Kulturwoche Kolumne : Gut für die Musik, schlecht für die Sprache

Wenn das der Adolphe gewusst hätte (wohlgemerkt: der mit ph und nicht mit f): Mehr als 170 Jahre nach der ersten Vorstellung wird seine Erfindung 2019 das „Instrument des Jahres“. Adolphe war Belgier, eines von elf Kindern und hieß mit Nachnamen Sax.

Richtig, er ist der Erfinder des Saxophons, das von einigen unmusikalischen Menschen inzwischen mit einem schnöden „f“ geschrieben wird, was bei weitem nicht so gut klingt wie „ph“. Zuerst stürzten sich die Militärkapellen auf den neuen „Sound“ des Messinginstruments, das trotzdem als Holzinstrument geführt wird (weil der Ton mit einem Rohrblatt erzeugt wird). Aber auch einige zeitgenössische Komponisten wie Auber und Berlioz waren davon so begeistert, dass sie ihn auf die Palette ihrer Orchesterfarben setzten. Dennoch konnte es sich in der Klassik nie wirklich durchsetzen. Dafür gehören die Saxophone (die gängigsten sind Sopran, Alt, Tenor und Bariton) seit den 1920er Jahren zu den unbestrittenen Königen des Jazz: das Sopransax (Sidney Bechet), das Altsax (Charlie Parker), das Tenorsax (Lester Young) sowie das Baritonsaxophon (Gerry Mulligan). Damit gelang dem Belgier eine Erfindung, die, was ihre Verbreitung angeht, erst im 20. Jahrhundert mit dem Synthesizer einen ebenbürtigen Konkurrenten gefunden hat.

Apropos f und ph: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich mal wieder zusammengesetzt. Erfahrungsgemäß kann dabei nichts Vernünftiges rauskommen, und in der Tat ist das  auch dieses Mal der Fall. Es geht um ein Sternchen als Zeichen für Gleichberechtigung – wie kann im Schriftdeutsch neben dem männlichen und dem weiblichen auch das dritte Geschlecht sichtbar gemacht werden? Möglich sind Varianten wie die mit dem Sternchen – Asterisk – im Wort wie bei „Lehrer*in“ oder mit dem Tiefstrich – Gendergap – wie bei „Lehrer_in“ oder „Lehr_er_in“. Bei seiner Sitzung im Juni in Wien war der Rat übereingekommen, dass geschlechtergerechte Sprache verständlich, lesbar, vorlesbar, grammatisch korrekt sowie eindeutig und rechtssicher sein soll. Mal ehrlich – wer möchte so was lesen? Und wie soll man die Unterstriche aussprechen? Eine klare Tendenz, wie durch Orthografie die Schreibung geschlechtergerecht gestaltet werden könne, hatten die Experten noch nicht ausmachen können. Das dürfte jetzt wirklich niemanden verwundern. Und wenn sie demnächst was ausmachen sollten, werden sich wahrscheinlich alle wieder an den Kopf fassen und sagen: Was bitte schön soll denn dieser Unfug? no/dpa

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