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Die Veranstaltungsbranche diskutiert mit Malu Dreyer über ihre Zukunft

Gesellschaft : Dreyer spricht mit Kulturschaffenden in Trier: Wie geht es raus aus der Krise?

Die Veranstaltungsbranche steckt in der Krise. Wie der Weg da raus führt, ist noch nicht klar — am Theater Trier wird am Dienstag gestreikt.

Schwierige Zeiten für die Kulturbranche. Auf der einen Seite kämpfen die Veranstalter um jeden Besucher, auf der anderen Seite legen Gewerkschaften Teile des Kulturbetriebs lahm. So wie am heutigen Dienstag: Auf dem Plan des Theaters Trier stand bis gestern das Stück „Auf und davon“. Doch am gestrigen Montag hat das Theater Trier Peter Yeldhams Komödie abgesagt. Der Grund: Die Gewerkschaft Verdi hat für heute die Beschäftigten des Theaters zum Warnstreik aufgerufen. Deshalb müsse die geplante Vorstellung des Stücks  „Auf und davon“ um 19.30 Uhr im  Großen Haus „leider ausfallen“. Wer bereits eine Karte für diese Vorstellung erworben hat, kann sich das Geld an der Theaterkasse rückerstatten lassen oder umbuchen.

Im Gegensatz dazu ächzt die Veranstaltungsbranche unter den Folgen der Corona-Krise. Tausende Veranstaltungen wurden in diesem Sommer abgesagt. Das hat Konsequenzen: Bühnentechnik und -techniker werden nicht gebraucht, Musiker stehen ohne Gage da und Leistungen von Sicherheitsdiensten werden nicht gebraucht. Und zu guter Letzt fehlen die zahlenden Besucher auf den Konzerten, den Stadtfesten oder im Kinosaal.

Winfried Kornberg, Geschäftsführer von Pro Musik, hatte die vergangenen Tage getrommelt — und für gestern Unternehmer aus der regionalen Veranstalterszene zum Dialog mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer eingeladen. Ziel war es, mit der Politik in Dialog zu treten und Perspektiven zu entwickeln, wie die Veranstaltungsbranche sinnvoll unterstützt werden kann.

Denn hart getroffen hat die Corona-Krise beispielsweise das Unternehmen Popp-Concerts. Geschäftsführer Oliver Thome beschreibt die Situation für sein Unternehmen als katastrophal. „Von 120 Veranstaltungen und Konzerten, die wir für dieses Jahr bis März geplant hatten, fanden gerade mal 20 statt.“ Das alleine sei schon schlimm genug, aber es fehle auch an positiven Impulsen für das nächste Jahr. Die Vorverkaufszahlen für das Jahr 2021 stünden faktisch bei Null. „Unsere Arbeit ist komplett destruktiv, weil durch die große Verunsicherung unsere Mitarbeiter fast nur noch dabei sind, Buchungen und Veranstaltungen abzuwickeln.“

Dirk Ziesenhenne, Geschäftsführer des Broadway-Filmtheaters in Trier, kritisiert, dass die Kinobranche zunächst nicht von den Überbrückungshilfen profitiert habe. Er geht aber davon aus, dass die aktuelle Hilfe in seinem Unternehmen ankommen wird. „Momentan verbrauchen wir aber unsere Rücklagen und schieben geschäftliche Entscheidungen auf.“ Manche Unklarheit kann hier Malu Dreyer aufklären: So seien Zahlungen aus dem zweiten Überbrückungshilfeprogramm des Bundes nicht länger an den Umsätzen der Unternehmen orientiert.

Auch Tobias Scharfenberger, Intendant des Moselmusikfestivals ist momentan unklar, was die Festivalsaison 2021 bringen wird. „Sicher, wir haben diesen Sommer viel mit Veranstaltungsformaten experimentiert. Aber einen Spielplan für das kommende Jahr aktuell vorzustellen, macht für uns überhaupt keinen Sinn.“ Viele Festivalbesucher seien so verunsichert, dass sie keine Konzerttermine im nächsten Jahr buchen würden. Er macht sich dazu auch Sorgen darüber, wie das Festival künftig finanziert wird. „Laut Gesellschaftervertrag dürfen wir keine Rücklagen bilden. Es ist aber unklar, wie wir die aufgrund der Auflagen geringere Auslastung der Veranstaltungen abfedern können.“

Einen tiefen Einblick in die Branche lieferte auch Konstantin Rohr. Der Geschäftsführer der Security Schmitt GmbH betont, dass auch er und sein Unternehmen aktuell von den gebildeten Rücklagen leben. „Wir haben 80 Prozent weniger Umsatz in diesem Jahr, weil wir uns vor etlichen Jahren auf die Absicherung von Großveranstaltungen konzentriert haben.“ An manchen Wochenenden seien in der Vergangenheit bis zu 700 Mitarbeiter im Einsatz gewesen. Er zeigt aber auch noch auf ein anderes Problem der Branche: Viele Mitarbeiter in Kurzarbeit würden sich gerne aktuell fortbilden. Aber aufgrund verwaltungsrechtlicher Vorgaben sei das nicht möglich. „Weder die Agenturen für Arbeit noch die Industrie- und Handelskammern konnten uns bei diesem Problem weiterhelfen.“

Manfred Langner, Intendant des Theaters Trier, spürt, dass die „Theaterbesucher großen Hunger auf Kultur“ haben. Er plädiert dafür, sichere Räume für die Kultur zu schaffen — auch mithilfe der Veranstaltungsbranche, die hier über viel Know-how verfüge. In diesem Kontext warnt Peter Stablo vom Verein Kulturraum Trier vor einer „Sprache der Apokalypse“. „Wir müssen die Angst in den Griff bekommen“, mahnt Stablo.

Malu Dreyer hat für die Probleme der Veranstalter ein offenes Ohr. Auch Tobias Scharfenberger, Intendant des Musikfestivals, ist momentan ratlos, wie es im Jahr 2021 mit seinem Festival weitergeht. Foto: Pro Musik/Simon Engelbert/Simon Engelbert

Malu Dreyer lobt die Veranstaltungsbranche, die die Krise auf den Veranstaltungen sehr gut manage. „Wichtig ist es, den Mut nicht zu verlieren.“ Corona-Fälle seien bislang im Land vornehmlich die Folge privater Parties sowie von Familienfeiern. Diese Problemfelder müsse man in den Griff bekommen. Sie will sich auch dafür einsetzen, dass Regelungen gefunden werden, wer das Ausfallrisiko von Veranstaltungen übernimmt.