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Interview
Die altmodische Art der Kreativität

 Funny van Dannen .
Funny van Dannen . FOTO: Jaro Suffner
Der Liedermacher kommt am 16. November in die Tuchfabrik Trier. Im Interview erzählt er von Notenblättern, Fußball und Kunst.

Der 60-jährige Musiker aus Berlin beschränkt seine Kreativität nicht. Vielmehr ist er seit Jahren nicht nur als Musiker, sondern auch als Maler und Autor unterwegs. Für ein Konzert mit der neuen Platte „Alles gut, Motherfucker“ kommt er am Freitag, 16. November, in die Tufa.

Bald kommen Sie wieder nach Trier. Verbinden Sie etwas mit der Stadt?

Van Dannen Meist sieht man ja wenig von den Städten, in denen man spielt. Man kommt an, packt die Sachen ins Hotel, fährt zum Essen, fährt zum Soundcheck, macht einen Auftritt und ist am nächsten Vormittag verschwunden. Daher verbinde ich mit Trier wohl das, was alle Leute damit assoziieren: Porta Nigra und Karl Marx. Aber auch die Eintracht Trier mit Paul Linz etwa.

Fast wären Sie ja auch Fußballer geworden, kommt daher die Kenntnis von der Eintracht?

Van Dannen Ja, Fußball interessiert mich nach wie vor sehr. Grüner Rasen, Flutlicht und die Ästhetik in der Bewegung, das ist eine großartige Sache. Ich bin nur jetzt leider aus dem Alter raus, in dem ich da noch viel zu bieten hätte (lacht).

Als Musiker sind Sie auch erst spät gestartet ...

Van Dannen Eigentlich habe ich ja als Maler angefangen. Damit habe ich schon mit 16 oder 17 begonnen und wirklich viel daran gearbeitet. Aber das sagen Künstler ja gern: „Arbeiten“ (lacht). Ich habe auch viele Bilder ausgestellt, aber der ganz große Erfolg blieb aus. Ich konnte davon nicht leben, daher habe ich mich aufs Singen und Schreiben verlegt. Hier wiederum hat sich nach einer gewissen Zeit der Erfolg eingestellt, von dem ich leben kann. Aber meine Liebe zur Malerei hält bis heute an. Dabei geht mir der widerliche Kunstbetrieb, bei dem sich alles immer weniger um die Kunst selbst als nur um die Repräsentation, die Gaudi für die reichen Leute dreht, ziemlich am Arsch vorbei (lacht).

Mit den verschiedenen Kunstformen haben Sie wirklich jede Menge Material. Wie entsteht das denn?

Van Dannen Ich sammele das über die Zeit und das tatsächlich ganz altmodisch in Poesiealben. Dort schreibe ich alles rein, male auch und mache Collagen. Wenn das Heft voll ist, lege ich es erst einmal für zwei bis drei Monate weg. Mit genügend Abstand kann man besser beurteilen, ob das Zeug etwas taugt oder eben nicht.

Ihre Themen sind vielfältig. Von Liebe über Fußball zu Alltagsbeobachtungen und Politik ist da alles dabei. Haben Sie ein Thema, das Ihnen besonders am Herzen liegt?

Van Dannen Ich schreibe natürlich lieber lustige Lieder als traurige, aber das Leben ist nun mal nicht nur lustig, und die traurige Seite gehört auch dazu, und die ärgerliche und die unfassbare, aber genauso gut die alberne. Es ist alles da, und das versuche ich auszudrücken.

Sie arbeiten oft mit Metaphern und Bildern in Ihren Liedern. Steckt da hinter jedem Satz eine große Idee?

Van Dannen Das mag schon sein, dass man da viel mehr drin findet als von mir angedacht. Ich plane das im Vorfeld nicht. Es gibt kein Konzept, da ich eher ein Impulsmensch bin. Man sollte die Zusammenhänge dennoch nicht unterschätzen. Oft werden meine Sachen als Nonsens abgetan, aber das ist bei keinem einzigen meiner Texte der Fall. Alles spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse wider und wurzelt dabei im Unbewussten. Dabei kann meine Musik aber auf mehreren Ebenen genossen werden. Wenn sich jemand nur oberflächlich damit beschäftigen möchte, ist das auch vollkommen in Ordnung.

Ich habe gelesen, dass Sie immer Ihre Notenblätter und Lyrics mit auf der Bühne stehen haben, weil Sie Angst haben, die Texte zu vergessen?

Van Dannen Ich hab keine Angst, sie zu vergessen, ich hab sie gar nicht im Kopf (lacht). Ich kann überhaupt nichts auswendig und sträube mich auch immer dagegen. Ich hab es auch schon mal ausprobiert ohne Blätter, aber ich bin so leicht ablenkbar! Wenn ich die Texte aber vor mir habe, kann ich gleich viel entspannter auftreten.

Die Fragen stellten Julia Nemesheimer und Jannis Coenen

Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199–996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets