Konzert: Die Kulinarik in der Musik

Konzert : Die Kulinarik in der Musik

Viktor Puhls letztes Neujahrskonzert im Trierer Theater überzeugt mit viel Humor.

(red) So hatte sich der im Sommer 2018 scheidende Generalmusikdirektor Victor Puhl sich sein letztes Neujahrskonzert wohl vorgestellt: Ein brechend volles Theater mit zusätzlich hineingestellten Stühlen, sein philharmonisches Stammpublikum und dazu viele junge  Menschen und Gäste aus ganz Europa. Man hört Niederländisch, Französisch und Englisch und sieht sogar einen Herrn in nicht ganz stilecht wirkender, bajuwarischer Tracht mit Hut in den Zuschauerreihen.

Das Motto lautet diesmal „Moselwein und Donauwelle“, also die Kulinarik in der Musik. Es zeugt von Puhls in zehn Trierer Jahren entwickelter Souveränität, dass er sowohl das Motto als auch sich selbst nicht ganz so ernst nimmt. Da reicht dann auch schon mal der Nachname des Komponisten des ersten Stückes, der Ouvertüre aus „Galathèe“, (Franz von) Suppé,  um einen Bezug zum Thema herzustellen.

Souverän auch Barbara Ullmann, als langjährige Moderatorin des Neujahrskonzertes sowieso eine sichere Bank. Dazu ist sie witzig, fachlich fundiert und voller Esprit. Auch im Jahr 2018 kann sie – diesmal  mit ihren staunenswerten Fähigkeiten als Schlagwerkerin und Sängerin – einen draufsetzen. Bei Leroy Andersons „Typewriter“ brilliert sie an einer echten Schreibmaschine wie einst Jerry Lewis, und in der Zugabe singt sie – zusammen mit dem furchtlosen Orchesterchef – ein hinreißendes „C’est si bon“-Chanson, das sie  eigens auf Puhls Jahre in Trier umgedichtet hat. Die Moderationen sind hintergründig bis brüllend komisch und thematisch wunderbar passend. Die Musikauswahl, vom Philharmonischen Orchester der Stadt Trier durchaus ernsthaft und hervorragend musiziert, ist ungewöhnlich. Neben den üblichen Walzern und Polkas gibt es auch Tschaikowskys „Zuckerfee“ aus der Nussknacker-Suite mit Ketevan Rukhadze an der Celesta (einem kleinen Klavier, das mittels Stahlplatten einen glockenspielartigen Klang erzeugt) oder Franz Lehars Honignymphen-Walzer mit dem famosen Konzertmeister Petar Entchev an der Solovioline. Regina Israel zupft und tupft ein beeindruckendes Harfensolo beim Blumenwalzer von Tschaikowsky, mindestens ebenso beeindruckend und zart wie Hannes Bock am Xylophon beim „Hahnenrennen“ (Lehar). Den Vogel schießt aber Schlagzeuger Fred Boden bei der Amboss-Polka „Feuerfest“ von Johan Strauß ab. Mit lederner Schmiede-Schürze bearbeitet er mit mehreren (Vorschlag-) Hämmern einen echten Amboss so, dass die Töne nur so sprühen.

Das komödiantische Element eines Neujahrskonzertes ist reichlich vertreten, es wird Champagner getrunken und Barbara Ullmann serviert in großer altrosa Robe dem Publikum schlussendlich echte Donauwelle. „Sehr kurzweilig und dennoch musikalisch hochklassig“, resümiert eine Zuschauerin.

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