Die Kulturwoche, gesehen von Kolumnist Rainer Nolden

Die Kulturwoche, gesehen von Kolumnist Rainer Nolden : Bloß kein Star – und bloß keinen „Tatort“

Die Kulturwoche, gesehen von Kolumnist Rainer Nolden

Kennen Sie Connie Sawyer? Nein? Seltsam. Haben Sie nie „Denver Clan”, ‑Hawaii-Fünf-Null”, ‑Die Mary-Tyler-Moore-Show” oder „Mord ist ihr Hobby” gesehen? Oder im Kino „Harry und Sally“ oder „Was das Herz begehrt“? Zugegeben, das ist jetzt nicht die frischeste Fernseh- und Kinokost, aber die Jüngste war Miss Sawyer schließlich auch nicht. In all diesen Filmen war nämlich sie zu sehen – allerdings niemals in einer Hauptrolle. „Ich wollte nie ein Star sein – und bin’s auch nicht geworden” lautet der nicht ganz unkokettierende Titel ihrer Autobiografie, die sie 2017 veröffentlicht hat. Da war sie 104 Jahre alt. In Worten: einhundertundvier. Ein Jahr später ist sie nun gestorben: die dienstälteste aktive Schauspielerin Hollywoods. Mit 101 hatte sie noch vor der Kamera gestanden – für die Fernsehserien „Ray Donovan“ und „New Girl“. Dass sie in den vergangenen vier Jahren nicht aktiv war, lag übrigens weniger daran, dass sie sich aufs Uraltenteil zurückgezogen hatte. Wie das so oft ist in der Branche: Die wirklich knackigen Rollenangebote blieben in den letzten Monaten aus. Ihre Karriere verdankt Rosie Cohen, wie die Tochter rumänischer Einwanderer mit richtigem Namen hieß, nicht zuletzt der Frau Mama, die eine echte „stage mom“ war, wie die Mütter heißen, die ihre Töchter und Söhne unbedingt ins Showbusiness bringen wollen. (Frances ­Ethel Gumm war übrigens auch so ein Fall: Ihre Mama Ethel Marion Milne setzte Himmel und Hölle in Bewegung, um die Tochter auf die Bretter zu hieven. Hat sie dann tatsächlich geschafft. Vielleicht auch deshalb, weil Ethel Gumm sich später den Namen Judy Garland zugelegt hatte).

Zurück zu Miss Sawyer: Die wurde als Achtjährige entdeckt – und von keiner Geringeren als Sophie Tucker „gecoacht”, wie heute das Fördern jugendlicher Talente genannt wird. Ende der 1950er Jahre gab ihr dann Frank Sinatra ihre erste Leinwandrolle; „Eine Nummer zu groß“ hieß der Film mit „Ol’ blue eyes“ unter der Regie von Frank Capra. Nein, ein Star wolle sie wirklich  nicht sein, erklärte sie schon 2012. „Lasst mich einfach nur arbeiten – und bezahlt mich ordentlich dafür.“

Ordentlich bezahlt wird sicherlich auch Volker Schlöndorff für seinen ersten Fernsehkrimi. Damit betritt der oscar-gekrönte „Blechtrommel“-Regisseur Neuland im Spätsommer (oder doch schon Herbst?) seines Lebens: Er ist 78 Jahre alt. Da fangen die meisten Menschen eigentlich nichts Neues mehr an. Es ist ein sehr ungewöhnlicher Kommissar, den das ZDF am Montag (5. Februar, 20.15 Uhr) im Film „Der namenlose Tag“ dem deutschen Krimi-Publikum vorstellt, verspricht der Vorbericht. Thomas Thieme spielt einen brummig-einsilbigen Kommissar, den die Kollegen immer dann losschicken, wenn eine Todesbotschaft zu überbringen ist. Schlöndorff wäre freilich nicht Schlöndorff, wenn er  seinen Film nicht sofort wieder hinterfragt: „Ich weiß auch noch nicht so recht, ob das ein Krimi ist. Gerade weil die Geschichte so wenig Kriminalistisches enthält, war es reizvoll. Weil ich mich fragte: Mit wie wenig kann man auskommen und trotzdem Spannung erzeugen?“

Klingt nach einem jener komplizierteren „Tatorte“, die seit einiger Zeit die Uralt-Reihe bereichern. Von denen hat Schlöndorff nach eigenen Aussagen noch nie einen bis zum (bitteren) Ende angeschaut. Ich habe dann immer versucht, mir einen anzuschauen und habe es nicht geschafft. “ no/dpa

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