| 16:23 Uhr

Vorschau
Der moderne Romantiker

 Ausnahmepianist Brad Mehldau ist Resident Artist in der Philharmonie Luxemburg.
Ausnahmepianist Brad Mehldau ist Resident Artist in der Philharmonie Luxemburg. FOTO: Michael Wilson
Luxemburg. Jenseits von Stil- und Gattungsgrenzen: Brad Mehldau spielt im März zweimal in der Philharmonie. Von Martin Möller

Seine Heimat ist der Jazz. Brad Mehldau studierte an der New Yorker „New School for Jazz & Contemporary Music“. Seine erste Europa-Tournee erlebte er 1994 mit Christian McBride, Brian Blade und Joshua Redman im „Joshua Redman Quartet“ Und das „Brad Mehldau Trio“, das er mit Larry Grenadier (b) und Jorge Rossy (dr) 1995 gründete, ist zumindest in seiner Besetzung ganz dem Jazz verpflichtet.

Aber Brad Mehldau hat seither eine eindrucksvolle künstlerische Entwicklung durchlaufen. Dass die Luxemburger Philharmonie ihn für die laufende Saison zum „Artist in Residence“ ernannte spricht für sich. Mehldau, der unter anderem 2002 ein Album mit dem postmodernen Titel „Anything goes“ (Paul Feyerabend) veröffentlichte, überschreitet mittlerweile alle Stilgrenzen. Auf der CD „Love sublime“, ist er zugleich Komponist und Klavier-Begleiter von Sopranistin Renée Fleming. Im Titel klingt John Coltranes „Love Supreme“ an. Aber Mehldau ist ganz anders. Seine Musik auf dieser CD ist eine erstaunliche Kreuzung aus Schumann und Alban Berg – komplex in der Harmonik, die gelegentlich die Atonalität streift, im Klaviersatz teils romantisch füllig, teils auch bewusst karg und introvertiert. Eine Musik, schwerlich geeignet fürs Mitwippen, und ganz gewiss ein Fall von Nachdenklichkeit.

Im März 2019 ist Mehldau in der Philharmonie gleich zweimal präsent – beide Male in Personalunion als Pianist und als Komponist. Er begleitet Tenor Ian Bostridge bei Schumanns „Dichterliebe“, einem Herzstück romantischer Liedkunst (5. März). Und beide Künstler werden danach Mehldaus aktuelle Liedkomposition vorstellen. „Folly of Desire“ (Die Narrheit des Begehrens) heißt der kürzlich uraufgeführte Zyklus unter anderem nach Gedichten von Shakespeare, Brecht und Yeats (5. März). Etwas größer im Format fällt das Konzert des Orchestre Philharmonique (OPL) in der „Aventure“-Reihe aus (22. März, 19 Uhr). Mehldau als Solist und das Hausorchester der Philharmonie unter Clark Rundell präsentieren als Uraufführung ein Klavierkonzert des Universalmusikers – komponiert im Auftrag der Philharmonie.

Das sind zwei Akzente im März-Programm der Philharmonie – aber längst nicht die einzigen. Katia und Marielle Lebèque spielen mit dem OPL unter Gustavo Gimeno Poulencs selten aufgeführtes Konzert für zwei Klaviere (8. März). Mitsuko Uchida kommt zum dritten Mal mit Schubert-Klaviersonaten auf den Kirchberg (11. März). Organistin Iveta Apkalna und das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons haben Poulencs Orgelkonzert, vor allem aber die „Orgelsinfonie“ von Saint-Saens im Gepäck (21. März). Ivan Fischer und das Budapest Festival Orchester werden dem Einakter „Herzog Blaubarts Burg“ zweifellos einen authentisch ungarischen Tonfall mitgeben (28. März). Tags darauf (29. März) konzentrieren sich das OPL unter Bernard Labadie und Solist Jean-Guihen Queyras konsequent auf Klassik. Sie haben Haydn und Mozart im Programm, und eine Sinfonie von Henry-Joseph Rigel (1741-1799). Der wurde in Deutschland geboren, starb in Frankreich und war ein Komponist der französischen Revolution. Pianist Martin Stadtfeld spielt am 18. März mit den Solistes Européens unter Christoph König Beethovens Violinkonzert in dessen eigenhändiger Fassung für Klavier (op. 61a). Das Orchestre de Chambre unter Roland Kluttig und das Percussionist- Duo „Kraus Frink“ haben eine Auftragskomposition des Luxemburgers Claude Lenners als Uraufführung im Programm (10. März, 17 Uhr). Der Titel: „Silent Blue for 2 Percussionists and Chamber Orchestra“. Schließlich werden auch die Freunde kleinster Besetzungen bedacht. Bei den „rising stars“ erscheinen Peter Moore und Jonathan Ware mit der ungewöhnlichen Kombination Posaune/Klavier (12. März). Das angesehene Quatour Ebène bringt Beethoven und Brahms mit in den Kammermusiksaal (18. März). Und das „Trio Catch“, das mit der ungewöhnlichen Besetzung Klarinette-Cello-Klavier bereits 2015 bei den „rising stars“ auftrat, hat auch dieses Mal reizvolle Moderne im Programm (15. März). „Auch dabei wird das Ensemble das Publikum zu fesseln wissen“, verspricht der Monatsflyer der Philharmonie.

Anfangszeit wenn nicht anders angegeben: 20 Uhr. Karten (00352) 2632 2632. wwwphilharmonie.lu