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Deutsche Erstaufführung von „Politisch korrekt“ beim Theater Trier

Theater : Links gegen rechts – oder doch miteinander?

Mit der deutschen Erstaufführung von „Politisch korrekt“ weiht das Theater Trier seine neue Spielstätte in der Kunstakademie ein.

Theater ist dafür da, auch zeitgenössische Fragen zu stellen und einen Anreiz zum kritischen Denken zu geben. Mit der deutschen Erstaufführung des Stückes „Politisch korrekt“ der französischen Autorin Salomé Lelouch wird der politischen Zerrissenheit der heutigen Zeit eine Bühne gegeben. Hier prallen Links- und Rechtsextremismus aufeinander, politisch unvereinbar scheinende Meinungen. Auch wenn das Stück in einem französischen Bistro spielt und auf die dortigen Wahlvorgänge ausgerichtet ist, kann der Zuschauer doch schnell Parallelen zur eigenen politischen Landschaft ziehen.

Den Rahmen für den politischen Diskurs bildet die Liebesgeschichte zwischen der links-alternativen Geschichtslehrerin Mado (Marsha Zimmermann) und dem rechtspopulistischen Anwalt Alexandre (Martin Geisen) und die Frage, inwieweit Liebe und politische Diskrepanzen miteinander vereinbar sind.

Intendant Martin Langner selbst führt bei dem Stück in der mit rund 120 Zuschauern ausverkauften Europäischen Kunstakademie Regie und schafft den Spagat zwischen Ernst und Humor des Schauspiels, der die Tragik des Werkes ein wenig auflockert, auch wenn einem zwischendurch das Lachen eher im Halse steckenbleibt und einige Pointen bei regelmäßigen Theatergängern wohlbekannt sein mögen.

Interessant ist die Entscheidung, keine frontale Bühne zu wählen. Stattdessen ist die Mitte des Raumes in der neuen Spielstätte der Europäischen Kunstakademie zu einem Pariser Bistro ausgebaut, zu drei Seiten platziert sitzt das Publikum (Raum: Dietmar Tessmann, Dramaturgie: Philipp Matthias Müller). So entstehen andere Perspektiven, als man es bei der klassischen Frontalsicht gewohnt ist, und kann zwischendurch auch die Reaktionen der gegenübersitzenden Besucher wahrnehmen.  Oft fühlt es sich an, als sei man als Zuschauer selbst Gast im Bistro und stiller, aber direkter Teilhaber der aufblühenden Liebe sowie des teils erbitterten Kampfes zwischen den Fronten der extremen Lager.

Während Mado als leicht unstrukturiert wirkende junge Frau dargestellt wird, die aber dennoch mit Eloquenz und Intelligenz den Anwalt für sich gewinnen kann, auch wenn sie auf den ersten Blick kaum etwas gemein haben, ist Alexandre der attraktive, höfliche Gentleman, der mit dem stereotypen Bild eines tumben „Rechten“ so gar nichts gemein hat. Auch deshalb kann er das Versteckspiel um seine politische Gesinnung lange aufrechthalten, stattdessen tritt er als Konservativer auf, der als Mitglied des Wahlkampfteams des Front National in der Öffentlichkeit steht und um jeden Preis verhindern will, dass die „Linke“ merkt, auf wen genau sie sich hier eingelassen hat.

Mado und Alexandre sind auf ihre Beziehung und die damit einhergehenden Probleme fixiert, zu Beginn vermeiden sie es sogar beide, über die allgegenwärtigen Wahlen zu sprechen. An ihre Seite gestellt sind jeweils ihre besten Freunde, die den politischen Gesinnungen der beiden Protagonisten nochmal eine Schippe drauflegen: Andrea (Nadine Stöneberg), der Mado ihr Herz ausschüttet, ist eine chaotische, feministische Marxistin, während der rechtnationalistische Louis (Benjamin Schardt) seine politische Orientierung an keiner Stelle verhehlt: Er spricht sich vehement gegen „Fremde“ aus und schlägt eher in die Richtung eines Stereotypen, auch wenn er dabei nicht permanent unsympathisch wirkt.

Treffen beide oder gar alle vier aufeinander, fliegen die Fetzen, und es wird deutlich, wie weit die Positionen voneinander getrennt sind und wie sehr die noch junge Romanze zum Scheitern verurteilt scheint. Der einzige, der alle Seiten mitbekommt, ist der namenlose Kellner (Paul Behrens).

Dabei bannt das Schauspiel den realen Graben zwischen links und rechts auf die Bühne und zeigt, wie erbittert sich die gesellschaftlichen Fronten gegenüberstehen – das gegenseitige Verstehen kommt viel zu kurz, stattdessen wird beharrlich die eigene Meinung gefüttert und versucht, das Gegenüber von dieser zu überzeugen, anstatt gemeinsam eine Lösung zu finden. Dabei wird das Dilemma zwischen Mado und Alexandre in den Vordergrund gestellt, während gleichzeitig klar wird, dass beide Extreme immer mehr an Macht gewinnen.

Es ist das Ende, das für viel Diskussion beim Premierenpublikum sorgt. Der Schluss kommt überraschend und spaltet – aus diesem Grund soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden. Während er für einen Teil passend scheint, sorgt er bei anderen eher für Kopfschütteln. Damit ist eine Aufgabe des Theaters erfüllt: der Diskurs wird angeregt.   Mit „Politisch korrekt“ gelingt ein sehr zeitgenössisches Schauspiel, das die Gefahren des Extremismus deutlich aufzeigt und dabei in kurzweiligen 95 Minuten eine schauspielerisch sehr gut erzählte Geschichte präsentiert.

Die nächsten Vorstellungen: 6., 14. und 15. Februar, jeweils um 19.30 Uhr;  Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter der Mailadresse theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/718-1818.