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Theatergeschichte(n)
Des Maestros neue Schuhe

Victor Puhl versteigert nach seinem letzten Konzert als Generalmusikdirektor in Trier seine Schuhe.
Victor Puhl versteigert nach seinem letzten Konzert als Generalmusikdirektor in Trier seine Schuhe. FOTO: Dirk Tenbrock
Wie das letzte Weltmusik-Konzert des Trierer Orchesterchefs mit einer Versteigerung zugunsten der Lebenshilfe endete.

Als am Donnerstagabend der tosende Beifall – nach zwei triumphalen Jacques-Brel-Konzerten des deutsch-französischen Schauspielers und Chansonniers Dominique Horwitz – verklungen war, widmeten sich Generalmusikdirektor (GMD) Victor Puhl und sein Gaststar einer guten Sache.

Seit Puhl vor über zehn Jahren die Reihe „Weltmusik“ ins Leben gerufen und zum Publikumsrenner gemacht hatte, war – neben der extraordinären Musik – vor allem eine Frage für den Boulevard und das Publikum interessant: „Was für Schuhe trägt er denn heute wieder?“ Puhl hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, zu jedem Konzert, als Kontrast zum formellen schwarzen Anzug, ein neues Paar Schuhe in einem extravaganten Muster und/oder einer besonderen  Farbe zu tragen und hatte damit stets zur Erheiterung der Zuschauer beigetragen. Immer wieder musste er dann nach den Konzerten die Fragen der Herren und Damen beantworten, wie und wo er die auffälligen Treter ausgesucht hatte. So entstand relativ spontan die Idee, diese (fast) neuen Schuhe zugunsten eines guten Zweckes zu versteigern.

Gesagt, getan; Horwitz greift zum Mikrofon, präsentiert die Idee und fünf Paar Schuhe in einem Korb, und los geht es. 20 Euro sind das Mindestgebot, das erstaunlicherweise immer ein junger Herr in der ersten Reihe abgibt, wofür er den Dank und reichlich Spott („Zu mehr reicht es wohl nicht?“) des blendend aufgelegten Horwitz erntet. Zunächst bieten vor allem die Damen im Publikum, was der Auktionator zum Anlass nimmt, die Herren zu ein bisschen mehr Mut aufzufordern. Zu jedem Schuh gibt es ein Programm des Originalkonzertes und eine Interpretation von Horwitz: Ein crème-dunkelgrau-geschecktes Paar verleitet ihn gar zu der Behauptung, das seien die Schuhe eines Mannes, der gern Liebe mache. Woraufhin eine junge Dame  flugs 100 Euro in den virtuellen Ring wirft und den Zuschlag, inklusive ausgiebige Küsschen von Horwitz, bekommt. Bis zu 200 Euro bringen die Schuhe pro Paar, insgesamt stehen am Ende 750 Euro zu Buche. Für die „Leböns-Hilfö“ wie Horwitz Puhls nicht vorhandenen Akzent liebevoll nachäfft. Er darf das, ist er doch selbst in Paris geboren, und das Publikum lacht Tränen. Tränen dann auch im Saal und auf der Bühne, als Horwitz Puhl für die Reihe „Weltmusik“ dankt und dieser mit Sympathie und Applaus überschüttet wird. Große Gesten!

⇥Dirk Tenbrock