Der neue Theater-Spielplan in Trier

Theater : Die neue Spielzeit folgt dem Erfolgsrezept

Viele Klassiker, viel Beliebtes und manches Überraschungsbonbon: Das plant das Trierer Theater für die kommende Saison.

Im April 2018 hatten die Journalisten im Rampenlicht mitten auf der großen Theaterbühne Platz genommen. Gespannt auf all das Neue, was da mit Intendant Manfred Langner auf Trier zukommen sollte, wippten sie mit den Füßen, während vier Schauspieler zum Auftakt der Spielplanpräsentation schwungvoll sangen: „Es geht besser, besser, immer besser.“

Ein Jahr später nehmen die Journalisten auf der kleineren Bühne der neuen Theaterspielstätte in der Europäischen Kunstakademie Platz. Und Tatsache: Es geht besser. Viel besser. Langner hatte den Auftrag und das Ziel, das Theater nach krisengeschüttelten Jahren zu konsolidieren. Und den persönlichen Wunsch, es zum „Forum der modernen Stadtgesellschaft zu machen“. Zu einem Theater für alle, an dem die Menschen wieder Freude haben.

Und dieser Neustart ist ihm geglückt. Das finden Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) und Kulturdezernent Thomas Schmitt (CDU). Das zeigen aber auch die rund 90 000 Karten, die aktuell bereits verkauft wurden – ebenso wie die hohe Gesamtauslastung von rund 80 Prozent.

Für die laufende Spielzeit hatte Langner auf einen ebenso risikoarmen wie abwechslungsreichen und internationalen Mix aus Klassikern und Zeitgenössischem, aus großen Namen, bekannten Stücken, aus Turbulentem und Nachdenklichem gesetzt. Für die Spielzeit 2019/2020 bleibt er genau dieser Linie treu.

Wer nach Experimentellem verlangt oder provoziert werden möchte, der muss wohl woanders danach suchen. Wer hingegen in großen Stoffen schwelgen, vielfältig unterhalten, nachdenklich gemacht und an mancher Stelle auch überrascht werden will, der dürfte in Trier fündig werden.

Und dabei auf manches bekannte Gesicht treffen. Insbesondere beim Konzertprogramm: Vasiliki Roussi, die in der laufenden Spielzeit als „Piaf“ gefeiert wird und für ausverkaufte Reihen sorgt, kehrt am 4. Juni zu einem „Mixed Zone“-Konzert zurück nach Trier – mit den Hits des „Spatzes“, aber auch Highlights aus dem Musicalrepertoire. Auch die Fans der ehemaligen Trierer Generalmusikdirektoren Victor Puhl und István Dénes können sich auf ein Wiedersehen freuen. Puhl dirigiert das erste „Mixed Zone“-Konzert. „Er war sofort begeistert“, sagt Puhls Nachfolger Jochem ­Hochstenbach. Zwar habe er die ehemalige Weltmusikreihe umbenannt, irgendwo bleibe sie aber doch Puhls Baby. Dénes dirigiert das siebte Sinfoniekonzert. Die etablierten Konzertreihen bleiben alle erhalten (siehe Extra).  Dennoch bietet die Saison etwas Außergewöhnliches – nämlich die Gelegenheit, den 100. Geburtstag des Philharmonischen Orchesters zu feiern: und zwar mit vier Konzerten in einer Festwoche vom 20. bis 27. Oktober.

Das Musiktheater bietet laut Operndirektor Jean-Claude Berutti „fünf Premieren, aber sieben Meisterwerke“ – sind bei „Verrückt vor Liebe“ doch gleich zwei Opern und eine Kantate  an einem Abend zu hören: „Pygmalion“, „Phädra Op. 93“ und „Meister Pedros Puppenspiel“. Ein Abend, der Liebe und Leidenschaft aus drei Perspektiven beleuchtet. Neben dieser überraschenden Zusammenstellung kurzer, weniger bekannter Werke setzt Berutti ganz auf die Zugkraft der Großen: Puccini, Mozart, Strauss und Offenbach.

Ballett-Chef Roberto Scafati verspricht neue berührende Tanzerlebnisse. Und es werden in seiner Sparte auch viele neue Gesichter zu sehen sein – verlässt etwa die Hälfte des Ensembles Trier doch nach der Saison. Laut Theatersprecher Christoph Traxel haben viele junge Ensemblemitglieder Angebote von anderen Häusern bekommen. Auch in der kommenden Spielzeit wird Scafati mit „Carmen“ & „Bolero“ Klassiker neu interpretieren – diesmal an einem Ballett-­Doppelabend. Für „Rituale“ konnte er den bekannten Choreographen Mauro Astolfi gewinnen. Neu hinzu kommt die Reihe „Junge Choreografen“, die Nachwuchstalenten eine Spielwiese bietet: in „The Door“ rund um die Tür als Sinnbild für eine Schwelle zwischen zwei Welten. „Dornröschen“, „Zorbas“ und „Die Reise in die Hoffnung“ werden wieder aufgenommen.

Schauspielfans können sich auf ein buntes, anspruchsvolles Programm freuen, das an manchen aktuellen Erfolg nahtlos anknüpft, aber auch ganz Neues bietet: So geht Langner in der Uraufführung „Ein Tanz auf dem Vulkan“ der Frage nach, wie golden und wild die 20er Jahre in Trier wirklich waren. Er wirft einen Blick auf das rauschende Fest vor dem Abgrund der Diktatur und dabei auch die Frage auf, wie nahe wir diesem Tanz auf dem Vulkan mit den kommenden 20er Jahren wieder sind. In deutscher Erstaufführung wird das Stück „Intra Muros“ des französischen Shootingstars Alexis Michalik zu sehen sein: Ein gealterter Schauspieler gibt im Hochsicherheitsgefängnis einen Theaterworkshop, der für alle Beteiligten zur biografischen Reise wird.  Nachdenklich dürfte auch das von Langner inszenierte Schauspiel „Blackbird“ stimmen: Jahre, nachdem sie missbraucht wurde, stellt Una den Täter zur Rede – und ganz unterschiedliche Wahrheiten prallen aufeinander. In der neuen Komödie „Extrawurst“ der Stromberg-Drehbuchautoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob streitet ein Tennisverein über die Frage, ob man für das Halal-Fleisch des einzigen Türken einen eigenen Grill anschaffen sollte.

Neben diesen Überraschungsbonbons gibt es einige Stücke, deren Erfolg schon jetzt garantiert zu sein scheint: Wer „Piaf“ mochte, dürfte auch mit „Marlene“ (Dietrich) froh werden –  beide von Autorin Pam Gems. Auch sind die Trierer Publikumslieblinge Barbara Ullmann und Klaus-Michael Nix in spannenden Rollen zu sehen. In „Souvenir“ spiele „eine der besten Schauspielerinnen“ (Ullmann) eine der schlechtesten Sängerinnen, sagt Langner. Und zwar die reiche Florence Forster Jenkins, die im New York der 40er Jahre berühmt wurde – obwohl sie kaum einen Ton traf.

Nix hingegen spielt in „Rain Man“, das laut Langner als Theaterstück noch besser ist als der Oscar-prämierte Film, den Autisten Raymond. „Eine tolle und schwierige Rolle“, sagt der Intendant. Musical der Saison wird „Oliver“ nach „Oliver Twist“. Auch im Schauspiel werden einige Stücke wieder aufgenommen: „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“, „Amore, Amore, Amore“, „Das kunstseidene Mädchen“ und „Monsieuer Ibrahim et les fleurs du Coran“.

Kindermärchen wird „Aladin und die Wunderlampe“, erneut inszeniert von Langners Tochter Kim und Axel Weidemann, deren „Zauberer von Oz“ rund 20 000 Besucher begeisterte. „Le petit prince“ wird auf Französisch gezeigt, und weil Langner sich maßlos über den wiederaufflammenden Antisemitismus ärgert, hat er das Stück „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ in den Jugend-Spielplan aufgenommen.

Im Bürgertheater gibt es einige Neuerungen. Statt Marc-Bernhard Gleißner übernehmen Theaterpädagogin Nina Dudek und Stephan Vanecek die Leitung. Die „Horrornacht“ wird es nicht mehr geben. Stattdessen können Jugendliche ab 14 an einem „Woyzeck“-Projekt mitwirken, während ältere „Mutbürger“ sich bei „Romeo und Julia im Altersheim“ mit der Frage auseinandersetzen können, warum „Sex im Alter“ ein Tabuthema ist.

Spielorte sind neben dem Großen Haus das Studio, die Europahalle, St. Maximin und die neue Bühne in der Kunstakademie. Shakespeare wird unter freiem Himmel zu sehen sein.

Das Ballett der Compania Antonio Gades probt am Dienstag (17.2.98) für die am Abend stattfindende Gala-Aufführung von George Bizets „Carmen“ im Berliner Schiller-Theater. Die Spreemetropole ist die einzige Station des Deutschland-Gastspiels des neuen spanischen Ensembles, das bis zum 1.3.98 allabendlich in der Hauptstadt auftreten wird. dpa |. Foto: dpa
ARCHIV - Dustin Hoffman als Autist (l) und Tom Cruise (r) als sein Bruder in einer Szene des Films „Rain Man“ (1988). Zu seinem 50. Geburtstag kann Tom Cruise auf eine satte Erfolgsbilanz zurückblicken. Seit Karrierebeginn lockte der Hollywood-Star mehr als 50 Millionen Besucher in die deutschen Kinos. Der größte Kassenschlager ist aber schon ein halbes Leben alt. «Rain Man» lockte mehr als sechs Millionen Besucher in die deutschen Kinos. Der Film, in dem Cruise als Filmfigur Raymond mit seinen autistischen Bruder (Dustin Hoffmann) durch die USA reist, war auch bei den Kritikern ein voller Erfolg und wurde mit vier Oscars ausgezeichnet. Foto: United Artists (zu dpa-Meldung vom 03.07.2012)  +++(c) dpa - Bildfunk+++ |. Foto: dpa
Tigran Martirossian als Don Bartolo und Katja Pieweck als Marcellina stehen am 11.11.2015 in der Staatsoper in Hamburg bei einer Fotoprobe zu der Oper „Le Nozze di Figaro (Figaro‘s Hochzeit) auf der Bühne.  Die Oper von Wolfgang Amadeus Mozart hatte am 15. November Premiere. Foto: Christian Charisius/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit. Foto: dpa

Stärker als derzeit wird das Haus auf Kooperationen mit anderen ­Theatern setzen. Auch bei den Abos sind Neuerungen geplant: Wer nicht alleine ins Theater möchte, kann sich künftig zum Blind Date verabreden, bei dem der Sitznachbar per Auslosung zugeteilt wird.

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