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Die Kulturwoche
Gute Geister, böse Geister

Bill Daily, US-amerikanischer Schauspieler, spielte in der Hit-Serie „Bezaubernde Jeannie“ mit. Jetzt ist er 91-jährig gestorben.
Bill Daily, US-amerikanischer Schauspieler, spielte in der Hit-Serie „Bezaubernde Jeannie“ mit. Jetzt ist er 91-jährig gestorben. FOTO: dpa / Mark J. Terrill
Es gab mal eine Zeit, fast ein halbes Jahrhundert ist es her, da konnten sich amerikanische GIs in Flaschengeister verlieben, und alle glaubten die Geschichte aufs Wort beziehungsweise aufs Bild. Vielleicht lag es daran, dass Bill Daily tatsächlich im Koreakrieg gedient hatte, ehe er den Job wechselte und Schauspieler und damit in einer Vorabendserie Stammgast wurde. Von Dr. Rainer Nolden

Die hieß in Deutschland „Bezaubernde Jeannie“.

Der Name des Mädels war Programm, denn er wurde genauso ausgesprochen wie das Wort „genie“. Damit bezeichnet man im Englischen einen dienstbaren Geist (aus der Flasche oder der Lampe, siehe Aladin). In den verliebt sich der Astronaut Tony Nelson, der von Larry Hagman gespielt wurde, allen Serienguckern noch besser bekannt als ­J.R. Ewing in der Endlosreihe „Dallas“. Und da jeder Mann, der einen Geist als Hausgenossin und – vielleicht, aber das wurde nie so richtig klar, schließlich lebten da ein weibliches Wesen und ein Mann unverheiratet unter einem Dach (Skandal! In den prüden 50ern!!) da zur Geliebten hat, einen echten Freund braucht, damit er nicht vollkommen durchdreht, wurde ihm Major Roger Healey (Bill Daily) an die Seite gestellt, der als Einziger von der Existenz des ebenso schönen wie kapriziösen Flaschengeistes wusste. In 131 Folgen der Serie, die von 1965 bis 1970 lief, war Daily als Freund und Flieger zu sehen.

Wie erst jetzt bekannt wurde, starb er vergangene Woche im Alter von 91 Jahren. Die letzte Überlebende sämtlicher Seriendarsteller ist nun die „bezaubernde Jeannie“ Barbara Eden, 86. Als Flaschengeist ist man in dem Alter vermutlich noch nicht einmal reif für den Kindergarten.

Bleiben wir noch in Amerika, allerdings mit einem Zeitensprung von wieder 50 Jahren zurück in die nicht ganz so zauberhafte Gegenwart. Man fragt sich ja schon seit einiger Zeit, was im Kopf des derzeitigen „Präsidenten“ so vor sich geht (vorausgesetzt, es befindet sich etwas anderes darin als das, was bei normalen Menschen im Dickdarm aufbewahrt wird). Eigentlich müsste er wegen des medialen Interesses an seiner (Un-)Person jeden Tag im Rosengarten seines Einfamilienhäuschens, das ihm seine Steuerzahler finanzieren, ein Freudenfeuerwerk abfackeln.  Über keinen amtierenden Weiße-Haus-Bewohner wurden jemals so viele Bücher schon zu Leb- und Leidenszeiten geschrieben. In seinem jüngst erschienenen Buch „House of Trump, House of Putin“) hat der Journalist Craig Unger, ehemals Chefredakteur des Boston Magazine und Autor beim New Yorker, den Gerüchten, der „Präsident“ sei engstens mit der Russenmafia verbandelt, neue und durchaus feste Nahrung geliefert. Und die Recherchen von Bob Woodward, einem der renommiertesten amerikanischen Investigativ-Reporter (dank ihm wurde schon Richard „Watergate“ Nixon in die Wüste geschickt), sind unter dem Titel „Fear“ erschienen. Die deutsche Übersetzung „Furcht: Trump im Weißen Haus“ ist in Deutschland noch gar nicht auf dem Markt, steht jedoch bereits dank zahlreicher Vorbestellungen auf Rang 5 bei Amazon. Natürlich ist „the Donald“ mit beiden Publikationen ein bisschen unglücklich, weil er wieder mal nicht so richtig positiv wegkommt. Ebenso wie ihn der Artikel in der „New York Times“ betrübt hat, den ein hochrangiger Mitarbeiter, im „Oval Office“ nur „der Feigling“ genannt, an die Redaktion der „New York Times“ geschickt und den die Zeitung, getreu ihrem Motto „All the news that’s fit to print“ in die Welt gesetzt hat. Irgendwie ist es schon frustrierend: Die ganze verdammte Journaille arbeitet sich an diesem toupierten Teflon-Männlein ab, und das geht wie immer ungerührt Golf spielen. Ist aber auch verständlich: Wenn das Hobby alles ist, das man einigermaßen beherrscht, verbringt man natürlich so viel Zeit wie möglich damit, um das Ego zu streicheln. Sonst tut es ja keiner. ⇥Rainer Nolden