Der Trierer Friedrich-Spee-Chor beeindruckt mit einem meditativen Konzert.

Musik : Musik, die nicht gefallen will, aber tief beeindruckt

Der Trierer Friedrich-Spee-Chor bestreitet am Karfreitag ein meditatives Konzert, das die Zuhörer zutiefst berührt.

Spiritualität lässt sich nicht nur im Gebet finden, sondern auch im Gesang. Diese Einsicht lebt der Trierer Spee-Chor seit Jahren, und tiefere religiöse, aber auch intellektuelle Spiritualität, als beim Karfreitagskonzert in der Jesuitenkirche, lässt sich kaum erfahren. Die Zuschauerbänke sind mit über 200 Besuchern prall gefüllt, der Altarraum ist mit Spots und blauen Strahlern ausgeleuchtet, zur Todesstunde Christi am späten Abend herrscht tiefe Andacht im Kirchenschiff.

Die Karwoche geht zu Ende, die Zeit der Klage Jesu, der am Kreuz sterben wird. Ausdrücklich ist es – so vermerkt es das Programm zu Recht – jedoch keine Anschuldigung beziehungsweise Anklage, die da zu hören ist, sondern eine Klage, die nach Erlösung durch die Liebe strebt.

Der Chor strahlt voller Innigkeit, das kurz zuvor noch einmal geänderte Programm stellt den Gegensatz und das Verbindende von Renaissance und heutiger Musik in den Mittelpunkt und den Chor vor große Herausforderungen. Ein zusätzlicher, emotionaler Faktor ist der kürzliche Tod des Spiritus Rector der Karfreitagskonzerte des Spee-Chores, Dr. Engelbert Felten, diese Trauer und die Klage über sein Fehlen klingt deutlich und authentisch durch.

Drei Werke des spanischen Priesters und Komponisten Tomás Luis de Victoria (1548-1611) kontrastieren mit den drei Liedern des mittlerweile 82-jährigen, amerikanischen Avantgardisten Philip Glass (Texte von Leonard Cohen, Raymond Lévesque und Ocatviao Paz). Das ist Musik, die nicht gefallen will, sondern berühren, beide Komponisten stellen höchste Ansprüche an die Ausführenden, der Spee-Chor meistert das großartig. Wenn der Chorleiter zwischendurch einmal abschlagen muss, unterbricht, um den Laden zusammenzuhalten, zeugt das von der Ergriffenheit des Chores, aber auch von Jan Wilkes Qualitätsanspruch und Souveränität, das tut der starken Gesamtleistung keinen Abbruch.

Zwischendurch gibt es „again“ von David Lang (*1957), meditative Wiederholungen, das nimmt die Spannung etwas heraus. Zum Auftakt William Byrds (1543-1623) „Ave verum corpus“, und den krönenden Abschluss macht der kontemplative Schlusschor der Matthäus-Passion.  Zwischen den Stücken betritt Pastoralreferentin Christiane Friedrich die Szenerie, eindringlich  sorgt sie für die theologische Einordnung, die Texte – von ihr und dem verstorbenen Felten verfasst – machen nachdenklich. Nur langsam rappeln sich die beeindruckten Zuhörer aus ihrer tiefen Andacht hervor und spenden langanhaltenden, großen und verdienten Beifall.

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