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Die Kulturwoche, betrachtet von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden

Die Kulturwoche, betrachtet von TV-Mitarbeiter Rainer Nolden : Tiefe Nostalgie und höherer Blödsinn

Wenn man in diesen Tagen etwas Positives über Großbritannien, „dies Kleinod, in die Silbersee gefasst“ (Richard II., 2/i/46), lesen will, muss man schon bis zu dieser Seite vorblättern, denn nur die Kultur ist ewiger Hort des Schönen, Guten und Wahren; der Rest ist Schweigen (Hamlet, 5/ii/358) bzw. derzeit im britischen Parlament unkontrollierbares Gebrüll.

 Werfen wir einen Blick zurück, als Britannien zum letzten Mal groß war auf dem Gebiet der Kunst und vor allem der Schönen Künste. Das ist jetzt schon mehr als ein halbes Jahrhundert her. Indien, die letzte Großkolonie, war auch bereits seit gut zehn Jahren futsch, aber dafür fuhren die Beatles für das Land ordentliche Gewinne ein – und die Pop Art.

England gilt als dessen Wiege und hat zahlreiche ungewöhnliche Positionen zu dem Phänomen der damals wahrlich umwälzenden neuen Kunstrichtung hervorgebracht. Neben Motiven aus dem Alltag ist es vor allem die Idee der Kunst für alle. Meisterwerke massenhaft entstehen durch das Medium der Druckgrafik, durch Auflagenkunst und Multiples. Dabei gibt es Lieblingsthemen wie Fernsehen, Werbung oder Auto. Ein Lebensgefühl, bei dem auch die Musik eine entscheidende Rolle spielte. Der wird in der Ausstellung der Ludwiggalerie in Oberhausen ganz besonders Rechnung getragen: Plattencover wie dem von Peter Blake und Jann Haworth zum Beatles-Album „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ ist gleich ein eigener Bereich gewidmet. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinz Beck (1923 – 1988), dessen Sammlung im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum bewahrt wird, hat ein herausragendes Konvolut an Werken dieser Zeit zusammengetragen. Erstmals ist jetzt eine Auswahl daraus im Revier zu sehen (bis 12. Mai).

Glorreichen Zeiten trauert auch Wichart von Roëll nach. Wer? Stichwort „Klimbim“. Na, jetzt klingelt’s, nicht wahr? Von 1973 bis 1979 hatte Roëll mit Ingrid Steeger, Elisabeth Volkmann, Horst Jüssen und Peer Augustinski in dieser geradezu revolutionären Comedy-Serie vor der Kamera gestanden; Regisseur war Michael Pfleghar.  Vor 40 Jahren wurde die ARD-Sendung eingestellt, die wegen ihrer freizügigen Szenen und frechen Sprüche Kult war und Klassiker wurde. Zurück zu Herrn Roëll: Der 81-Jährige träumt oft von seinen toten Kollegen. „Manchmal sehe ich in meinen Träumen Szenen aus ,Klimbim‘ oder erinnere mich an private Gespräche von früher“, sagte der gebürtige Recklinghausener. Nur eine erscheint ihm nicht im Traum: Ingrid Steeger. Denn die lebt noch. no/dpa