Die neue Heimat an Mosel und Saar

Die Kulturmacher – Joseph Moog : Die neue Heimat an Mosel und Saar

Der junge Pianist lebt in Wincheringen – gibt aber Konzerte in der ganzen Welt. Kurz vor einem Auftritt in der Region stellt der TV ihn vor.

Er passt offenkundig nicht ins Klischee vom eigensinnigen Künstler. Joseph Moog wirkt im Gespräch fast unauffällig – jedenfalls frei von Egozentrik und im Auftreten ohne forcierte Selbstdarstellung. Der vergleichsweise junge Pianist, Jahrgang 1987, strahlt Gelassenheit und Präsenz zugleich aus. Und wenn von Komposition und Interpretation die Rede ist, dann wird der Klang seiner Sprechstimme runder, wärmer – ja: persönlicher. Mit der Musik hat Joseph Moog den Mittelpunkt seiner künstlerischen Aktivität gefunden. Am Samstag, 23. März, 20 Uhr, gibt er im Kloster Konz-Karthaus einen Klavierabend. Er spielt auf einem Steinway-Konzertflügel, den Star-Pianist Grigory Sokolov signiert und damit als hervorragendes Instrument anerkannt hat.

Musik muss von Kindheit an für Moog etwas ganz Selbstverständliches gewesen sein. Er wurde in eine Musikerfamilie hineingeboren. Schon sehr früh begann er mit dem Klavierspiel. An der Musikhochschule Karlsruhe wurde er Jungstudent bei Sontraud Speidel, deren Respekt und Feingefühl im Umgang mit den Studenten vielfach gerühmt werden. Dann folgte das reguläre Klavierstudium, unter anderem bei Bernd Glemser an der Musikhochschule in Würzburg und in Hannover bei Arie Vardi.

Bis dahin gleicht all das einer ganz normalen Pianisten-Karriere. Die besteht in der Regel nach der Ausbildung in einem Mix von Unterrichten und mehr oder weniger häufigen Konzertauftritten und gipfelt im Idealfall bei einer Musikhochschul-Professur. Aber Joseph Moog entschied sich für einen anderen Weg. Er stellte sich immer wieder entschieden und risikofreudig den hohen Anforderungen der Wettbewerb-Jurys und errang Auszeichnungen in erstaunlicher Fülle. 2016 beispielsweise wurde er für den begehrten „Grammy“ nominiert, 2015 avancierte er beim „Classical Music Award“ zum „Nachwuchskünstler des Jahres“ und wurde 2012 sogar „Bester Nachwuchskünstler“. Seinem Amerika-Debüt 2011 mit dem Colorado Symphony Orchestra unter Gilbert Varga folgten zahlreiche Einladungen in die Neue Welt. Eine seiner wichtigsten Begegnungen hatte Moog in Kanada mit dem Orchestre Métropolitain de Montréal und dessen Chefdirigent Yannick Nézet-Séguin. „Er war damals schon ganz oben angekommen, und trotzdem herzlich und sehr kollegial“, sagt Moog.

Wie so oft, spielt bei Moogs Klavierabend am kommenden Samstag der Zufall eine gewichtige Rolle, dazu aber eine rasche, entschiedene Initiative. Im April 2018 trat das Landesjugendorchester unter Marcus Huber in Konz auf. Joseph Moog war Solist in Edvard Griegs Klavierkonzert. Und als Johannes Tittel von der Stadtverwaltung nach dem Konzert anfragte, ob mit Moog vielleicht ein Solo-Klavierabend möglich sei, sagte der spontan zu.

Solo-Abende für Klavier sind in Konz eher selten. Moog hat darum für den 23. März ein Programm zusammengestellt, das die Musikfreunde fordert, aber nicht überfordert. Mozarts „Fantasien in d-Moll und c-Moll“ zu Beginn freilich gehören für den Pianisten und die Zuhörer zum Diffizilsten in der Klaviermusik. Und der idyllische Titel von Beethovens „Mondschein“-Sonate täuscht. Das Werk ist nicht nur pianistisch-technisch, sondern auch musikalisch anspruchsvoll. Den zweiten Teil beginnt Moog mit drei Kompositionen von Chopin, geht dann über zu drei „Petrarca-Sonetten“ von Franz Liszt und schließlich zu dessen „Ungarischer Rhapsodie Nr. 12“. Ein reichhaltiges, ein pianistisch ehrgeiziges Programm. Aber Moog bleibt im Gespräch bescheiden: „Man muss offen sein für die Musik, aber man darf die Werke nicht besitzen. Es wird bei einer Interpretation niemals alles gesagt.“ Eins indes gilt immer: „Ich möchte singen auf dem Flügel“. Das ist keine Kleinigkeit. Rein physikalisch ist auf dem Klavier mit seinen angeschlagenen und dann verklingenden Saiten eine durchgehende Melodie wie beim Gesang oder einem Streichinstrument gar nicht möglich. Und es gehört zur hohen Kunst des Klavierspiels, dem Anschlag so viel Energie mitzugeben, dass beim Hörer tatsächlich der Eindruck einer „singenden“ Melodie entsteht. Kein Zweifel: Joseph Moog beherrscht diese Kunst.

Moog und seine Frau haben sich in Wincheringen an der Obermosel niedergelassen, in der Nähe zu Luxemburgs Philharmonie und zum Orchestre Philharmonique, in dem die Ehefrau Bratsche spielt. Ab einem bestimmten Umfang der Reisetätigkeit könnte es eigentlich egal sein, wo man wohnt, weil man doch immer unterwegs ist. Aber Moog sieht das anders. „Es gibt so viel Schönes, so viel Sehenswertes in dieser Region. Wir entdecken noch immer Neues“, sagt er. So kommt es, dass ein international angesehener Pianist und eine Bratscherin im „Orchestre Philharmonique“ ihre neue Heimat an Mosel und Saar gefunden haben.

Martin Möller

Klavierabend Joseph Moog. Samstag, 23. März, 20 Uhr im Festsaal Konz-Karthaus. Werke von Mozart, Beethoven, Chopin und Liszt. Vorverkauf: Saar-Obermosel-Touristik, Buchhandlung Kolibri und Bürgerbüro in Konz. Zudem unter Telefon 06501 83219 oder per E-Mail an johannes.tittel@konz.de

Mehr von Volksfreund