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Konzerte: Die schottischen Straßenpoeten

Konzerte : Die schottischen Straßenpoeten

Die Band 13 Crowes singt in Trier über das einfache Leben, den harten Alltag und alte Zeiten.

Praktisch alles, was Cammy Black singt, ist authentisch, aber den Stolz seiner Mutter hat er vermutlich doch nicht gebrochen, sonst wäre sie nicht von Schottland mit nach Trier gekommen, um ihren Sohn im Mergener Hof spielen zu sehen. Cammy ist der Frontmann der Band 13 Crowes. Er, Andrew Dickson, Jason Downie und George McFarlane kommen alle aus der gleichen Ecke im südwestschottischen Grenzland. Rund 10 000 Menschen leben in dem Ort Annan. Cammy arbeitet auf dem Bau, Jason in einer Whiskybrennerei. Beim Interview vor dem Konzert trinkt Cammy Whisky mit Honig, um seine angeschlagene Stimme aufzubessern. Oder vielleicht damit sie so rauchig bleibt, wie sie ist. Sein schottisches Englisch ist nicht leicht zu verstehen, sein Händedruck fest, sein Lachen ehrlich. Er wirkt unbeschwert wie ein Kind. Mitten während des Konzertes tänzelt er über die Bühne und schattenboxt in die Luft. Zu Hause bestreitet er semiprofessionelle Kämpfe.

Es ist dieses ehrliche Workingclass-Leben, von dem er in seinen Songs singt („We mean every fucking strum!“). In manchen Songs liegt eine große Wehmut, wie die von Menschen, die einem früher viel bedeutet haben. „She was only stolen [...] Does my ghost still haunt your house? My Gpysy Queen, do you remember me at all?“, haucht Cammy mit seiner rauchigen Stimme auf dem gerade erschienen zweiten Album „Solway Star“. Es ist nach dem Fußballverein von Annan benannt, der 1947 aufgelöst wurde. Es finden sich überhaupt viele Verweise auf ihre Herkunft in ihrer Musik. Der Song „A75“ ist etwa nach der Hauptstraße der Region benannt. Als sie Teenager waren, nahmen sie nachts manchmal die Schlüssel vom Auto der Eltern und fuhren herum. „Immer im zweiten Gang, denn ich wusste nicht, wie man schaltet“, sagt Cammy. „Joyrides“ heißen solche Trips auf Englisch. In ihrem Lied „Young Poets“ singen sie davon: „It‘s a mystery to me while we‘re still dreaming we take a life of long days and short nights. We always stole cars for joyrides, broke a lot of hearts and my mother‘s pride.“

Die Musik von 13 Crowes ist voller Energie. Man ist gedanklich unterwegs mit Cammy und den Jungs an den Freitagabenden, die ihm damals so viel bedeutet haben, als er seinen Tageslohn mit einem Mädchen mit roten Haaren vertrunken hat, bevor die Uhr zehn schlug. „We kissed, shared a cigarette, she said ‚You boys are all the same‘. And she laughed at bolts of lightning and she danced upon the rain.“

Das einfache Leben, der harte Alltag, Freundschaft, alte Zeiten. Es gibt so viel, das in der Musik von 13 Crowes an Bruce Springsteen erinnert. Inhaltlich wie im Sound. Cammys Dad war Springsteen-Fan. Noch mehr erinnert aber ihre Musik an die Band Gaslight Anthem aus New Jersey, die sich ebenfalls auf Springsteen beruft. Sie haben den gleichen Sound. Springsteen-Nostalgie mit ein bisschen dreckigem Punk. 13 Crowes hat sich erst 2016 gegründet. Und sie sind verbunden mit der Region hier, denn ihr Label ist Homebound Records aus Holzerath. In Großbritannien würden sich die Menschen musikalisch eher an dem orientieren, was bekannt sei und von großen Radiosendern gespielt würde, sagt Cammy. Die Deutschen suchten mehr nach Nischenmusik. So führt sie nun auch ein Großteil ihrer Tour durch Deutschland. Mit dabei ist der Trierer Johannes Steffen alias Jawknee Musik und der schwäbische Countrysänger Christian Stumfol. Manchmal unterscheiden sich die Geschichten, die die Menschen bewegen, nicht groß. Sie spielen woanders, aber die Herzen schlagen ähnlich.