Die Kulturwoche, betrachtet von Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche : Nicht rote Rosen sind ein Beweis der Liebe, sondern ...

So, der Januar ist geschafft und damit ein Drittel des Katastrophenquartals, das die Geschäftsleute zu Beginn eines jeden Jahres das Fürchten lehrt. Weihnachten ist vorbei, bis Ostern dauert’s noch ewig – und auf der gesamten Wegstrecke keine Gelegenheit für Geschenke, nirgends.

Da kommt der heilige Valentin gerade recht. Der Mann war Priester in Rom und starb 269 n. C. den Märtyrertod. Allein diese Tatsache dürfte ein Indiz dafür sein, dass der fromme Mann mit Geldausgeben nicht allzu viel im Sinn hatte. Aber der Reihe nach: Der Gedenktag des heiligen Valentinus war eine Idee von Papst Gelasius, der ihn im Jahre 469 eingeführt hatte, und zwar am 14. Februar. 1969 wurde er jedoch aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Da war es allerdings schon zu spät: Der Mann musste weiterhin als Grund dafür herhalten, dass in den Läden ordentlich die Kassen klingeln. Schuld war übrigens der englische Dichter Geoffrey Chaucer, der Valentin in seinem Gedicht „Parlament der Vögel“ in der Mitte des 14. Jahrhunderts mit den „Lupercalien“ in Verbindung brachte, einem griechisch-römischen Fruchtbarkeitsritus. Ohne Beweise und irgendeinen vernünftigen Plan übrigens, aber das kennt man ja von den Briten inzwischen zur Genüge.

Jahrhunderte später kamen geschäftstüchtige Ladenbesitzer dann auf den Trichter, dass zur Fortpflanzung die Liebe (na ja, nicht immer) gehört, und zur Liebe die Liebesgaben. Bingo, das war’s. Seitdem müssen sich die Männer weltweit den Kopf darüber zerbrechen, wie sie ihr Gspusi bei der Stange halten.

Das könnte jedoch bald vorbei sein, wie die Kollegen vom „Sydney Morning Herald“ nach intensiven Recherchen herausgefunden haben. „Männer, seit Jahrzehnten sind wir belogen worden, was die Schenkerei zum Valentinstag angeht“, beginnt die Kampfschrift aus „down under“. „Vergesst Rosen, Schokolade und sexy Dessous“ (die ja, bei Licht betrachtet oder besser gedämpftem Licht, ein aus männlicher Perspektive eher egoistisches Geschenk sind). Das alles sei zwar hübsch, aber nicht wirklich das, was Frauen wollen. „Ihr müsst für die Beziehung arbeiten“, heißt es in dem Artikel weiter. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: „Wir reden über Hausarbeit.“ Das sei zwar nicht ausgesprochen romantisch, aber dafür sehr hilfreich.

Die Soziologin Leah Ruppanner von der University of Melbourne hat gemeinsam mit schwedischen Kollegen herausgefunden, dass nicht langstielige Rosen eine langanhaltende Liebe garantieren, sondern der gemeinsame Griff zu Putzeimer und Schrubber. Die ungleiche Verteilung der Erledigung der häuslichen Pflichten, so Frau Dr. Ruppanner, sorge nämlich nicht nur für ein baldiges Ende der Liebe, sondern münde nicht selten auch in Trennung.

Die Wissenschaftlerin streut noch mehr Salz in die Wunden. Ihren Forschungen zufolge sind Frauen 34 Stunden wöchentlich mit Hausarbeit beschäftigt, summa summarum 1768 per annum. Und dann haut sie den Kerlen das potenzielle Rosenbukett auch noch um die Ohren: „Selbst wenn Sie 50 Dollar für einen Blumenstrauß ausgeben, ist das ein Liebesbeweis, der knapp 0,03 Cent pro Stunde ausmacht.“ Es kommt noch schlimmer: „Wenn Sie Blumen schenken, muss sie höchstwahrscheinlich auch die Vase aus dem Schrank holen, die abgefallenen Blütenblätter aufsammeln und das übel riechende Blumenwasser entsorgen. Mit anderen Worten: Sie haben ihr noch mehr Arbeit gemacht, als sie ohnehin schon erledigen muss.“

Die Soziologin zeigt den desolaten Männern aber auch das Licht am Ende des Tunnels auf: „Verschenken Sie keine Gutscheine für häusliche Tätigkeiten, die Ihre Partnerin je nach Bedarf einlösen kann. Das zeigt nur, dass Sie sich nicht wirklich für die Hausarbeit verantwortlich fühlen (wollen). Setzen Sie sich zusammen und stellen einen belastbaren Plan auf, wer wann die Küche schrubbt und die Waschmachine füllt und leert.“ Und das könne man ja bei einem romantischen Candlelight-Dinner am 14. Februar tun.

Wer bis hierhin durchgehalten hat, fragt sich vermutlich, was dieser Artikel auf der Kulturseite verloren hat. Hier die Antwort: Das Wort „Kultur“ kommt vom lateinischen cultura und ist eine Ableitung von colere, das wiederum auf die indogermanische Wurzel „kuel-“ zurückgeht, womit unsere Vorfahren den Aggregatzustand des „emsig Beschäftigt-Seins“ beschrieben.  Und nach allem, was man aus überlieferten Schriften weiß, die freilich noch der Entdeckung harren, bezog sich das auf Frauen und Männer gleichermaßen.

Rainer Nolden

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