Die Kulturmacher Bernhard Nink aus Trier

Die Kulturmacher Bernhard Nink : Wie beim Hasen und beim Igel

Immer schon zur Stelle im Trierer Musikleben: der Pianist, Dirigent und Lehrer Bernhard Nink.

Wenn die Schule zum Thema wird, dann nimmt das bislang entspannte Gespräch mit Bernhard Nink eine unerwartete Wendung. „Ich habe immer nur Mangel erlebt“, sagt der pensionierte Musiklehrer des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Trier. Mangel – das bedeutete Unterrichtsausfall, unzureichende Technik, Auslagerungen, ein ­Musikraum der keiner war, unzufriedene Lehrkräfte, bürokratische Entscheidungen am grünen Tisch, allgemeines Unverständnis.

Im nachwirkenden Ärger über solche Zustände klingt bei Nink indes auch persönlicher Stolz mit. Er  hat schon als 17-Jähriger am hessischen Gymnasium Hadamar bei Limburg mit seinen Kameraden protestiert gegen die Zustände an den Schulen – und auch gegen die Verantwortlichen im Ministerium. Mit der Parole „Lehrer: Trottel des Schulsystems –  Schüler: Prügelknaben der Misere“ zogen die Schüler mehrerer Gymnasien im Oktober 1970 durch die Limburger Innenstadt. Auch wenn der Protest allerhöchstens langfristig Erfolg hatte – für Nink war er ein Schritt in die Selbstständigkeit.

Bernhard Nink hätte nach dem Abitur 1971 dem Musikunterricht und überhaupt der Schule den Rücken kehren können. Aber entschied sich trotz allem für ein Schulmusikstudium an der Frankfurter Musikhochschule, verbunden mit einem Theologiestudium. Und erfuhr dort, was es bedeutet, täglich auf höchstem Niveau mit Musik umzugehen. Schon seit dem achten Lebensjahr hatte er Klavier und, auf besonderen Wunsch seines Vaters, Akkordeon gelernt – später auch Geige, Bratsche und Orgel. Seine Frankfurter Jahre von 1971 bis zum Staatsexamen 1977 – unterbrochen nur durch 15 Monate Zivildienst – haben Nink nachhaltig geprägt. So, genau so musste Musik sein! Nink studierte Klavier bei Branka Musulin und erhielt völlig überraschend ein Stipendium.  „Sie war eine Künstlerin durch und durch“, erinnert er sich. Er studierte bei Hans Ulrich Engelmann, dem profilierten Vertreter Neuer Musik. Er studierte bei Helmuth Rilling, damals auf dem Sprung zum angesehenen Bach-Interpreten. Und vielleicht waren es die künstlerischen Erfahrungen in Frankfurt, die Nink gegenüber all den Widrigkeiten  im Schulalltag resistent machten.

Seit 1979 Studienrat am Trierer FWG, hat er sich auch an der Schule konzentriert auf seine musikalische Profession. „Ich habe nicht nach rechts und links geschaut. Mir ging es um die Musik um ihrer selbst willen“, sagt er. Und ergänzt: „Ich  wollte Musiker sein – nicht Musikpädagoge.“ Und so entwickelte sich Bernhard Nink zum künstlerischen und organisatorischen Motor gerade in Bereichen, die vom Trierer Musikleben wenig oder gar nicht abgedeckt wurden. Nink hat sich nie auf die angeblich großen Konzerte kapriziert. Er leistete eine vielfältige Basisarbeit – in der Schule und außerhalb. Die Liste seiner Aktivitäten von 1977 bis 2016 umfasst rund 130 Schulkonzerte und rund 25 Konzerte außerhalb der Schule. Eine „Auswahl“ sei das, notiert Nink dazu.  Das war der leise Hinweis auf eine weitaus umfangreichere Aktivität.

Ninks musikalische Allgegenwart in Stadt und Region gleicht der Geschichte vom Hasen und vom Igel. Egal wo der Trierer Musikfreund ankam – Nink war  schon immer da. Mal als Pianist bei der Kammermusik, mal mit Jazz-Formationen unterschiedlicher Herkunft und Größe, dann wieder als Cembalist bei Oratorien, als musikalische Begleitung beim „Theologischen Quartett“, als Kammermusiker im Duo mit Studienfreund und Kollegen Franz Brixius, als Leiter der Uni-Bigband „Swing Unit“ oder auch mit seinem „Swing Sextett“. Noch vor kurzem saß er zum Stummfilm „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“  (1927) im Uni-Audimax am Klavier und spielte perfekt abgestimmt zum Film Kompositionen, die unter den Nazis als „entartet“ galten.

2011 hat er sich mit Flötistin Irmgard Brixius und Klarinettist Ulrich Junk zum „Ubi-Trio“  zusammengetan, mit ihnen erstaunlich viele Werke für diese  ungewöhnliche Besetzung entdeckt und manche sogar in Auftrag gegeben. Die „Swing Unit“ Band, die er 2014 übernahm, ist für ihn immer wieder eine Quelle der Motivation. „Ich mag die jungen Menschen“ sagt er.  „Sie bringen etwas Freundliches und Ungezwungenes mit.“ Und so kommt es, dass gerade Ninks scheinbar unpädagogische Konzentration auf Musik und nur Musik eine erstaunliche Breitenwirkung entfaltet hat.

Seit er  pensioniert ist, lässt Nink die Dinge etwas langsamer angehen. Aber er bleibt aktiv. Nach wie vor gehört Klavierspielen zum täglichen Programm. Im „Ubi-Trio“ probt er in der Regel wöchentlich. Die Formation Swing Unit ist ein guter Freund geworden. Und wenn jemand an seiner Haustür in Trier-Heiligkreuz klingelt und um Mithilfe bei einem Projekt bittet – Bernhard Nink sagt ganz bestimmt nicht Nein. Martin Möller