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Die Kulturwoche, betrachtet von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden

Unterm Strich – die Kulturwoche : Die Fülle im Depot, die Leere im Portemonnaie

Alle paar Jahre den Krempel aus der Wohnung schaffen, den ohnehin keiner mehr braucht – das soll ja gut für die Seele sein. Behaupten zumindest Experten für Yoga-, Tai-chi-, Feng-shui- oder Shenzhen … oder wie sie alle heißen mögen. Was für Privathaushalte gut ist, kann für öffentliche Institutionen nicht schlecht sein. Manchmal sogar bereichernd. Wie im Falle des Naturkundemuseums in Buffalo im US-Bundesstaat New York, knapp an der kanadischen Grenze gelegen.

Im Lager des Museums hat eine Mitarbeiterin bei Aufräumarbeiten das Riesenei eines Elefantenvogels entdeckt. Beim Digitalisieren der Zoologie-Sammlung des Museumbestands war sie auf eine Kiste gestoßen, in der irgendein Abguss verstaut sein sollte. Doch beim Öffnen erblickte sie ein Ei – „viel größer als alle anderen Eier in unserer Sammlung“ (von denen das Museum rund 1000 besitzt). „Es hatte so viele Details und Narben, und die Farbe war wunderschön. Es sah zu echt aus, um nur ein Abguss zu sein.“

Die Dame hatte recht, wie Untersuchungen von Experten ergaben: Es handelt sich um ein echtes Ei eines Elefantenvogels der um etwa im Jahr 1000 ausgestorbenen Laufvogelart, deren Exemplare bis zu drei Meter groß werden konnten und die unseren Vorfahren als Sonntagsbraten gedient haben sollen. Weltweit seien nur noch 40 Eier in Museen zu finden, so die Fachleute. Das Fundstück ist 30 Zentimeter hoch, hat einen Umfang von 70 Zentimetern und ist rund anderthalb Kilogramm schwer. 1939, so ergaben Nachforschungen, hatte der damalige Kurator das Ei gekauft – und vergessen. Ab 1. Mai wird es nun den Besuchern erstmals seit fast 80 Jahren präsentiert.

Nun dürfte es eher selten passieren, dass in Privathaushalten solche Fundstücke gemacht werden, wenn man in den hintersten Kellerregalen herumwühlt – obwohl es ja schon vorgekommen sein soll, dass sich unter dem röhrenden Hirschen, der jahrzehntelang über der Kredenz in Großmutters Wohnzimmer hing, ein echter Rembrandt versteckt. Aber selbst, wenn dem nicht so sein sollte: Am Ende bleibt dem gemeinen Entrümpler wenigstens das befriedigende Gefühl, Platz geschaffen zu haben – für neues Gerümpel …

Kennen Sie Ihren Kontostand? Wie viel verdienen Sie? Und wie viel verdient Ihr Nachbar? Hatten Sie schon einmal Angst vor dem Briefkasten bzw. vor der Post, die im Inneren auf Sie wartete? Nein, nein, es geht hier nicht um die Ausfüllung eines Registrierungsformulars für Facebook oder sonstige Webseiten, die das Schnüffeln zum Geschäftsprinzip erhoben haben, sondern um eine Ausstellung. Und die wird von der Schuldenberatung des Instituts für Sozialdienste (ifs) im Bregenzer Vorarlberg-Museum kuratiert. Die Besucher sollen nicht nur schauen, sondern auch sehr persönliche Fragen beantworten, und der Spaß soll angeblich auch nicht zu kurz kommen (obwohl der ja beim Geld bzw. dessen Nichtvorhandensein eigentlich aufhört). Und sogar der Kontostand wird ermittelt – mit Hilfe einer anonymisierten Umfrage. Sollten nicht spätestens jetzt sämtliche Alarmglocken läuten?

Aber es geht noch weiter: An einem Beratungstisch lassen sich persönliche Fragen direkt vor Ort mit Experten besprechen – oder ein Termin mit der Schulden- oder Budgetberatung vereinbaren (klingt schon fast wie eine Werbe-Ausstellung). Die Schuldenberatung ist auch für Menschen geeignet, die finanziell abgesichert sind, versprechen die Ausstellungsmacher, aber immer wieder erleben, dass das Geld am Ende des Monats aufgebraucht ist. Wer dieses Gefühl noch nie hatte, kann es jetzt wenigstens mal im Museum kennenlernen – noch bis zum 17. Juni. no/dpa