der Fernsehsender RTL unschätzbare Verdienste für den Fortbestand der Menschheit erworben hat. Betrachten wir als eines von vielen Beispielen das feinsinnig gesponnene Konzept von „Bauer sucht Frau“ näher. Hat sich die Sendung bislang auf das Glück einheimischer Landwirte und –wirtinnen beschränkt, so reißt der Sender nun sämtliche Grenzmauern ein und verkuppelt auch auswärts. Zugegeben: Auch in früheren Ausgaben der „Bauer sucht Frau“-Reihe waren Landwirte aus dem Ausland auf Frauensuche. In der 14. Staffel, die Anfang Dezember vergangenen Jahres zu Ende ging, lebten einige der zwölf ledigen Landwirte etwa in Österreich, Kanada, Namibia und auf den grenzenlosen Weideländern Luxemburgs. Doch die neue Staffel unterstreicht bereits im Titel den Anspruch auf Globalität: „Bauer sucht Frau International“ lautet der und lässt damit viel Raum für Deutungsmöglichkeiten. Sucht der Bauer etwa eine Frau mit dem Nachnamen „International“, oder ist das „International“ als Adverb zu verstehen (warum dann mit großem Anfangsbuchstaben?)? Wie dem auch sei: Mit Kandidaten unter anderem aus Chile, Australien und Südafrika macht der Privatsender am Sonntag, 3. März, um 19.05 Uhr den Auftakt. Zunächst steht die Bewerbungssendung an, in der sich die Teilnehmer vorstellen. Nach der Vorstellungsrunde am Sonntag können sich interessierte Frauen bewerben. „Da die Bauern weltweit verstreut sind, geht es für die Frauen, die zuvor von den Herren ausgewählt wurden, zum Kennenlernen direkt auf die jeweilige Farm“, hieß es weiter. Hey, Mädels, das ist doch eure Chance, mal was von der Welt zu sehen: zum Beispiel Chile, Australien oder Südafrika. Und so billig kommt ihr nie mehr auf einen anderen Kontinent. Einfach ein bisschen Liebe vorgaukeln – das dürfte ja wohl nicht so schwer sein! – und schon habt ihr ein Flugticket in der Hand. Aber erst mal checken, ob es ein Retourticket ist, ehe ihr die Koffer packt!

Was Rembrandt wohl zu seinen Bildern sagen könnte? Forscher haben seine Stimme rekonstruiert. Foto: dpa/Peter Dejong

Von Rembrandt sind zwar viele Bilder, aber bedauerlicherweise keine Tonaufnahmen überliefert, nicht einmal eine zerkratzte Schellackplatte. Kein Problem für Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Die haben anhand der vorhandenen Selbstporträts die Stimme des Meisters zu rekonstruieren versucht. Da es möglich sei, von einer Stimme Rückschlüsse auf das Äußere der sprechenden Person zu ziehen, habe man versucht, das Aussehen zur Grundlage für eine Rekonstruktion der Stimme zu benutzen. Man habe die Anatomie seines Kopfes digital nachbilden können, aber auch seine Lungenkapazität abschätzen können. „Jemand, der ihn kannte, wäre vermutlich von der Stimme sehr berührt“, so die Wissenschaftlerin Rita Singh. Was man vom Rembrandt-Experten Jonathan Bikker nicht behaupten kann. Der fand Rembrandts Stimme „etwas hochmütig und mürrisch“. Da der Maler in den Videos das Niederländisch des 17. Jahrhunderts spricht, wurde seine Stimme mit Untertiteln versehen. Kleine Bitte an die Wissenschaftler: Lasst doch auch mal die Mona Lisa zu Wort kommen; vielleicht erhält die Nachwelt dann eine Erklärung für ihr permanentes Grinsen. Oder eine von den zahlreichen Frauenporträts des genialen Picasso. Deren Sätze dürften allerdings eher abstrakt klingen.
No/dpa

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