Mit Kristo Šagors „Patricks Trick“ bringt das Theater Trier ein clever inszeniertes Denk-Spiel über Inklusion für Menschen ab zehn Jahren auf die Bühne.: Die Macht der Sprache

Mit Kristo Šagors „Patricks Trick“ bringt das Theater Trier ein clever inszeniertes Denk-Spiel über Inklusion für Menschen ab zehn Jahren auf die Bühne. : Die Macht der Sprache

Mit Kristo Šagors „Patricks Trick“ bringt das Theater Trier ein clever inszeniertes Denk-Spiel über Inklusion für Menschen ab zehn Jahren auf die Bühne.

Von Mechthild Schneiders

„Behindert sein – das ist ganz normal.“ Die Gemüsefrau spricht aus, was Patrick immer klarer wird. Denn er hat das gemacht, was man tun sollte, wenn man ein großes Problem hat und alleine nicht weiterkommt: Er hat sich Hilfe gesucht. Mit vielen Menschen hat er gesprochen, hat wichtige Tipps erhalten, aber auch Unsinn gehört. Hat gelernt, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Patricks Problem: Er bekommt einen Bruder. Doch der wird nicht sein wie andere Kinder; er wird vielleicht niemals sprechen können. Seine Eltern sagen ihm nichts Genaues. Und fragen kann er nicht, weil er sie belauscht hat. Im Laufe des Kinder- und Jugendstücks „Patricks Trick“ des Autors Kristo Šagor stellen sich nicht nur die Akteure auf der Bühne, sondern auch die Zuschauer im ausverkauften Studio des Theaters Trier die Frage: Was ist normal? Wie Patrick mit einem Bruder zu sprechen, der nicht einmal geboren ist (sein „Trick“)? Oder zu lispeln wie Patricks Freund Valentin? Kette zu rauchen wie Danjiel? Streng zu sein wie Lehrer Hansen? Verschrobelte Sätze abzulassen wie der Professor? Verunsichert zu sein statt stark wie Patricks Eltern oder behindert zu sein wie die Gemüsefrau?

Adi Hrustemovic und Martin Geisen schlüpfen in zwölf verschiedene Rollen. Regisseur Philipp Moschitz verzichtet dabei weitgehend auf Kostümwechsel, allein die Gestik und Mimik, aber vor allem die Sprache, die Diktion, lassen erkennen, wen die beiden Akteure gerade darstellen. Hier ist Aufmerksamkeit gefragt – von Schauspielern wie Zuschauern. Denn die Rollenwechsel, das Spieltempo, sind irre schnell, erinnern an rasante Filmschnitte. Ihnen zu folgen, ist dank Hrustemovics und Geisens Souveränität mühelos möglich. Was umso erstaunlicher ist, als die beiden gerade mal zehn Tage gemeinsam geprobt haben. Denn Hrustemovic, Masterstudent an der Theaterakademie August Everding in München, ist in den Endproben für den erkrankten Niklas Maienschein eingesprungen, der erst ab Februar wieder im Einsatz sein wird.

Moschitz erzählt die Geschichte aus der Sicht Patricks. Dieser stellt sich den Mutterleib grell erleuchtet vor. So „schwebt“ sein Bruder (Martin Geisen) unter Leuchtstoffröhren hindurch – ein konturloser Raum, ohne Grenzen (Ausstattung: Susanne Weibler). Auch die buckelige, zuckende Gemüsefrau entspricht eher der Vorstellung eines Elfjährigen von einem behinderten Menschen – oft verschmilzt die Wirklichkeit mit Patricks Fantasie.

Hrustemovic und Geisen spielen gefühlvoll und intensiv. Besonders stark sind sie als ungleiche Brüder, aber auch als die zwischen Hysterie und Verzweiflung schwankenden Eltern. Moschitz‘ Inszenierung ist frech, spritzig, temporeich – da wird geboxt, getanzt und gerappt – aber nie hektisch. Nie driftet sie in Klamauk ab, noch wirkt sie melodramatisch. So ist das Stück geeignet für Kinder ab der fünften Klasse bis hin zu den Großeltern.

Bis zum letzten Moment hält Moschitz die Spannung, fesselt die Zuschauer – die Stunde Spielzeit ist ruckzuck vorbei. Er schafft flapsige Momente, aber auch nachdenkliche, sehr berührende. Etwa, wenn der ungeborene Bruder (Geisen) sich schreiend und zuckend auf dem Boden wälzt und Patrick (Hrustemovic) ihn festhält und beruhigend auf ihn einredet. Sprache hat Macht.

Weitere Termine: 28. Januar, 11 Uhr, 30. Januar, 17 Uhr, 1. Februar, 17 Uhr, 16., 24., 28. Februar, 18 Uhr, Studio des Theaters Trier. Karten: Theaterkasse, Telefon 0651/718-1818.