Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden : Der eine singt, die andere schreibt

Olala, sie hat rotes Haar“ (Erik Silvester). „(Dich erkenn ich) Mit verbundenen Augen“ (Bata Illic), „Du musst mit den Wimpern klimpern“ (Renate Kern).

„Weißt du wohin“ (Karel Gott). „Dondolo“ (Rex Gildo). „Ich denk an dich“ (Roy Black). Der kritische Leser fragt sich jetzt vermutlich, was diese Aufzeichnung von Perlen deutschsprachigen Liedguts soll. Wir fragen den kritischen Leser zurück: Was haben all diese Titel und ihre Interpreten gemein? Richtig, sie wurden alle in einer bestimmten Fernsehsendung vorgestellt. Und der Geburtstag dieser längst eingestellten Sendung jährt sich am heutigen 18. Januar zum 50. Mal.

„Hier ist Berlin!“ Mit dieser aus uralten Rundfunkzeiten bekannten Ansage begann der Moderator Dieter Thomas Heck seine „ZDF-Hitparade“. Aus einem Studio in Berlin präsentierte Heck nach einer zackigen Verbeugung vor den Zuschauern die erste Ausgabe der Sendung, die er ebenso zackig als „Zett-De-Eff“-Hitparade ankündigte. Die Show wurde Kult. Als der Schlager in voller Blüte stand, war sie der Treffpunkt der Szene. Ihr Gastgeber behielt sein Leben lang den Titel „Mister Hitparade“. „Es kommt immer der Satz: Ab in die Badewanne, Pyjama an, Heck darfst du noch gucken“, erzählte Heck später, so hätten Fans ihm oft beschrieben, wie sie „ihren Moderator“ in der Kindheit erlebten.

Heck, der im vergangenen August im Alter von 80 Jahren gestorben ist, moderierte von Beginn an bis Ende 1984. Für 183 Ausgaben stand er für das Format vor der Kamera. Seine Nachfolger Viktor Worms (1985 bis 1989) und Uwe Hübner (1990 bis 2000) konnten ihm, was Hecks Beliebtheit anging, niemals das Wasser reichen. Am 16. Dezember 2000 – nach 31 Jahren und 368 Ausgaben – war Schluss für die monatliche Show, die zuletzt samstagabends um 18 Uhr lief und vielen Musikern half, sich einem Millionenpublikum bekanntzumachen. Zahlreiche Schlagerstars wie Kristina Bach, Costa Cordalis, Tony Marshall, Irene Sheer und Jürgen Drews protestierten damals gegen das Aus. Das ZDF blieb bei seiner Entscheidung: Die „Hitparade“ habe in den vergangenen sechs Jahren fast 80 Prozent ihrer Zuschauer verloren, hieß es. Ursache für den Zuschauerschwund seien nicht der Sendeplatz oder der Moderator, sondern die Tatsache, dass sich in den zurückliegenden Jahren die „wirklich erfolgreichen deutschen Künstler“ dem Wettbewerb einer „Hitparade“ entzogen hätten.

Zum Jubiläum der Sendung plant Entertainer Thomas Gottschalk (68) mit dem ZDF in Offenburg eine Samstagabendshow zum Thema Schlager – ein ­nostalgischer Rückblick mit Gästen und Musik aus mehreren Jahrzehnten –, diesmal auf den Primetime-Sendeplatz befördert. Termin ist der 27. April um 20.15 Uhr. Wer nicht so lange warten will: In der Nacht auf Samstag (19. Januar) zeigt ZDFneo von 0.10 Uhr an bis zum Morgen „Die ZDF-Kultnacht – Das Beste aus der Hitparade“ mit Glanzlichtern der 1970er und 80er Jahre. Hinzu kommen ein Blick hinter die Kulissen, Szenen skurriler Begebenheiten und ein Film über „Mister Hitparade“ Heck.

Dorothee Achenbach (55), Ex-Frau des einstigen Kunstberaters Helge Achenbach mit Trierer Wurzeln (siehe TV vom 23. Juni 2017), hat sich nach allen Tiefschlägen und Prozessen wieder aufgerappelt. „Ich bin ein Stehaufmännchen“, sagte die Kunsthistorikerin. Nun hat sie sich einen Traum erfüllt und ihren ersten Roman vorgelegt. Achenbach hatte bereits in zwei autobiografischen Bestsellern ironisch-süffisant ihren Absturz aus dem Kunst-Jetset verarbeitet, nachdem ihr damaliger Gatte Helge Achenbach wegen Millionenbetrugs verurteilt worden war. So selbstironisch geht es in ihrem Debütroman „Im Schatten des Mondsterns“ (erschienen im Düsseldorfer Droste Verlag) freilich nicht zu. Im Mittelpunkt steht eine Gastarbeiterfamilie und eine deutsch-türkische Liebe – und die Vergangenheit der Autorin. Verrat, Betrug und die Düsseldorfer Society spielen auch im Roman eine wichtige Rolle. Sie habe bei der Hauptfigur Greta aus ihrer eigenen Erfahrung geschöpft, erklärte Dorothee Achenbach. „Diese Verletzung einer Frau, die eigentlich eine gute Ehe führte und plötzlich merkte, es war nicht alles so, wie es schien.“ no/dpa

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